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Marburg Marburgs Herz bleibt dunkel
Marburg Marburgs Herz bleibt dunkel
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15:47 18.12.2019
Valeri Leinweber zeigt auf die kaputten Röhren am Herz-Kunstwerk. Die Feuerwehr half dem Beleuchtungsexperten mit der Drehleiter hinauf zur Installation am Spiegelslustturm. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Der Wind pfeift eisig in schwindelerregender Höhe. Valeri Leinweber steht im Korb der Drehleiter Aug in Aug Marburgs Herz gegenüber. Er zieht sich seine Mütze tiefer ins Gesicht und zeigt mit seinem behandschuhten Finger nach rechts. Geschickt steuert Timo Felgenhauer vom Fachdienst Brandschutz der Feuerwehr Marburg die Drehleiter genau dort hin, wo Leinweber sie haben will – in Richtung eines leuchtenden Herzbogens.

Ja, der leuchtet wieder. Denn zuvor war das Herz erfolgreich reanimiert worden. Das Steuergerät, das im Sommer bei einem Blitzeinschlag kaputtgegangen war, konnte im November ­erneuert werden. Es dauerte so lang, weil das von der Künstlerin Helmi Ohlhagen entworfene Stahlkonstrukt ein Einzelstück ist. Das Steuergerät musste extra angefertigt werden – ­inklusive Ausschreibung, Auftragsvergabe und Herstellung eine (zeit-)aufwendige Angelegenheit, bedauert die Stadt und teilt auf OP-Anfrage auch gleich die Kosten mit: rund 6.000 Euro kostet die neue Steuereinheit.

Doch am Montagmorgen zeigen sich Komplikationen. Das Herz flackert nur kurz – um genauer zu sein: nur Teile des Herzens leuchten. Den Grund erkennt Valerie Leinweber, der Experte für Beleuchtungstechnik, sofort: „Da ist die Neonröhre kaputt“, erklärt er. Seine Diagnose: Es gibt erhebliche Mängel an verschiedenen Beleuchtungselementen. Auch die Befüllung der Neonleuchten ist nicht mehr in bestem Zustand. Sie leuchten nur schwach. „Nach über zehn Jahren ist das aber ganz normaler Verschleiß“, so Leinweber.

Als Therapie empfiehlt der Spezialist: Alle Neonröhren müssen ausgebaut, gereinigt, neu befüllt und wieder ins Herz montiert, defekte Röhren sowie alle Transformatoren komplett ersetzt werden. „Sonst hat man alle paar Monate Ärger damit.“

Wie die Stadt Marburg mitteilt, soll die Herz-Operation im ersten Quartal 2020 erfolgen. Zwei bis vier Wochen sollen die Arbeiten dauern, für die ein Hubsteiger benötigt wird. Denn: Anders als die Wartung sind sie nicht aus dem Korb der Feuerwehr-Drehleiter heraus möglich.

Erst werden die Leuchten repariert und remontiert, danach sind die Trafos an der Reihe. Die grob geschätzten Kosten hierfür belaufen sich auf rund 5.000 Euro. Wie die Pressestelle der Stadt Marburg auf Anfrage der OP mitteilt, hat „der Fachdienst Kultur dem geschwächten Herzen bis zu seiner OP ab sofort Ruhe verordnet. Es könnte zwar heute schon wieder gebrochen leuchten, wäre aber ein trauriger Anblick. Deshalb bleibt das Herz bis zur vollständigen Wiederherstellung ausgeschaltet. Die Stadt bittet um Verständnis.“

Eine gute Nachricht für alle­ Herz-Fans gibt es dennoch: Wenn die OP erfolgreich läuft, wird das Herz wieder wie neu erstrahlen. Und auch der Statiker prüfte am Montag das Lichtkunstwerk auf Herz und Nieren: Thomas Pfeifer inspizierte Schweißnähte und Verankerungen des Kunstwerkes und war begeistert. Aus statischer Sicht sei: „Alles bestens!“

von Nadine Weigel