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Marburg Marburgerin kämpft gegen Armut in der Welt
Marburg Marburgerin kämpft gegen Armut in der Welt
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14:58 02.05.2020
Auf in den Kampf gegen Armut: Die Marburger Soziologiestudentin Leonie Theiding ist Jugendbotschafterin der international tätigen Organisation „One“. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

„Es ist nicht damit getan, Bedürftigen ein paar Cent hinzulegen. Almosen helfen nicht gegen Armut“, sagt Leonie Theiding.

Die 20-Jährige, die seit einem halben Jahr in Marburg an der Philipps-Universität studiert, will das Übel an der Wurzel packen – und engagiert sich deshalb als Armutsbekämpferin.

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„Ich habe jedes Mal einen Knoten im Bauch, wenn ich etwa Obdachlose sehe. Dabei ist Armut bei uns im Alltag ja so gut wie nicht sichtbar“, sagt sie.

Doch auch wenn sie zumal in Marburg meist verborgen ist, gibt es sie – das weiß Theiding aus eigener Erfahrung, aus ihrem eigenen Leben. Zwar kann, darf sie studieren, seit vergangenem Oktober Soziologie, aber Armut ist ein Thema in ihrer Familie.

Denn die Mutter, die aus der Türkei stammt, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, ihre Biografie wie auch die Berührungspunkte sind Teil von Theidings Dasein. „Für mich ist Armut keine Theorie, auch wenn ich selbst davon verschont bin.“

„Ich komme schlecht mit Ungerechtigkeit aus“

Und genau das löse in ihr einen immer wiederkehrenden Gedankengang aus: Wieso gehe es ihr so viel besser als anderen? „Ich komme schlecht mit Ungerechtigkeit, mit unfairen Verhältnissen aus“, sagt sie. Und weil das so ist hat sie sich der Armutsbekämpfung – dem Kampf gegen viele Menschen benachteiligende Strukturen – verschrieben. Sie tut das als Jugendbotschafterin der Organisation „One“.

Die Studentin ist auch schon mitten drin im Strukturkampf: Bei einem Treffen im Bundesfinanzministerium mit Minister Olaf Scholz (SPD) hat sie gemeinsam mit 50 anderen „One“-Botschaftern von der Spitzenpolitik eine Europa-Afrika-Partnerschaft auf Augenhöhe gefordert – konkret mehr Investitionen in die Entwicklungszusammenarbeit sowohl auf nationaler als auch EU-Ebene. „Denen eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört werden, das ist mir wichtig“, sagt sie.

Ein Manifest gegen Armut

Um globale Veränderung zu erreichen, müsse es im Alltag jedes Bürgers vor Ort einen Bewusstseinswandel geben. „Das geht mit Kleinigkeiten los, aber ein Anfang ist gemacht, wenn man sich mal mit dem eigenen Konsum befasst. Jedes bunte T-Shirt, das wir tragen, leistet anderswo auf der Welt einen dunklen Beitrag zur Armut von Menschen.“

Würden sich zunehmend mehr Konsumenten diesen Mechanismus vergegenwärtigen, „dann muss es auch nicht so sein, dass es vielen so viel schlechter geht als einem selbst“.

Theiding plant in ihrer Botschafter-Funktion nun eine Anti-Armuts-Kampagne – in Nach-Corona-Zeiten auch mit Infoständen, aber aktuell und vor allem eine Social-Media-Aktion, einen Instagram-Wettbewerb um „vor allem junge Stimmen laut werden zu lassen“. So soll letztlich ein „Manifest gegen Armut“ entstehen.

Verpflichtung wurde vor 50 Jahren formuliert

Die Politik nehme sich bei der Armutsbekämpfung stets viel vor, setze aber letztlich wenig um – ein Teufelskreis, den man als „One“-Bewegung durchbrechen wolle.

So fordert man etwa mehr, vor allem aber klügere Investitionen auch in die Krankheitsbekämpfung. Theiding setzt dabei, wie „One“ insgesamt auf die in der zweiten Jahreshälfte deutsche EU-Ratspräsidentschaft.

Die EU solle dann mit ihrem Siebenjahresbudget 140 Milliarden Euro bereitstellen, Deutschland selbst das 0,7-Prozent Ziel umsetzen. Heißt: Eine vor bereits 50 Jahren formulierte Verpflichtung wahr werden lassen, wonach 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft in die Entwicklungszusammenarbeit fließen sollen. 0,6 Prozent sind es aktuell.

In Bezug auf Afrika glaubt „One“: Wenn Europa und Afrika enger zusammenarbeiten würden, profitieren letztlich Menschen auf beiden Seiten.

Von Björn Wisker

Das ist „One“

„One“ ist eine internationale Bewegung, die sich nach eigenen Angaben für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten bis zum Jahr 2030 einsetzt. Ziel: Jeder Mensch soll ein Leben in Würde und voller Chancen führen können. 

Die Organisation ist davon überzeugt, dass es bei dem Kampf gegen Armut nicht um Almosen gehe, sondern um Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Kampagnen in der Öffentlichkeit, Lobbyarbeit in der Politik: Man mache Druck auf Regierungen, damit sie mehr tun im Kampf gegen extreme Armut und vermeidbare Krankheiten, insbesondere in Afrika. 

„One“ – 2004 unter anderem von U2-Sänger Bono und Bob Geldof mitgegründet – finanziert sich nach eigenen Angaben fast ausschließlich von Stiftungen, Philanthropen und Unternehmen.

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