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Marburg Vom Spielmannszug zum Superstar?
Marburg Vom Spielmannszug zum Superstar?
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09:58 12.10.2019
Larissa Pitzen macht im Flur der Phil-Fak das „Voice“-Zeichen. Die Studentin aus Marburg ist bei „The Voice of Germany“ eine Runde weiter. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Sie ist immer noch „voll happy“. Larissa Pitzen strahlt übers ganze Gesicht.

Selbst, dass ihr Laptop heute ­irgendwie irre langsam ist, kann die Studentin nicht aus der ­Ruhe bringen. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch in ihrer kleinen Studentenbude in Marburg und wippt fröhlich auf dem Stuhl hin und her.

Donnerstagabend, 10. Oktober, wurde ihr großer Auftritt bei Pro7 ausgestrahlt: Die 23-Jährige, die aus einem kleinen Ort in der Eifel kommt und in Marburg studiert, trat bei „„The Voice of Germany“ auf. Der Show, die donnerstags und sonntags Zuschauer vor den Fernseher lockt: Rund 1,50 Millionen 14- bis 49-Jährige schauen im Schnitt zu.

„Oh Gott, was habe ich mir angetan?“

Die erste Sendung der diesjährigen Staffel hatte einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Ein Riesending also. Für Larissa, die noch nie auf einer so großen Bühne stand, einfach ein unfassbares Gefühl: „Ich war noch nie so aufgeregt. Als das Tor aufging, dachte ich mir, `Oh Gott, was habe ich mir angetan´“, erinnert sie sich lachend. Doch als das Scheinwerferlicht auf sie gerichtet war und sie angefangen habe zu singen, sei es „einfach nur mega“ gewesen.

Noemi ist drin

Noemi Treude konnte in den zweiten Blind Auditions dieser Staffel überzeugen (die OP berichtete). Alice Merton und Mark Forster buzzerten für die 25-Jährige. Noemi entschied sich für Alice Merton und durfte mit dem Star sogleich „Roots“ im Duett singen.

Die Freude über Noemis Weiterkommen war riesig. Vor allem bei ihren kleinen Fans in der evangelischen Kindertagesstätte in Ockershausen, wo sie als Erzieherin arbeitet. Im Team von Alice Merton wird Noemi nun bald in den Battles antreten.     

„Mega“ fand ihren Auftritt vor allem Sido. Deutschlands ­bekanntester Rapper buzzerte­ schon nach wenigen Sekunden für die 23-Jährige, die in ­Lederfransen-Jacke und mit ­
ihrem Markenzeichen – der Melone auf dem Kopf – „Still got the Blues“ von Gary Moore performte.

Die anderen drei Coaches – Rea Garvey, Alice Merton und Mark Forster – drehten sich nicht für Larissa um. Aber darüber enttäuscht ist sie nicht. Im Gegenteil. „Ich bin froh, dass sich überhaupt einer umgedreht hat“, grinst sie und wippt wieder auf ihrem Stuhl hin und her.

Ihr Zimmer ist übersichtlich eingerichtet: Schreibtisch, kleiner­ Schrank, auf dem Boden eine­ Matratze zum Schlafen. Viel braucht Larissa nicht, um glücklich zu sein.

Und „happy“ scheint die 23-Jährige irgendwie immer. Auch während ihres Praktikums in der Redaktion der Oberhessischen Presse hatte sie „immer Spaß“, wie sie beteuert. Auch danach, als sie als freie Mitarbeiterin für die OP unterwegs war, habe sie sehr gern Artikel geschrieben. Am liebsten für die OP-Kulturredaktion. Kein Wunder, schließlich studiert sie Kunst, Musik und Medien an der Philipps-Universität.

Can ist raus

Can Sisamci ist ein alter Bekannter. Der heute 17-jährige Marburger war 2016 bei „The Voice Kids“ erfolgreich dabei und hatte eine große Fangemeinde (die OP berichtete). Nun wollte er es bei den Erwachsenen wissen und performte Adel Tawils „Kartenhaus“.

Cans Familie fieberte hinter den Kulissen mit und konnte kaum glauben, dass keiner der Juroren sich für ihn umdrehte. Can war raus, aber er nahm‘s gelassen.

„Wirklich gar nicht schlimm, ich werd‘ trotzdem weiter Musik machen“, sagte er auf Nachfrage der OP. Hier alle OP-Videos über Can aus dem Frühjahr 2016.

Die Musikalität wurde ihr in die Wiege gelegt. Schon der Opa war in der Eifel aktives Mitglied im Spielmannszug, genauso wie Mama, Papa und eben Larissa.

„Ich hab‘ auch als Kind mich immer irgendwo draufgestellt und einfach losgesungen“, erinnert sie sich. Mit 14 Jahren hatte sie ihre erste eigene Band.

Am Anfang mochte sie Jazz am liebsten, mittlerweile reicht ihr Repertoire bis zu aktuellen Popstücken.

Seitdem sie in Marburg studiert, hat sie kein festes Ensemble, „jamme“ nur manchmal zusammen mit Freunden ein bisschen. „Aber falls eine coole Band eine Sängerin sucht, einfach bei mir melden“, sagt sie augenzwinkernd.

Larissa liebt Natur und Musik 

Marburg gefalle ihr als Studienort total gut. Schließlich komme sie aus dem ländlich gelegenen Ulmen in der Eifel und würde in einer großen Stadt die Natur schon vermissen. „Marburg dagegen hat viele grüne Ecken, wo man auch mal spazieren gehen kann“.

Mit Natur und Musik hat auch ihre andere große Leidenschaft zu tun: Larissa liebt Festivals und lässt so gut wie keines aus. „Immer mitten drin oder vorne mit dabei“, sagt sie strahlend und zeigt auf die ­unzähligen Konzerttickets, die an ihrer Wand hängen.

„Noemi und ich verstehen uns super“

Irgendwann selbst von der Musik leben zu können – das wär‘s, sagt Larissa. „The Voice“ ist dabei sicher ein gutes Sprungbrett, um bekannt zu werden. Aber jetzt freut sie sich erst einmal auf die Zeit im Team von ­Sido. „Cool ist, dass ich ja nicht die Einzige aus Marburg bin“, betont sie.

Erfolgreich in den „Blind audi­tions“ war ja schon Noemi Treude. Die Erzieherin aus der Kita Ockershausen ist im Team von Alice Merton. „Noemi und ich verstehen uns super“, sagt Larissa. Deshalb sei sie heilfroh, nicht im gleichen Team zu sein und so in den „Battles“ nicht gegen Noemi antreten zu müssen.

von Nadine Weigel