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Marburg Marburger protestieren gegen A 49
Marburg Marburger protestieren gegen A 49
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19:58 25.09.2020
Rund 1500 Menschen demonstrierten am Freitag für mehr Klimaschutz und gegen die A 49. Fotos: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Globaler Klimastreik-Tag am Freitag: Da klinkte sich natürlich auch die Marburger „Fridays for future“-Bewegung wieder ein. Gleich zwei Demonstrationszüge setzten sich nach 12 Uhr mittags in Bewegung Richtung Stadthalle, wo sie dann zusammenkamen. Während sich am Schulzentrum in der Leopold-Lucas-Straße vorwiegend Schülerinnen und Schüler versammelt hatten, kam vom Hauptbahnhof ein Zug mit einer breiten Koalition aus Schülern und Studierenden sowie Vertretern der Marburger Umweltschutzbewegung. Zwar wurde die Rekordmarke von 5 000 Demonstranten für den Aktionsfreitag aus dem vergangenen Jahr bei dem nun unter Corona-Hygienebedingungen stattfindenden Protest nicht erreicht. Aber nach Schätzungen der Polizei kamen immerhin rund 1 500 Demonstranten schließlich an der Stadthalle zusammen. Laut Ordnungsamtsleiter Christian Prölß hielten sich alle Teilnehmer „vorbildlichst“ an die Maskenpflicht.

„Rette, was zu retten ist“, „Es gibt genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier“, „Verkehrswende statt Natur­ende“: Das waren einige der Slogans auf selbstgefertigten Plakaten und Transparenten der Demonstranten.

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Aber das Hauptthema war bei der Demo an diesem Freitag ein regionales Thema, das gerade vor allem im Ostkreis auf der politischen Agenda steht: der Protest gegen den Weiterbau der Autobahn A 49 bei Stadtallendorf und die damit verbundene geplante Rodung im Dannenröder Forst. „Danni bleibt“ und „Scheiß A 49“: Das waren zwei der einprägsamen Protest-Slogans, die skandiert wurden.

Eine Vertreterin der Organisation „Extinction Rebellion“ forderte, dass der natürliche Lebensraum für Pflanzen und Tiere im Dannenröder Forst nicht zerstört werden dürfe, sondern erhalten bleiben müsse. Es sei klar, dass das mit einer Waldrodung verknüpfte Projekt der A 49 den Klimawandel beschleunige, und dass die negativen Folgen auch nicht durch die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden könnten.

Eine Sprecherin der „Bürgerinitiative (BI) gegen die A 49“ appellierte an die Marburger Demonstrierenden, in den kommenden Tagen und Wochen möglichst zahlreich zu den Protestcamps am Dannenröder Forst zu kommen, denn ab dem 1. Oktober seien Baumfällungen erlaubt und möglich. „Die Behörden und die Politik versuchen dem Protest Steine in den Weg zu legen“, sagte die Aktivistin. „Wir können den Wald nur retten, wenn wir alle an einem Strang ziehen.“ Sie verstehe es nicht, wenn die Protestierer kriminalisiert würden. „Die Menschen im Wald sind friedlich, sagte die BI-Sprecherin. Dr. Corinna Franz von den „Scientists for Future“ machte deutlich, wie wichtig der Wald als natürlicher Wasserspeicher sei. Einblicke in das Innenleben der Protestcamps im Wald gab eine Bewohnerin eines Baumhauses in ihrem Redebeitrag. „Wir bauen Baumhäuser und schaffen Freiräume“, sagte sie. Bei dem gemeinsamen Zusammenleben gehe es darum, sich für eine lebenswerte Zukunft einzusetzen, in der nicht das Profitdenken im Vordergrund  stehe.

Von Manfred Hitzeroth und Nadine Weigel

25.09.2020
25.09.2020