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Marburg Patienten sollen sich wohl in ihrer Haut fühlen
Marburg Patienten sollen sich wohl in ihrer Haut fühlen
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15:00 08.05.2021
Professor Michael Hertl ist neuer Chef der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.
Professor Michael Hertl ist neuer Chef der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

„Viele Hautkrankheiten wirken stigmatisierend und belasten die Patienten. Wir versuchen, diesen Menschen von innen und außen zu helfen, so dass sie mit ihrem Leben wieder besser zurechtkommen“, erläutert Professor Michael Hertl. Der Chef der Marburger Uni-Hautklinik vertritt künftig nach außen alle rund 4000 Hautmediziner in Deutschland, für die diese von ihm geäußerte Maxime gelten soll. Hertl ist für eine Amtszeit von drei Jahren bis 2023 zum neuen Präsidenten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) gewählt worden. Der 59-Jährige übernimmt das Amt von Professor Tilo Biedermann (München).

Als neuer Präsident sieht sich Professor Hertl als ein Interessensvertreter aller rund 4000 Dermatologen (Hautmediziner) in den Kliniken und niedergelassenen Praxen. Zudem möchte er die vielfältigen Bedeutungen des Fach auch in der Öffentlichkeit stärker positionieren.

Mittelbare Auswirkungen

Aktuell beschäftigen sich auch die Hautmediziner in Deutschland wie die Kollegen anderer medizinischer Fachdisziplinen vermehrt mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Alltag vieler Patienten. So kann Corona beispielsweise auch mittelbare Auswirkungen auf die Haut haben, wie Hertl im Gespräch mit der OP erläutert. Denn die Hautmediziner sehen derzeit bei immer mehr Patienten Ekzeme an den Händen wegen übermäßigem Händewaschen. Eine andere Auswirkung der Pandemie: Weil viele Patienten zwischenzeitlich nicht zum Arzt gegangen sind, kommen immer mehr Patienten mit schwarzem Hautkrebs oder schweren Hauterkrankungen wie Schuppenflechte in die Sprechstunden der Haut-Spezialisten.

Es gibt aber auch spezifische Hautveränderungen, die auf eine Covid-Erkrankung hinweisen und bei denen die Mediziner Alarm schlagen. Die im vergangenen Jahr gegründete DDG-Taskforce zum Thema Corona solle sich auch in den kommenden Monaten intensiv mit dem Thema beschäftigen, erklärt der Marburger Dermatologe. Auch, weil viele Hautmediziner einen Impfschein besitzen, sollen sie demnächst auch verstärkt in die Corona-Impfung mit eingebunden werden, sagt Hertl. Ansonsten möchte der Marburger Dermatologe als neuer Präsident seiner Fachgesellschaft auch in der Öffentlichkeit die besondere Bedeutung seines Fachs als eines besonders breit angelegten medizinischen Querschnittsfachs darstellen. Eine Vielzahl von Krankheiten von Heuschnupfen über Asthma bis hin zu Neurodermitis steht im Fokus der Mediziner. Die Palette der medizinischen Anwendungen reicht von der Behandlung von Tumoren bis hin zu chirurgischen Eingriffen.

Digitale Transformation

Die Digitalisierung macht auch vor der Hautmedizin nicht halt. „Die Dermatologie ist eines der Fächer, das sehr gut vorbereitet ist für die digitale Transformation in der Medizin“, meint Michael Hertl. Das liege vor allem daran, dass die Dermatologie ein visuell geprägtes Fach sei. Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Marburger Uni-Hautklinik haben beispielsweise die Krankenhäuser in Fulda, Schwalmstadt und Frankenberg. Viele Erkrankungen der Haut könne man über gut dokumentierte Bilder auch digital diagnostizieren. Das gelte allerdings nur eingeschränkt. „Rund 20 Prozent der Patienten muss man sehen, weil Abbildungen alleine nicht reichen“, meint Hertl. Auch Apps und die Verwendung von künstlicher Intelligenz zur Evaluation von Befunden, sowie ‚Smart Skin‘ zur Messung verschiedener Körperfunktionen oder die Auswertungen immer größer werdender Datenmengen zählen zur Digitalisierungs-Agenda der Hautmediziner.

Eine hochqualifizierte klinische Ausbildung sieht Hertl ebenso wie eine kontinuierliche Weiterbildung und innovative Forschung als wichtig für die Zukunft seines Fachs an. Besonders am Herzen liegt Hertl die Förderung der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung. Weitergeführt und ausgebaut werde beispielsweise ein Programm, das es jungen Ärztinnen und Ärzten an Kliniken ermögliche, Forschung und ärztliche Tätigkeit in einem definierten Förderungszeitraum zu kombinieren.

Der Dermatologe und Allergologe Professor Michael Hertl ist seit 2004 Chef der Marburger Uni-Hautklinik und Professor an der Universität Marburg. Er war langjähriger Leiter des dortigen interdisziplinären Allergiezentrums Hessen. Seit 2010 ist er Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina).

Hertl studierte an den Universitäten Bochum und Köln. 1986 legte er sein medizinisches Staatsexamen ab. Er promovierte 1987 an der Medizinischen Fakultät der Universität Köln. 1996 erfolgte seine Habilitation zum Thema „Rolle von T-Lymphozyten in der Pathogenese bullöser Dermatosen. 1999 erhielt Hertl den Ruf auf eine Professur an der Universität Erlangen und wurde dort stellvertretender Klinikdirektor der Dermatologischen Klinik, bevor er nach Marburg wechselte. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Autoimmunerkrankungen der Haut, die Hauterkrankung Pemphigus, die Schuppenflechte (Psoriasis), schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom) sowie T-zellbasierte Immunmechanismen.

Von von Manfred Hitzeroth