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Marburg Helfer sorgen für 2000 weniger schwere Krankheitsverläufe
Marburg Helfer sorgen für 2000 weniger schwere Krankheitsverläufe
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21:00 05.07.2021
Fast 2 000 Menschen wurden am Sonntag im Impfzentrum geimpft. Durch diszipliniertes Verhalten trugen die Impflinge zum reibungslosen Ablauf bei.
Fast 2 000 Menschen wurden am Sonntag im Impfzentrum geimpft. Durch diszipliniertes Verhalten trugen die Impflinge zum reibungslosen Ablauf bei. Quelle: Tobias Hirsch
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923 Menschen haben sich am Sonntag bei der Sonder-Impfaktion des Kreises im Impfzentrum mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson impfen lassen. Das verfügbare Kontingent für diese Aktion wurde damit ausgeschöpft. Es kam aus einer Sonderzuteilung des Landes, sagte Lars Schäfer, der Leiter des Fachbereichs Gefahrenabwehr des Landkreises.

„Dass unsere Sonder-Impfaktion so gut angenommen wurde, freut mich sehr. Denn die Impfungen sind ein wichtiges Werkzeug, um die Corona-Pandemie weiter einzudämmen“, betonte Kreisbrandinspektor Lars Schäfer als Gesamtleiter des Impfzentrums. Er bedankte sich bei allen Mitarbeitenden des Impfzentrums, die durch ihren Einsatz für einen reibungslosen Ablauf der Sonder-Impfaktion sorgten, die parallel zum normalen Tagesgeschäft abgewickelt wurde. „Das hat alles gut funktioniert und auch die Impflinge haben durch ihr diszipliniertes Verhalten zum reibungslosen Ablauf beigetragen“, so Schäfer.

Bereits eine Stunde, ehe sich die Türen öffneten, hatte sich auf dem Messeplatz eine lange Schlange von Menschen gebildet, die sich im Rahmen der Sonderaktion impfen lassen wollten. „Unser Impfzentrum genießt einen guten Ruf“, versucht Schäfer den Andrang zu erklären, „und für uns ist wichtig, dass wir keinen abweisen. Jede Spritze zählt im Kampf gegen das Coronavirus.“

Hintergrund der Aktion war eine Impfstoff-Sonderlieferung des Landes. Die Aktion stand allen Einwohnerinnen und Einwohnern des Landkreises ab 18 Jahren offen. Für die Sonderimpfaktion wurde in der Zeit von 7 Uhr bis 22 Uhr eine eigene Impfstraße eingerichtet. Neben den 923 Impfungen der Sonderaktion fanden an diesem Tag auch mehr als 1 000 Impfungen im regulären Betrieb statt – „eine bemerkenswerte Leistung der Impfenden“, lobt Karsten Oehler, der organisatorische Leiter des Impfzentrums.

Die positive, fast freudig erregte Stimmung ist im Zentrum fast mit Händen zu greifen. „Alle sind gut drauf“, berichtet Lars Schäfer. Er meint den Grund zu kennen: Wer sich an diesem Tag mit Johnson & Johnson impfen lässt, geht geschützt in die Sommerferien – und zwar vom ersten Tag der Ferien an. Wer sich erst im Laufe dieser oder nächster Woche impfen lässt, muss halt auf den vollständigen Impfschutz noch ein paart Tage warten. Der Impfstoff von Johnson & Johnson muss nur einmal geimpft werden, um seine volle Wirkung zu entfalten.

Impftage werden etwas „überbucht“

Hohe Ausfallquoten gibt es im Impfzentrum im Übrigen nicht in dem Maße wie in anderen Bundesländern. „Etwa 10 bis 13 Prozent“ der angemeldeten Personen erscheinen nicht zum Impfen, ohne abgesagt zu haben. Man versuche diese Zahl etwas auszugleichen, indem man die Zahl der Impftermine pro Tag etwas höher ansetzt, also quasi den einzelnen Impftag etwas „überbucht“.

Anästhesistin Monika Hille ist eine von fünf Impfärztinnen, die an diesem Tag in der Sonder-Impfstraße die Impflinge über Risiken, mögliche Nebenwirkungen und deren denkbare Symptome aufklären – vor dem Stich. Sie ist extra aus dem Süden Deutschlands angereist, um an diesem Tag zu helfen. Auch sie hat die „tolle Stimmung“ im Impfzentrum wahrgenommen, „auch wenn die Leute zum Teil doch unsicher sind, man ihnen die Angst nehmen muss.“

Anita Potthast impft Marcel Kloes. Quelle: Tobias Hirsch

Einer der Impflinge, die sich gegen Mittag die Spritze setzen lassen, ist Marcel Kloes. Der 30-Jährige hat erst zwei Stunden zuvor von der Aktion erfahren, hat sich in sein Auto gesetzt und ist losgefahren. „Ich warte schon ewig auf einen Termin, jetzt kann ich das schnell und unbürokratisch erledigen lassen“, sagt er.

„Sie bekommen Ihren QR-Code als Impfbestätigung nach Hause zugeschickt“, sagt noch Impfschwester Anita Potthast. Sie ist Mitglied der DRK-Schwesternschaft, arbeitet sonst am evangelischen Krankenhaus in Gießen und freut sich „wahnsinnig, dass wir heute so viele Menschen impfen können.“ Fast hat man den Eindruck, so freuten sich die Mitarbeitenden, dem Corona an diesem Sonntag ein Schnippchen zu schlagen. Insgesamt 2 000 Impfungen an einem Tag bedeutet sehr wahrscheinlich eben auch 2000 weniger schwere Krankheitsverläufe.

Von Till Conrad

07.07.2021
05.07.2021