Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Marburger fahren auf Carsharing ab
Marburg Marburger fahren auf Carsharing ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:59 25.03.2022
Der Anteil von E-Fahrzeugen in der Scouter-Flotte beträgt mehr als zehn Prozent – Tendenz steigend.
Der Anteil von E-Fahrzeugen in der Scouter-Flotte beträgt mehr als zehn Prozent – Tendenz steigend. Quelle: Anja Koehne
Anzeige
Marburg

Carsharing steht in Marburg weiter immens hoch im Kurs: Der heimische Anbieter Scouter verzeichnet jährliche Wachstumsraten bei den Nutzern zwischen 15 und 20 Prozent. Der gestiegene Spritpreis hat aber nicht zu einer noch höheren Nachfrage geführt. „Monatlich haben wir im Durchschnitt rund 57 Neukunden“, sagt Jacqueline Koop, Pressesprecherin von Scouter. Etwa 2 800 Nutzer gebe es bei Scouter Marburg derzeit, „2020 waren es rund 500 weniger“. Das jährliche Wachstum, erläutert Geschäftsführer Tim Pfleiderer, „liegt in den vergangenen Jahren immer zwischen 15 und 20 Prozent“.

Doch: „Natürlich verlieren wir auch Kunden – etwa, weil Menschen Marburg verlassen“, sagt Pfleiderer. Doch darauf beschränke sich die Fluktuation auch nahezu – „weil wir aus dem universitären Bereich einen relevanten Anteil haben, und dort ist die Fluktuation eben relativ hoch“. Und auch, seit Scouter das Vertragsmodell auf ein sehr einfaches System umgestellt hat, gebe es auch in der weiteren Kundschaft mehr Abgänge. Denn: „Wir haben alle Hürden abgebaut, damit Menschen sich anschauen können, ob Carsharing für sie das Richtige ist.“ So gebe es beispielsweise keine Vertragsbindung, es muss keine Kaution hinterlegt werden, es gibt eine halbjährige Kennenlernphase, in der kein Monatspreis anfällt. „Die Menschen sollen nicht darüber nachdenken, ob sie über die Hürden, die wir bis dahin hatten, auch alle springen wollen.“

Lockdown bereitete Sorgen

Das habe in der Konsequenz dazu geführt, „dass Menschen das System ausprobieren und dann feststellen, es ist doch nicht die Erfüllung ihrer individuellen Mobilität“.

Während der Lockdown-Zeiten wurde der Kundenzuwachs jedoch stark ausgebremst: Die Menschen waren zu Hause, es bestand weniger Bedarf an den Fahrzeugen von Scouter. „Die Auslastung lag immer bei rund 30 Prozent“, erläutert Pfleiderer, „das hat uns zunächst arge Sorgen bereitet.“ Doch in den Phasen dazwischen sei die Nachfrage stark angestiegen, das habe durchaus zu Nachholeffekten geführt. Warum? „Die Menschen haben längere Strecken per Carsharing zurückgelegt, weil sie sich beispielsweise darin sicherer gefühlt haben als in Bus, Bahn oder Flugzeug.“ Daher sei Scouter gut durch 2021 gegangen.

Gab es denn durch die immense Steigerung der Energiepreise eine Veränderung in der Nutzerzahl? „Nein, das macht sich bei uns überhaupt nicht bemerkbar, die Auslastungszahlen sind unverändert hoch“, sagt Pfleiderer – und das hat einen Grund: „Der Kraftstoff ist in unserem Preis enthalten. Diese sprunghafte Erhöhung konnten wir bisher noch nicht nachziehen. Das können wir erst zum 1. April tun.“ Die Kunden „fahren also noch zu alten Preisen“. An der Erhöhung führe jedoch kein Weg vorbei, „denn diese Preissprünge können wir nicht kompensieren“. Nicht jede Spritpreiserhöhung gehe Scouter sofort mit, sondern reagiere auf bestimmte Schwellen. Doch werde sich der Kilometerpreis ab April um vier Cent erhöhen.

Kilometerpreis wird steigen

Das werde sich auf den Durchschnitts-Nutzer nur gering auswirken, ist sich Pfleiderer sicher, denn „fast 90 Prozent unserer Fahrten sind sehr kurz – zwei, drei Stunden mit 10 bis 20 Kilometer. Und die Durchschnittsnutzer machen drei oder vier Fahrten im Monat.“ Doch würden Urlaubsfahrten mit Scouter-Mobilen wahrscheinlich dieses Jahr eher zurückgehen, denn dort schlügen die Benzinkosten entsprechend durch.

Und wie sieht es mit Elektro-Autos in der Scouter-Flotte aus? „Auch für die Nutzer dieser Autos wird sich der Kilometerpreis erhöhen“, sagt Pfleiderer – denn beim heimischen Carsharing-Anbieter werde nicht zwischen Stromer und herkömmlichem PKW unterschieden. „Bisher haben wir die teureren E-Autos so quasi quersubventioniert“, so der Geschäftsführer. Doch werde sich die Struktur wohl künftig ändern, „denn E-Autos werden günstiger – und außerdem passt das Tarifsystem dann künftig vielleicht nicht mehr“. Die Stromkosten lägen „an den festen Ladepunkten, die wir haben, trotz etwaiger Erhöhungen derzeit noch in einem guten Bereich“. Unterwegs werde es mit Ladekarten an fremden Stationen jedoch erheblich teurer, „das kostet etwa zweieinhalb Mal so viel“ – Tendenz steigend. „Das ist also eine Wundertüte.“

Von 60 Scouter-Autos in Marburg sind derzeit 7 Stromer, „das würden wir gerne steigern – sind aber von Lade-Infrastruktur abhängig. Wir mieten die Stellplätze und können dann nicht eigenständig sagen, dass wir dort dann eine Ladesäule hätten.“ Mit der Stadt würden jedoch da weitere Lösungen gesucht, „um drei bis vier weitere E-Autos auf die Straße zu bekommen“.

Von Andreas Schmidt

Sind Sie mit den beschlossenen Maßnahmen der Ampelkoalition zufrieden?
Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Sind Sie mit den beschlossenen Maßnahmen der Ampelkoalition zufrieden?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
25.03.2022
Marburg Frühlingsanfang - Sonne satt in der Stadt
25.03.2022