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Marburg Marburger bei 38. Rock- und Pop-Preis ausgezeichnet
Marburg Marburger bei 38. Rock- und Pop-Preis ausgezeichnet
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17:58 21.12.2020
Der in Marburg aufgewachsene Gitarrist Sven Kühbauch freut sich über den Deutschen Rock- und Pop-Preis. Quelle: Gaia Born
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Marburg

Beim 38. Deutschen Rock- und Pop-Preis belegte er den zweiten Platz in der Kategorie „Bester Fusion-Jazz-Rock-Song“. Sven Kühbauch, der inzwischen in Putbus auf Rügen lebt und arbeitet, freut sich. Es gibt allerdings einen kleinen Wermutstropfen: Statt in einer rauschenden Feier vor hunderten von Leuten ausgezeichnet zu werden, hat er seine Siegerurkunde mit der Post bekommen. „Das macht nichts“, teilt er mit. „Ich bin schon seit über 20 Jahren als professioneller Musiker unterwegs und habe schon so einiges erlebt. Ich finde es toll, dass meine Arbeit in Zeiten gewürdigt wird, wo ich kein einziges Konzert spielen konnte – und die Chancen hoch standen, dass meine neue CD einfach untergeht.“

Der Deutsche Rock- und Pop-Preis ist bereits die zweite Auszeichnung für sein aktuelles Album „Glory, Death and Heroes“: Im März hatte das Studio-Album den „Academia Music Award für das beste Rock-Album“ gewonnen. Dass nun noch die Single-Auskopplung nachlegt, freut den 44-Jährigen, der seiner Heimatstadt Marburg vor rund 20 Jahren den Rücken gekehrt hat, ganz besonders: „Ich habe diesen Song geschrieben und mit Jennifer Batten eingespielt.“

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Jennifer Batten ist einer der vielen unbekannten Stars der internationalen Musikszene, weil sie für noch größere, noch bekanntere Stars spielte. Zehn Jahre lang – von 1987 bis 1997 – war sie die Leadgitarristin von Michael Jackson. Nach 1997 wechselte sie in die Band von Jeff Beck und ging drei Jahre mit ihm auf Tour. Daneben verfolgte sie eigene Musik- und Band-Projekte und schrieb Gitarrenlehrbücher. Dass die diesjährige Preisverleihung wegen der Corona-Bestimmungen ausfallen musste, sieht Kühbauch mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Jennifer ist viel beschäftigt. Ich weiß nicht, ob sie es zur Gala geschafft hätte.“

Es ist nicht die erste Enttäuschung im Leben des Künstlers. 2010 war eine Südamerika-Tour geplant – bis dann der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island ausbrach. Es war das Aus für die Tour. „Wir hatten alles bis ins kleinste Detail geplant, die Deutsche Botschaft und das Goethe-Institut waren involviert, Termine und Konzerte fixiert. Dann brach der Vulkan aus, alle Flüge wurden ersatzlos gestrichen und ich musste die Tour absagen.“

„Es geht immer weiter“

Ein Jahr später hatte er wieder Pech: Fender Japan hatte ihn nach Tokio eingeladen – zu Konzerten und Lehraufträgen. „Ich hatte schon darüber nachgedacht, vielleicht für eine Weile nach Japan zu ziehen“, erinnert er sich. Doch auch daraus wurde nichts: Im März 2011 ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Fukushima und machte alle Pläne zunichte.

Trotz der momentanen Krise der Veranstaltungsbranche bleibt Kühbauch optimistisch: „Es geht immer weiter. Gott sei Dank bin ich nicht nur als Live-Musiker unterwegs. Ich unterrichte, arbeite als Band-Coach, komponiere für Film, Fernsehen und Hörbücher, arbeite als Studio-Musiker und Produzent und schreibe für Fachmagazine.“ Seine interaktiven Fachbücher über Gitarrendidaktik stehen im Ranking der meistgeladenen Gitarren-Ebooks auf Platz 1.

Momentan arbeitet der Familienvater an einem Nachfolgealbum auf Rügen. Ganz vergessen hat er seine hessische Heimat jedoch nicht: „Ich liebe das Meer, es inspiriert mich. Aber ich vermisse oft die schönen Wälder Hessens und den besonderen Menschenschlag von hier. Hesse bleibt eben Hesse.“

Von Uwe Badouin