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Marburg Zellbiologen ziehen in Synmikro-Zentrum
Marburg Zellbiologen ziehen in Synmikro-Zentrum
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09:00 09.07.2021
Zwei Mitarbeiterinnen packen beim Umzug des Instituts für Klinische Zytobiologie die Utensilien für die Institutsküche aus.
Zwei Mitarbeiterinnen packen beim Umzug des Instituts für Klinische Zytobiologie die Utensilien für die Institutsküche aus. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Der neue „Synmikro“-Forschungsbau auf den Lahnbergen füllt sich zusehends. Auf der nächsten Etappe ziehen jetzt die Mitarbeiter des Instituts für Klinische Zytobiologie aus ihrem bisherigen Domizil im Lahntal hoch auf die Lahnberge.

Den Wegzug aus dem 1888 errichteten historischen Gebäude der alten Pathologie in der Robert-Koch-Straße sieht Institutsdirektor Professor Roland Lill auch mit einem weinenden Auge. Denn das Gebäude, in dem die Vertreter der vergleichsweise jungen Wissenschaftsdisziplin im Jahr 1966 eingezogen sind, besticht auch im Inneren durch eine sehr ansprechende bauliche Gestaltung.

Doch jetzt heißt es, aus dem alten Gemäuer hochzuziehen in einen modernen Funktionsbau. Dort oben bezieht das Institut eine ganze Hälfte des ersten Stocks. Der positive Nebeneffekt, der mit diesem Umzug verbunden ist: Es gab eine finanzielle Förderung in Höhe von 450 000 Euro für die Erstausstattung mit Geräten. Das ist bei einer so geräteintensiven Fachrichtung wie der Zytobiologie auch deswegen wichtig, weil der technologische Wandel häufige Neuanschaffungen mit sich bringt.

Forschungsgruppen kommen unter ein Dach

Doch trotzdem wird bei dem Umzug, der insgesamt rund einen Monat dauern wird, auch ein Teil der Institutsausstattung wie Gerätschaften und Mobiliar hoch in den neuen „Synmikro“-Bau transportiert. So haben Professor Lill und sein Kollege Professor Ralf Jacob so wie alle Mitarbeiter derzeit alle Hände voll zu tun, um die von Lastwagen der mit dem Umzug betrauten Spedition transportierten Umzugskisten zu entpacken und die Labore und Büros einzurichten.

Der Biochemiker Professor Lill freut sich deswegen besonders über den Umzug, weil er zusammen mit dem mittlerweile verstorbenen Physiker Professor Bruno Eckhardt sowie den Mikrobiologinnen Professorin Regine Kahmann und Lotte Sogaard-Andersen zu den Initiatoren des Zentrums für Synthetische Mikrobiologie (Synmikro) und des Forschungsbaus zählte. Der Bau soll ein Zentrum sein für verschiedene Forschungsgruppen rund um den neuen und auch international sichtbaren und bedeutsamen Forschungszweig der Philipps-Universität.

Zwischenzeitlich stand für die Wissenschaftler des vor zehn Jahren gegründeten Zentrums nur ein kleinerer Modulbau zur Verfügung, der nicht allen „Synmikro“-Mitgliedern Platz bot.

Lill erinnerte im Gespräch mit der OP daran, dass es erst gegen einige Widerstände letztendlich gelungen sei, die Förderung des 60-Millionen-Euro-Baus abzusichern. Nach Gesprächen in Bonn und Berlin und einem positiven Votum war dieses dann aber doch gelungen. Allerdings gab es bei der Bauphase auch noch einige Verzögerungen. Denn eigentlich sollte der Einzug ursprünglich schon im Jahr 2018 erfolgen. Dass es in diesem Jahr endlich so weit ist, freut Lill aber trotzdem sehr.

Aber auch das Schicksal des Gebäudes der alten Pathologie beschäftigt den Leibniz-Preisträger immer noch, der in rund zwei Jahren voraussichtlich endlich in den wissenschaftlichen Ruhestand gehen wird. In dem Gebäude ist derzeit noch im Dachgeschoss das „Museum Anatomicum“ untergebracht, das eine einzigartige medizinhistorische Sammlung der Marburger Universität darstellt.

Aus Sicht von Lill böte der Bau jetzt die Chance, spätestens zum Uni-Jubiläum des 500-jährigen Bestehens im Jahr 2027 ein zentrales Haus der wissenschaftlichen Sammlungen zu werden. Damit greift der Wissenschaftler eine Idee des Marburger Medizinhistorikers Professor Gerhard Aumüller auf.

Aus der Idee wird aber wahrscheinlich nichts: Auf OP-Anfrage erläuterte Uni-Pressesprecherin Dr. Gabriele Neumann die Pläne der Uni-Leitung für den gesamten Gebäudekomplex, zu dem auch das angrenzende noch zum Anatomie-Institut gehörende Gebäude gehört: Dorthin sollen demnach der noch im „Historikerturm“ in der Philosophischen Fakultät an der Stadtautobahn residierende Fachbereich Geschichte und das Landesamt für geschichtliche Landeskunde umziehen. Noch ist allerdings die Zeitplanung unklar. Auf jeden Fall wird die Anatomie erst frei nach dem Umzug in den Neubau auf den Lahnbergen. Dieser soll zum Wintersemester 2022/2023 betriebsbereit sein.

Von Manfred Hitzeroth