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Marburg Marburger Virenforscher Professor Klenk war international anerkannt
Marburg Marburger Virenforscher Professor Klenk war international anerkannt
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08:58 14.06.2021
Professor Hans-Dieter Klenk im Jahr 2010 (Archivfoto).
Professor Hans-Dieter Klenk im Jahr 2010 (Archivfoto). Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Der Marburger Virologe Professor Hans-Dieter Klenk ist mit 82 Jahren gestorben. Er war maßgeblich mit für die international herausragende Stellung des Marburger Uni-Institutes für Virologie und die Einrichtung eines Sicherheitslabors in Marburg verantwortlich. 22 Jahre lang, von 1985 bis zu seiner Emeritierung 2007, war er Leiter des Marburger Virologie-Instituts.

„Mit Hans Dieter Klenk verliert die Virologie in Deutschland eine ihrer großen Persönlichkeiten, die über Jahrzehnte die wissenschaftliche Landschaft geprägt hat. Er war ein Wissenschaftler, wie er im Buche steht“, erinnert sich Professor Stephan Becker, Klenks direkter Nachfolger auf dem Posten des Instituts-Chefs. Solange er konnte und noch weit nach seiner offiziellen Verabschiedung in den Ruhestand sei Klenk noch fast täglich im Institut gewesen.

Scharfsinnigkeit und Präzision

Seine Persönlichkeit sei durch seine natürliche Autorität geprägt gewesen, gekoppelt mit Scharfsinnigkeit und Präzision, meint Becker. „Für die Marburger Virologen ist sein Tod ein zweifacher Verlust: Wir vermissen den exzellenten Wissenschaftler, der bis zuletzt ein geschätzter Ratgeber war, und den geradlinigen, konsequenten und großzügigen Menschen.“

Hans-Dieter Klenk habe die Marburger Virologie ganz entscheidend geprägt und ihre internationale Ausrichtung und Sichtbarkeit begründet. Besonders der internationale Austausch sei ihm wichtig gewesen. So hätten unter seiner Ägide Gastwissenschaftler, vor allem aus Russland und Japan, die weltoffene Atmosphäre am Institut geprägt. „Unter seiner Leitung hatten zahlreiche junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Möglichkeit, ihr eigenes wissenschaftliches Profil zu entwickeln und national und international in leitende Positionen berufen zu werden“, erklärt Becker.

Erforschung von Viren

Klenk widmete sich unter anderem der Erforschung von Viren, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden und schwere Krankheiten auslösen können. Aber auch als Grippeforscher machte sich Klenk in der internationalen Fachwelt einen Namen. Seine Forschungsschwerpunkte waren Virusinfektionen bei Mensch und Tier, Influenza, Vogelgrippe, Influenzapandemien sowie die Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente.

Der Virologe hatte Struktur und Funktionsweise von Grippeviren sowie von Ebola- und Marburg-Viren aufgeklärt. Es gelang ihm, wesentliche Mechanismen aufzuschlüsseln, auf denen die Pathogenität und Wirtsspezifität dieser Viren beruhen.

Notwendigkeit von Speziallaboratorien

„Klenk ist ein renommierter Mediziner, der sich über seine wissenschaftliche Tätigkeit hinaus seit Jahrzehnten innerhalb seines Fachgebietes engagiert“, sagte die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause bei einer Preisverleihung an Klenk. „Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Philipps-Universität heute moderne, richtungsweisende virologische Forschung betreibt.“ Klenk habe seit Beginn seiner Amtszeit die Notwendigkeit von Speziallaboratorien erkannt, um hochpathogene Viren zu untersuchen, betont Klenks Nachfolger Becker.

„Seiner Initiative ist es unter anderem zu verdanken, dass Marburg heute eine der weltweit modernsten Einrichtungen dieser Art hat.“ Mit Trauer reagierte auch der Gießener Virologe Professor Friedemann Weber auf die Nachricht von Klenks Tod. „Er war ein Monument der Wissenschaft“, postete er auf Twitter.

Robert-Koch-Medaille in Gold

Hans Dieter Klenk hatte in Tübingen, Wien und Köln Medizin und Biochemie studiert. Von 1967 bis 1970 war er als Gastwissenschaftler im Labor von Purnell Choppin an der Rockefeller University in New York tätig. Zurück in Deutschland, wurde er 1973 zum C3-Professor an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen, und 1985 folgte er schließlich dem Ruf auf den Lehrstuhl für Virologie an die Philipps-Universität Marburg.

Klenk gehörte unter anderem der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie an. Zudem war er sechs Jahre lang Präsident der Deutschen Gesellschaft für Virologie. 2006 erhielt er die Robert-Koch-Medaille in Gold für sein Lebenswerk und für seine molekularbiologische Erforschung von Influenza-Viren 2010 den Emil-von-Behring-Preis.

Im Jahr 2018 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Als Vizepräsident der von-Behring-Röntgen-Stiftung in Marburg setzte er sich für die Entwicklungsperspektiven der Universitätsmedizin ein.

Von Manfred Hitzeroth