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Marburg Uni sammelt Geld für Gewächshäuser
Marburg Uni sammelt Geld für Gewächshäuser
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12:57 29.07.2019
Das Gewächshaus-Ensemble auf den Lahnbergen soll energetisch saniert werden. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Gewächshäuser des Neuen Botanischen Gartens sind in die Jahre gekommen und dringend erneuerungsbedürftig. Denn sowohl die öffentlichen Schaugewächshäuser als auch die daneben gelegenen und für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglichen Anzuchtgewächshäuser haben seit der Eröffnung des Botanischen Gartens der Universität auf den Lahnbergen im Jahr 1978 keine Veränderung erfahren. Mit ihrer Einfachverglasung entsprechen sie allerdings in keinster Weise mehr den energetischen Standards, erläutert die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause auf Anfrage der OP. Zudem steht heute ­Spezialglas mit verbesserten Eigenschaften zur Verfügung, das für eine bessere Energiebilanz sorgen soll.

Die Klimaregulierung innerhalb der Schaugewächshäuser ist eine sehr komplexe Angelegenheit. So braucht man beispielsweise im Tropenhaus ein feuchtwarmes Klima, während in dem Haus für die Pflanzen der Kanaren dauerhaft etwas kühlere Temperaturen zur Verfügung stehen müssen. Die Rundum-Modernisierung der Gewächshäuser ist aber schon seit einigen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Pläne der Leitung der Botanischen Gärten und der Uni-Spitze.

Hintergrund

Sie geben mehr als 8.000 Pflanzen ein Zuhause: die 8 Schaugewächshäuser und 23 Anzuchthäuser des Botanischen Gartens auf den Lahnbergen. Inmitten des 20 Hektar großen Geländes können Besucher in den Schaugewächshäusern in eine eigene Welt unter Glas abtauchen: vom Tropenhaus mit zahlreichen Lianen über das Australienhaus mit Pflanzen wie dem nur im Outback vorkommenden Papageienschnabel, bis hin zum Wasserpflanzenhaus mit der Viktoria-Riesenseerose.

Eine Weltreise zu Fuß zu absolvieren, das ist in den Schaugewächshäusern des Botanischen Gartens der Universität gewissermaßen im Schnelldurchgang möglich. Regelmäßig gibt es auch besondere Events wie eine „Tropische Nacht“, bei der man sich als Besucher nach Anbruch der Dunkelheit wie in den Tropen fühlen kann. Eine besondere Attraktion ist der Riesentitanwurz, der bis zu drei Meter lang und 1,50 Meter breit werden kann.

Eine weitere Besonderheit: Jedes Jahr ab Juni flattern bunte Schmetterlinge in einem der Ausstellungshäuser. Wer wissen möchte, wie ein Kakao-Baum aussieht oder eine Bananenstaude in echt bewundern möchte, ist im Nutzpflanzenhaus richtig. Vom Kaktus bis zum Elefantenfuß: Im Sukkulentenhaus finden dicke, wulstige und wasserspeichernde Pflanzen ihren Platz. Die nur nach vorheriger Anmeldung zugänglichen Anzuchthäuser beherbergen unter anderem fleischfressende Pflanzen, seltene Orchideen und vom Aussterben bedrohte Wildpflanzen.

Auch für die „Grüne Schule“ sind die Gewächshäuser von zentraler Bedeutung, denn hier können Kinder zu kleinen Naturforschern werden. Für sie werden unter anderem Expeditionen, Projekttage und Kindergeburtstage mit Rallyes durch die Botanik sowie Aktionstage zu Themen wie „Hexenkraut und Zaubertrank“ oder „Reisen ins Dinoland“ angeboten.

Erschwert wird das Ganze dadurch, dass das gesamte Ensemble der Gewächshäuser nach Angaben der Uni-Präsidentin als Einzelkulturdenkmal gilt. So müssen bei allen Veränderungen wie bei einer energetischen Sanierung die Belange des Denkmalschutzes beachtet werden, was auch zu den insgesamt hohen Kosten für die geplante Sanierung beiträgt.

Zusammengefasst kommt die Uni-Leitung bei ihren Berechnungen auf fünf Millionen Euro, die benötigt werden. Davon sollen 1,2 Millionen Euro durch eine Fundraising-Kampagne gesammelt werden. Für den Rest will die Universität Fördergelder beim hessischen Landesprogramm „Core“ beantragen, mit dem besondere Projekte des Klimaschutzes gefördert werden. Schließlich soll das Vorhaben die CO2-Bilanz der Gewächshäuser deutlich verbessern. Das Förderprogramm sieht allerdings immer nur eine 50-prozentige Bezuschussung von Vorhaben vor. So müsste die Uni im Fall einer Aufnahme in das Programm immer noch rund zwei Millionen Euro aus dem eigenen Budget beitragen.

Vorbereitungen laufen

Die Vorbereitungen für die Spendenkampagne laufen jedenfalls auf Hochtouren. Dafür ist das Team um Iris Rubinich verantwortlich, das soeben für die erfolgreiche Einwerbung von Spendengeldern zugunsten des Uni-Kunstmuseums mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Zum Wintersemester im Oktober ist der Start der Kampagne geplant, erläuterte Uni-Präsidentin Krause. Frühestens im Jahr 2022 könnte es mit der energetischen Sanierung der Gewächshäuser losgehen. Für die konkrete Kampagne gibt es schon einige Ideen, die die Präsidentin allerdings noch nicht alle verraten möchte. So viel steht fest: Es soll ein großes Blumenbeet entstehen, mit 8 000 Blumen – passend zur Anzahl der Pflanzen in den Gewächshäusern. Ab einer Spende von 50 Euro können Blumenfans dann symbolische Paten des Blumenbeetes werden.

Großspender können zudem zweckgebunden ein Gewächshaus ihrer Wahl unterstützen und werden namentlich mit einer Plakette am Eingang geehrt. Des Weiteren soll es exklusive Führungen durch die zugangsbeschränkten Anzuchthäuser geben sowie herausgehobene Events für besonders 
großzügige Unterstützer.

von Manfred Hitzeroth