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Marburg Informatik ist sein Leben
Marburg Informatik ist sein Leben
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17:58 14.10.2020
Elisabethschüler Tim Rohde hat den ersten Platz beim Bundeswettbewerb für Informatik belegt. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Die Umzugskisten sind schon gepackt. Am Wochenende zieht Tim Rohde nach Saarbrücken. Der 18-jährige will dort Informatik studieren. Und er reist mit jeder Menge Fachwissen an. Hat der Marburger Elisabethschüler doch gerade erst den 38. Bundeswettbewerb für Informatik gewonnen. Vor einem Jahr, bei der 37. Auflage, war er schon einmal in die Endrunde gekommen.

Seine Faszination für die Informatik begann in der 5. Klasse, erinnert er sich. Wenn der Beamer damals aufgebaut werden musste oder andere Hardware – Tim Rohde hat das erledigt. „In der Siebenten war ich auch in der Laptop-Klasse und habe später natürlich Informatik als Wahlfach gewählt“, erinnert sich der Abiturient. Hätte es an einer Marburger Schule einen Leistungskurs gegeben, „dann hätte ich sogar die Schule gewechselt“, sagt er lachend.

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Er mag die gute Mischung zwischen Praxis und Mathematik. Obwohl er sich für Letzteres auch begeistern kann, „ist man da zu sehr auf Formeln beschränkt. Informatik ist viel praktischer“, findet er. Vor allem die vielen möglichen Algorithmen faszinieren ihn. Dabei geht es ihm nicht in erster Linie um die Implementierung, sondern um das Programmieren. „Das finde ich sehr spannend. Algorithmen sind für mich simple Rezepte mit Allgemeingültigkeit und eben ein sehr praktischer Teil der Informatik.“

Stundenlang kann Tim Rohde dann in seine „nerdige Welt verschwinden“, wenn es beispielsweise um die Lösung der Aufgaben vom Bundeswettbewerb geht. Der ist in drei Runden aufgeteilt, erstreckt sich über ein gutes Jahr und neben den Fachkenntnissen, abgefragt in Aufgaben und in Einzelgesprächen, geht es auch um Teamwork. Denn manche Aufgaben müssen in der Gruppe gelöst werden. „Vor einem Jahr waren wir dafür bei SAP in Heidelberg. In diesem Jahr lief das alles per Zoom-Meetings, organisiert von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, ab.“

Einen der Aufgabenzettel hat Tim Rohde immer noch. Er ist mittlerweile ganz schön zerfleddert. „Ich habe ihn ja wochenlang in meiner Hosentasche getragen“, sagt er lachend. Immer wenn er ein bisschen Zeit hatte, beispielsweise im Bus auf dem Nachhauseweg, dann hat er über die Lösung nachgedacht. Letztlich hat ihm der sogenannte Dijkstra-Algorithmus geholfen, den er an zwei Stellen angepasst hat. Er sollte nämlich den kürzesten Weg einer Fahrradtour ausrechnen. Da kam ihm seine Faszination für die sogenannte Graphentheorie sehr entgegen. Deren Algorithmen werden nämlich für Navigationssysteme, elektronische Karten oder in der Geographie genutzt. „Auch die Freundschaftsbeziehungen in den sozialen Netzwerken werden über die Graphentheorie berechnet“, erklärt er. Neben dem Algorithmus ist die Dokumentation ein wesentlicher Bestandteil der Lösung. „Die ist fast das Wichtigste“, sagt Tim Rohde.

Der hat neben dem ersten Platz und ein Preisgeld auch ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes gewonnen, mit dem er monatlich finanziell unterstützt wird. Außerdem darf er Akademien besuchen und sich so weiter bilden. „Durch die Lehrgänge im Auswahlverfahren beim Wettbewerb habe ich schon echt viel gelernt. Das kommt mir jetzt im Studium sicher zugute“, sagt er und freut sich auf Saarbrücken. Denn dort trifft er auf eine Bekannte, die er auf ebendiesen Lehrgängen kennengelernt hat. Die Zimmer nebeneinander liegend können sie dann zusammen in ihre „nerdige Welten“ abtauchen.

Von Katja Peters

14.10.2020
14.10.2020