Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Marburger Tafel bietet Kleidung zum Kilopreis
Marburg Marburger Tafel bietet Kleidung zum Kilopreis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:57 27.08.2020
Rita Vaupel (rechts), Vorsitzende der Marburger Tafel, steht im neuen „Kiloladen +“ in der Bahnhofstraße anlässlich der Laden-Eröffnung zusammen mit einem Teil des Laden-Teams. Foto: Manfred Hitzeroth
Rita Vaupel (rechts), Vorsitzende der Marburger Tafel, steht im neuen „Kiloladen +“ in der Bahnhofstraße anlässlich der Laden-Eröffnung zusammen mit einem Teil des Laden-Teams. Quelle: Manfred Hitzeroth
Anzeige
Marburg

An zentraler Stelle in der Marburger Nordstadt gibt es jetzt einen Ladenwechsel: An der Stelle der Hirsch-Apotheke wurde an der Bahnhofstraße nun der neue „Kiloladen +“ der Marburger Tafel eröffnet.

Nach einigen Wochen der Umbauarbeit konnte der für Marburg ungewöhnliche Laden rechtzeitig eröffnet wurden. „Wir wollen keine Geschäfte machen“, beschrieb Rita Vaupel, Vorsitzende der Marburger Tafel, den Anspruch für das Projekt. Erwirtschaftet werden sollen aber das Geld für Miete und Nebenkosten.

Der Schwerpunkt in dem Kiloladen liegt auf dem Verkauf von gebrauchter Kleidung, die als Kiloware zum Preis von drei Euro pro Kilo verkauft wird. Ergänzt wird das Angebot durch Haushaltsware wie Geschirr, Handtücher oder Bettwäsche sowie Spielwaren. Außerdem werden manche Produkte auch kostenlos abgegeben.

Das „Kerngeschäft“ der Marburger Tafel ist die Ausgabe von Lebensmitteln an bedürftige Marburger. Seit rund fünf Jahren hatte die Tafel Marburg aber auch zentral für alle weiteren fünf Ausgabestellen im Landkreis einen Flohmarkt in der Ernst-Giller-Straße 20 in Marburg betrieben.

Flohmarkt-Aktivitäten werden ausgebaut

Das Engagement auf diesem Gebiet hatte sich durch zahlreiche Kleider- sowie Haushaltswaren- und Spielzeugspenden für Bedürftige entwickelt. Diese Spenden wurden sowohl an die Tafel-Kundschaft als auch an weitere Bedürftige verschenkt oder zu äußerst günstigen Preisen weitergegeben.

„Insbesondere in den letzten zwei Jahren haben wir feststellen müssen, dass innerhalb der Gesellschaft nicht nur die Not nach einer Lebensmittelunterstützung sehr stark angestiegen ist, sondern dies auch spürbar bei günstiger Kleidung, Haushaltswaren und Spielzeug zugenommen hat“, erklärt dazu Tafel-Vorsitzende Rita Vaupel. Das Besondere an dem Angebot verdeutlichte Vaupel bei der Eröffnung: „Es können alle hier kaufen, nicht nur unsere Kunden.“

Aus der Befürchtung heraus, dass sowohl während der andauernden Corona-Krise und einer vorstellbar folgenden Wirtschaftskrise bedürftige Menschen auf weitere materielle Unterstützung angewiesen sein werden, hat der Tafel-Vorstand gehandelt.

„Wir bauen unsere Flohmarkt-Aktivitäten in den neuen Räumen aus und hoffen, den Menschen auch hier stärker unter die Arme greifen zu können. Es ist erschütternd, wenn Eltern schier verzweifeln, weil ihr Kind in die Schule kommt und sie kaum ausreichend Geld für passende Kleidung oder gar einen Schulranzen aufbringen können. Das treibt einem die Tränen in die Augen“, schildert Rita Vaupel.

Apothekerin kam zur Eröffnung

In den kommenden Wochen werden die neuen Räumlichkeiten renoviert und eingerichtet. Dank des großen Entgegenkommens des zukünftigen Vermieters, Herrn Dr. Hans-Konrad Peters und seiner jährlichen Spende in vierstelliger Höhe, konnten nun die Räumlichkeiten der ehemaligen Hirsch-Apotheke in der Bahnhofstraße in Marburg angemietet werden, hieß es in einem Bericht auf der Homepage des Vereins. „Ohne den Einsatz des Vermieters hätte sich die Marburger Tafel solche Räume nicht leisten können“, machte Rita Vaupel deutlich.

Für den Umbau war einiges zu tun. So mussten beispielsweise die Apothekenschränke ausgebaut werden. Hinzu kam die notwendige Arbeit von Elektrikern und einer Trockenbaufirma, und es wurde ein neuer Boden verlegt. Zur Eröffnung kam auch Apothekerin Kerstin Lehmann, die die Apotheke an dieser Stelle seit 1994 betrieben hatte und nach der Geschäftsaufgabe im März in einer anderen Apotheke mitarbeitet.

Ansprechpartnerin im Kiloladen ist Ursula Adams, die zusammen mit ihrem Team aus 30 Ehrenamtlichen dafür sorgt, dass der Laden läuft. Ein Großteil dieser ehrenamtlich tätigen Helferinnen war auch bei der feierlichen Einweihung zugegen.

Spenden werden weiterhin entgegengenommen

Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow (CDU) lobte das ehrenamtliche Engagement. „Es gehört mehr dazu, als nur Kisten auszugeben“, sagte Zachow. Vorbildlich ist aus Sicht von Zachow ist auch die Wahl des Laden-Standorts an zentraler Stelle im Nordviertel. „Wer auf die Angebote der Tafel angewiesen ist, sollte nicht in die Ecke gedrängt werden“, betonte Zachow.

Auch Nadine Bernshausen, Präses des Evangelischen Kirchenkreises Marburg-Stadt, freut sich über die neue Idee der Marburger Tafel. „Was für die einen nicht mehr von Wert ist, ist für die anderen wertvoll“, betonte Bernshausen. Als neuen Partner in der „Interessengemeinschaft um die Elisabethkirche“, dem Werbekreis Marburg-Nord, begrüßte deren Vorsitzender Christian Großmann die Kiloladen-Macherinnen. Und Jan Röllmann vom Stadtmarketing Marburg nannte den Kiloladen als gutes Beispiel für sozialen Aktivitäten im innerstädtischen Einzelhandel.

Der „Kiloladen+“ in der Bahnhofstraße 9 ist montags bis freitags von 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr sowie samstags von 10 Uhr bis 14 Uhr geöffnet. Wer Kleidung, Spiel- oder Haushaltswaren spenden will, kann sich unter der Rufnummer 06421/614053 oder aber per E-Mail unter  info@marburgertafel.de melden.

Von Manfred Hitzeroth

Marburg Ungewöhnliches Theaterprojekt - Theater hinter dem Schaufenster
27.08.2020