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Marburg Keine Feier am Friedrichsplatz
Marburg Keine Feier am Friedrichsplatz
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13:57 31.07.2020
Die drei Vorstandsmitglieder der Südstadtgemeinde (von links:) Manfred Jannasch, Klaus Gärtner und Axel Koch stehen auf dem Platz vor dem Staatsarchiv am Friedrichsplatz und bedauern die Absage des Südstadtfests wegen der Corona-Pandemie. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Klaus Gärtner steht auf dem Rasen am Friedrichsplatz und blickt in einen wunderschönen blauen und nur leicht bewölkten Sommerhimmel. „Es ist ein ideales Wetter zum Feiern“, meint der Vorsitzender der Südstadtgemeinde.

Doch das Fest, das der Südviertel-Verein alljährlich am ersten Samstag im August ausrichtet, kann in diesem Jahr wie seit März alle anderen Großveranstaltungen oder Volksfeste wegen Corona nicht über die Bühne gehen.

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Um dem OP-Reporter etwas über die Gemütslage in der Südstadtgemeinde wenige Tage vor dem Termin für deren wichtigste Veranstaltung zu geben, sind auch zwei weitere Vorstandsmitglieder, Axel Koch und Manfred Jannasch, mit zu einem Gespräch an den Platz gekommen.

Axel Koch, langjähriger Geschäftsführer des Vereins, hat jahrelange Erfahrung mit der Organisation des Festes, das bis vor ein paar Jahren noch Südstadt-Dämmerschoppen hieß. Er fühle sich jetzt wenige Tage vor dem ersten August-Wochenende wehmütig, wenn er an die Absage des Festes denke.

Bis vor sechs Wochen noch gehofft

„Ich bin wirklich traurig, dass das Fest nicht stattfinden kann“, sagt Koch. Aber es lebe auch von der Fülle der Menschen, die dort sonst alljährlich dicht gedrängt an Bänken vor der Bühne auf den Stufen des Staatsarchivs am Vorplatz sitzen. Und ein „Fest light“, bei dem die Bänke wegen der Abstands-Vorschriften nur halb besetzt wären, könne er sich eben nicht vorstellen. „Das ist dann nicht das Fest, das ich kenne“, meint Koch.

Bis zur endgültigen Absage des Fests vor sechs Wochen hatten die Verantwortlichen der Südstadtgemeinde immer noch gehofft, es irgendwie doch auszurichten, erklärt Vereinsvorsitzender Klaus Gärtner im Gespräch mit der OP. „Wir haben geschaut: Wie sind die aktuellen Corona-Regeln? Und wie könnte eine abgespeckte Version des Festes aussehen?“, sagt Gärtner. Doch wie es man es dreht und wendet: Es gab letztlich keine adäquate Lösung.

Light-Version wäre nicht bezahlbar

Üblicherweise geht das Fest Anfang August von 17 Uhr bis nach Mitternacht am darauffolgenden Sonntag über die Bühne. Der Ablauf ist immer derselbe: Ungefähr zwei Stunden lang bringt ein Blasorchester die Gäste schon einmal in Stimmung, danach schließt sich eine rockigere Combo mit ein oder zwei Musikern an, die auch ein bisschen etwas zum Tanzen spielt. Und wenn dann das Höhenfeuerwerk gegen 23 Uhr auf dem Rasenareal beginnt wird ganz Marburg gezeigt, dass die Südstadt feiert – bei gutem Wetter sind oft mehr als 1.000 Menschen auf dem Platz.

„Der Aufwand und die Kosten wären aber genau dieselben, wenn wir beispielsweise das Fest nur mit einer Blaskapelle bestritten hätten und die Zeit nur auf zwei Stunden begrenzt hätten“, macht Gärtner deutlich. Schließlich müssen Bierbänke ausgeliehen werden, ein Toilettenhäuschen muss stehen und auch das Besorgen von Hinweisschildern für den Verkehr gehört zu den Routine-Vorbereitungen.

Der Verein geht kein finanzielles Risiko ein

Doch der Erlös aus dem Verkauf von Essen und Getränken, der die einzige und wichtigste Einnahmequelle des Abends ausmacht, wäre dann wohl höchstens bei 20 Prozent. Somit hätte die Südstadtgemeinde große Verluste eingefahren. Ein Gutes hat die Absage allerdings: Der Verein geht auch kein finanzielles Risiko ein, weil noch keine Investitionen getätigt wurden. Denn bei Dauerregen fällt die Feier ansonsten in schlechten Jahren natürlich buchstäblich ins Wasser.

Bei einer Corona-Version des Festes eine Nummer kleiner gäbe es aber auch noch andere Schwierigkeiten, auf die der stellvertretende Vereinsvorsitzende Manfred Jannasch hinweist. Es wäre logistisch nicht ohne sehr viel mehr „Festpersonal“ kaum möglich, das von mehreren Seiten zugängliche Fest sinnvoll „coronatechnisch“ abzuriegeln, um im Fall der Ausrichtung unter den Pandemie-Regeln eine „Light-Version“ des Festes zu gewährleisten.

Üblicherweise packen 15 bis 20 Mitglieder der Südstadtgemeinde mit an, damit der Höhepunkt des Vereinsjahres an dem zentralen Platz im Südviertel über die Bühne gehen kann. „Für die ist das dann auch eine Knochenarbeit“, deutet Klaus Gärtner an. Belohnt werden die Macher des Festes aber immer dann, wenn die begeisterten Fest-Besucher, die normalerweise nicht nur aus der Südstadt kommen, ihren Spaß haben.

Frankfurter Combo für 2021 verpflichtet

Dieses Jahr aber fällt wie gesagt aus bekannten Gründen alles flach. „Das ist ja bei allen Volksfesten so, wie auch beim Ketzerbachfest“, bedauert Klaus Gärtner. Doch die Hoffnung auf die Zukunft aufgeben wollen die Vereins-Verantwortlichen dennoch nicht. Mit ein bisschen Glück könnten sie nämlich zumindest im September eine Neuauflage ihres ebenfalls über die Grenzen des Südviertels beliebten Nacht-Flohmarkts wagen. Doch auch dieser Plan ist noch mit vielen Unwägbarkeiten behaftet und hängt von der allgemeinen Pandemie-Lage ab.

Immerhin sind die Fest-Macher noch guten Mutes, dass am 7. August kommenden Jahres wieder am Friedrichsplatz gefeiert werden kann, wenn dann hoffentlich die „Nach-Corona-Zeit“ bereits angebrochen ist. Die Frankfurter Combo „Latin Lounge“, die ursprünglich dieses Jahr den zweiten Teil des musikalischen Programms hätte bestreiten sollen, würde jedenfalls für das nächste Jahr wieder verpflichtet werden. Erste konkrete Vorplanungen würden aber erst Anfang nächsten Jahres starten und ungefähr Anfang Juni müsste dann klar sein, ob das Fest endlich wieder über die Bühne gehen kann.

Von Manfred Hitzeroth

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