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Marburg Student absolviert Auslandsjahr in Alaska
Marburg Student absolviert Auslandsjahr in Alaska
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10:58 09.05.2021
Jasper Heuer in Juneau (Alaska).
Jasper Heuer in Juneau (Alaska). Quelle: Privatfoto
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Marburg

Auslandsstudium, das geht in Corona-Zeiten doch gar nicht, oder? Der Marburger Geographiestudent Jasper Heuer zeigt mit seinem Beispiel, dass es möglich ist. Er studiert seit Anfang Januar dieses Jahres an der University of Alaska Southeast (UAS) und erlebt dort sein ganz persönliches Studienabenteuer mitten in der Pandemiezeit.

Die Universität in Alaskas Hauptstadt Juneau ist mit rund 2.000 Studierenden der kleinste Uni-Standort des nördlichsten US-Bundesstaates. Bekannt ist die Stadt mit 32.000 Einwohnern unter anderem für die zahlreichen Möglichkeiten zu Freizeitaktivitäten wie Paddeln, Segeln, Angeln, Jagen, Wandern und Skifahren.

Kurs zum Gletscherführer

Und besonders die speziellen Kursangebote in den „Outdoor Studies“ haben den 22-jährigen Marburger Geographiestudenten interessiert. Seine Teilnahme an diesen Kursen waren auch mit ein wichtiger Grund dafür, dass sein bereits vor der Corona-Pandemie beantragter Studienwunsch im nördlichsten US-Bundesstaat vergleichsweise problemlos und ohne zu große bürokratische Hürden bewilligt wurde. Denn diese Kurse müssen zwingend in Präsenz erfolgen und nicht online wie ein Großteil der übrigen Uni-Seminare derzeit in Juneau.

Vor wenigen Tagen hat er den ersten dieser Kurse mitgemacht, in dem er bei einem Wintercamp Basiskenntnisse als Gletscherführer erwarb. Zusammen mit Kommilitonen nahm er an einer Exkursion auf den Gipfel eines Berges in unmittelbarer Nähe der am Pazifischen Ozean gelegenen Stadt teil. Der zentrale Bestandteil war eine Übernachtung im Camp bei der arktischen Temperatur von minus 20 Grad.

Eine Grenzerfahrung

Nach einigen Theorieeinheiten war es dann so weit, und die Truppe begab sich unter Anleitung auf den Weg zum Berg hoch – ausgerüstet mit Schneeschuhen und weiterer Ausrüstung wie „Mountaineering“-Zelten, Isomatten und Schlafsäcken. „Es war wirklich sehr kalt“, berichtet Jasper Heuer von seiner Grenzerfahrung in dieser Nacht. Als besonders anstrengend empfand er nicht unbedingt die Kälte an Händen und Füßen, sondern die Auswirkungen des Frostes auf das Atmen sowie die Bildung von Eiskristallen an den Augenbrauen.

Der Marburger Student Jasper heuer absolviert sein Auslandsjahr an der University of Southeast in Juneau (Alaska). Quelle: Privatfoto

Während Heuer sich in der vergangenen Woche vor allem mit Prüfungen beschäftigt hat, steht in den kommenden Wochen noch ein zweiter Spezialkurs rund um das Kajakfahren in diesem Semester an. Losgehen kann dies aber erst dann, wenn der noch zugefrorene See in unmittelbarer Nähe des Uni-Campus wieder aufgetaut ist. Das Kajak-Training auf dem See und eine Tagesexkursion auf dem offenen Meer und eine Fahrt zu einer Insel mit einer Übernachtung stehen dann auf dem Programm.

Einen Schritt voraus

Der angehende Geograph ist von der Idee begeistert, dass er in Alaska Fähigkeiten erlernt, die er vielleicht auch im späteren Berufsleben bei Geländearbeit oder Exkursionen verwenden kann. Auch Messungen im Schnee und die Navigation mit Hilfe einer Sternenkarte sind Bestandteile weiterer Kursangebote, die er in diesem Jahr an der Universität in Alaska belegen möchte. Seinen Marburger Kommilitonen hat er durch diese Outdoor-Exkursionen etwas voraus, weil in Deutschland die obligatorischen großen Gelände-Exkursionen wegen der Corona-Pandemie derzeit ausfallen müssen.

Zu den Kursen bei den Outdoor-Studies gehörte auch ein Wintercamp. Quelle: Jasper Heuer

Zwar ist das Thema Corona auch in den Medien in Alaska wie überall auf der Welt präsent, aber vergleichsweise gesehen hat es Jasper Heuer mit seinem Studienort Juneau besser getroffen als manch anderer Student. Denn die Kleinstadt ist geprägt durch ihre besondere geographische Lage, die sie nur per Flugzeug oder per Schiff erreichbar macht. So befindet sie sich gewissermaßen sowieso schon ein bisschen wie in Quarantäne. Hinzu kommt, dass derzeit in Alaska schon rund 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, und nur noch relativ wenige Corona-Fälle auftreten.

Entspannter Studienalltag

Es gibt daher einen relativ entspannten Studienalltag, der trotz der Vielzahl von Online-Kursen ein größeres Maß an sozialen Kontakten ermöglicht als beispielsweise in Deutschland. So kann man sich im Freien in Gruppen treffen und die meisten Restaurants sind geöffnet. Zudem sind drinnen Treffen mit bis zu vier Personen möglich. Trotzdem sind auch in Juneau derzeit nach Schätzung von Heuer nur rund 500 Studierende wirklich vor Ort, so dass es an der Universität noch ein wenig familiärer zugeht als sonst schon.

Bereut hat der gebürtige Heidelberger, der derzeit in Marburg vor dem Abschluss seines Bachelor-Studiums steht, seinen Trip nach Alaska zu Studienzwecken bisher überhaupt nicht. Denn ein wenig erfüllt er sich auch einen Jugendtraum, nachdem er früher begeistert Bücher vom Goldrausch in Alaska und abenteuerlichen Expeditionen verschlungen hat.

Die Landschaft rund um die Hauptstadt Juneau präsentierte sich beim Studienaufenthalt des Marburger Studenten in Alaska tief verschneit und malerisch. Quelle: Jasper Heuer

„Ich mag kaltes Wetter und will gerne meine Grenzen austesten“, sagt der Marburger Student. Und da ist er auch im 21. Jahrhundert in Alaska genau richtig. Zwar lebe man in Juneau schon ein wenig so wie in einer normalen europäischen Stadt. Aber direkt außerhalb der Stadt komme man schon in die Wildnis und könne bei Wanderungen schnell auf frische Bärenspuren im Schnee stoßen.

Von Manfred Hitzeroth

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