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Marburg Ein-Raum-Minihäuser für die Unbehausten
Marburg Ein-Raum-Minihäuser für die Unbehausten
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08:58 02.01.2021
Die einfach eingerichteten Häuser im Vinzi-Dorf bieten auch Rückzugsräume. Quelle: Koenigshofer/Vinzi-Werke
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Marburg

Als weitere Referenten sind bereits der Kopenhagener Stadtplaner Jan Gehl, der deutsche Trendforscher Matthias Horx sowie Professorin Maja Göpel genannt worden.

„Was sollte eingeführt, verbessert, ausgebaut werden? Wie viel Zukunft kann und muss Marburg schon heute riskieren?“ Diese Fragen sollen laut Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) im Mittelpunkt der städtischen Zukunftsreihe anlässlich von „Marburg800“ stehen, in der es um Zukunftsfragen und -perspektiven gehen soll.

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Der Auftakt-Vortrag wird auch von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobau mit organisiert. Die Stadt Marburg hat schon derzeit einen Runden Tisch von Verwaltung, sozialen Trägern und Wohnungsbaugesellschaften zur Zukunft der Wohnungslosenhilfe eingerichtet und berät dort auch über alternative Wege aus der Obdachlosigkeit. Und der Wiener Architekt und Stadtplaner Alexander Hagner stellt ebensolche innovative Ideen im Kampf gegen Obdachlosigkeit, die vielleicht auch in Zukunft in Marburg verwirklicht werden könnten. Das Thema seines Auftakt-Vortrags lautet „Häuser für die Unbehausten – Architektur für Obdachlose“. Der Wiener Architekt ist ein Experte für das Thema „Soziales Bauen“. Er will in Marburg über seine Erfahrungen mit niederschwelligen, alternativen Wohnangeboten für Wohnsitzlose berichten. Bekannt geworden ist er durch das Pilotprojekt „VinziRast-mittendrin“, in dem ehemals obdachlose Menschen mit Studierenden unter einem Dach leben sowie durch weitere Vinzi-Projekte, wie das Vinzi-Dorf Wien für alkoholkranke obdachlose Männer. Seit 2016 ist Hagner Stiftungsprofessor für Soziales Bauen an der Fachhochschule Kärnten.

„Es muss doch möglich sein, etwas, was wir als Gesellschaft selbst produzieren – und Obdachlosigkeit gehört dazu –, auch selbst zu lösen“: So lautet Hagners Credo. „Nur weil uns das Problem nicht gefällt, können wir es nicht irgendwohin schieben, wo wir es nicht sehen. Es ist einfach sinnstiftend, dass durch unsere Arbeit weniger Leute auf der Straße schlafen müssen“, meint der Architekt, der bereits sein sechstes Vinzi-Projekt umsetzt. Ein Vinzi-Dorf besteht aus Ein-Raum-Minihäusern von sieben bis acht Quadratmetern für eine Person. Benannt wurde es nach den noch heute ehrenamtlich engagierten Vinzenzgemeinschaften.

Weiter geht es mit der Vortragsreihe am 18. März: Der Zukunftsforscher Matthias Horx, Autor von „Die Zukunft nach Corona. Wie eine Krise die Gesellschaft, unser Denken und unser Handeln verändert“, stellt in seinem Vortrag die Frage, ob die Corona-Krise je vorübergehen werde. „Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert“, erläutert Horx. Um eine ganz andere Zukunftsfrage geht es am 6. Mai 2021: Die Polit-Ökonomin Professorin Maja Göpel, Mitbegründerin der „Scientists for Future“, spricht über das Thema „Open Government, Digitalisierung und Beteiligungskultur“ und fragt nach den Grenzen des Wachstums. Fest steht auch schon, dass der Kopenhagener Architekt und Stadtplaner Jan Gehl im Herbst 2021 nach Marburg kommen wird. Seit mehr als 40 Jahren befasst sich der Autor des Buches mit einer Stadtplanung nach menschlichen Maß.

Der Auftaktvortrag von Alexander Hagner findet am 12. Januar ab 19 Uhr statt und wird online übertragen. Die Livestream-Übertragung kann über die Seite www.marburg800.de sowie über den Link www.flashlight.video/marburg800 und www.facebook.com/marburg800 abgerufen werden.

Bürgerbeteiligung am Stadtjubiläum

Im Jahr 2022 findet aus Anlass der Ersterwähnung Marburgs als Stadt vor 800 Jahren das Jubiläumsjahr „Marburg800“ statt.
Wer sich daran als Gruppe, Einrichtung oder Einzelperson mit einem Beitrag beteiligen möchte, kann dieses ehrenamtlich mit einem „Geburtstagsgeschenk“ für die Stadt machen oder auch einen Projektantrag auf städtische Förderung stellen.
„Wir feiern unsere wunderschöne und geschichtsträchtige Stadt 2022 mit dem Jubiläumsjahr ,Marburg800‘. Es wird ein Fest für die gesamte Stadtgesellschaft – und deswegen sollen auch alle Menschen die Möglichkeit haben, sich bei der Ausgestaltung unseres Festjahres einzubringen“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).
Im Jubiläumsjahr 2022 gibt es die drei Schwerpunkte „Marburg erinnern“ (Geschichte), „Marburg erleben“ (Festlichkeiten und Aktivitäten im Jubiläumsjahr) und „Marburg erfinden“ (Zukunftsperspektiven). Eingereicht werden können Anträge, die sich auf mindestens einen der drei Bereiche beziehen und in Marburg ausgerichtet werden: Vorhaben zur Kunst und Kultur, des interkulturellen oder interreligiösen Dialogs, der Bildung, der Wissenschaft, der Ökologie, der Stadtentwicklung, der Zukunftsvisionen, des Sports oder der sozialen Gerechtigkeit. Die Anträge sollen sich auf Projektvorschläge für das Jubiläumsjahr vom 28. März 2022 bis 31. Dezember 2022 beziehen.
Kriterium für eine Bewilligung der Anträge sind die Auseinandersetzung mit der Identität der Stadt Marburg, Originalität, Kreativität und Innovation, sowie neue Formen, Experimente, Publikumsorientierung und die Bereitschaft zu möglichen Kooperationen.
Das Jubiläumsbüro nimmt Anträge bis zum 15. April 2021 an. Sie sind möglich, wenn das Projekt ohne Unterstützung durch den Zuschuss nicht oder nur erheblich reduziert zu verwirklichen wäre. Der Förderanteil beträgt bis zu 80 Prozent. Für Informationen rund um „Marburg800“ gibt es zudem am Montag, 15. Januar, ab 19 Uhr einen Online-Termin für alle Interessenten.
Förderrichtlinien sowie das Antragsformular finden sich auf der Homepage www.marburg800.de. Für alle weiteren Fragen ist das Jubiläumsbüro unter Marburg800@marburg-stadt.de erreichbar.
Für den Online-Termin wird unter dieser Adresse bis zum 20. Januar um eine Anmeldung gebeten, um den erforderlichen Einladungslink zur Teilnahme zuzusenden.

Von Manfred Hitzeroth

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