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Marburg Schrillende Alarmglocken statt klingelnder Kasse
Marburg Schrillende Alarmglocken statt klingelnder Kasse
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09:55 03.12.2020
Bastian Brehmer präpariert Skier bei „Intersport Begro“ im Kaufpark Wehrda.
Bastian Brehmer präpariert Skier bei „Intersport Begro“ im Kaufpark Wehrda. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Am Freitag aufd Nacht /, montier i die Schi, auf mei Auto, und dann begib i mi / ins Stubaier Tol oder nach Zell am See / denn dort auf den Bergln / hams imma an leiwaunda Schnee“.

Diese legendären Zeilen aus dem Alpen-Hit „Schifoan“ von Wolfgang Ambros galten jahrelang so ähnlich auch für viele deutsche Skitouristen, die sich in der Wintersaison kurzfristig für einen Wochenendtrip in die Berge zum Skifahren entschließen konnten.

Aber auch für die heimischen Skifans scheint in diesem Winter wegen der Corona-Pandemie alles anders zu werden. Österreich, die Schweiz oder Bayern: Bisher noch relativ normale Urlaubs-Destinationen scheinen 2020 in den Weihnachtsferien immer weiter wegzurücken.

Die aktuelle Debatte um die Schließung der Skigebiete Ende Dezember/Anfang Januar wirkt sich auch konkret auf den Einzelhandel aus.

Im Sportfachgeschäft „Intersport Begro“ im Kaufpark Wehrda ist üblicherweise eine durchaus nicht ganz kleine Fläche für die neuesten Skimodelle, aber auch für Stöcke, Skischuhe, Skihelme sowie andere Accessoires für Skifahrer reserviert.

Es gibt einen kleine Trost für die Händler

Und die Haupttage für das Skiverkaufsgeschäft sind sonst in den Wochen vor Weihnachten, erläutert „Intersport-Begro“-Filialleiter Achim Waldschmidt auf Anfrage der OP. Beispielsweise liefen rund 80 Prozent des Skiverleihs in dem Geschäft in dieser Zeit. Doch in diesem Jahr sind die Kunden aufgrund der Corona-Debatte besonders zurückhaltend, weil sich andeutet, dass es zumindest im Dezember und Januar aufgrund der Vorgaben der Politik überhaupt keine Möglichkeit zum Skifahren geben könnte.

Dieser Trend habe sich schon im Oktober abgezeichnet – in der Zeit, in der der Skiservice zum Wachsen und Schleifen der Ski zum vergünstigten Preis möglich ist. Bisher hatte man bei „Intersport Begro“ noch gehofft, in dieser Sparte „nur“ ein Minus von 20 bis 30 Prozent zu machen. Doch nach der aktuellen Schließungsdebatte sind die Alarmzeichen größer geworden. Da ist es für die Sportfachhändler nur ein kleiner Trost, dass jetzt mehr Laufschuhe und Laufkleidung gefragt sind. Denn gleichzeitig gibt es wegen der erhöhten Nachfrage in dieser Branche vermehrt Lieferschwierigkeiten.

Bereits der erste Lockdown im März fiel terminlich in das Ende der Skisaison 2019/2020 kurz vor Ostern. „Nach dem ersten Lockdown haben wir schon teilweise Bestellungen storniert“, erläutert Waldschmidt. Doch gänzlich habe man für die potenzielle nächste Wintersaison auf die Bestellung neuer Ware nicht verzichten können. Und jetzt sei die Hauptware da.

Die Frage ist nur: Wer kauft angesichts der unsicheren Lage überhaupt noch Waren rund um das Skifahren? Jetzt regiert das Prinzip Hoffnung. „Wir hoffen, dass sich die Skisaison vielleicht eher Richtung Ostern verlagert“, sagt Waldschmidt. „Völlig abgeschrieben haben wir die Saison noch nicht.“

Von Manfred Hitzeroth