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Marburg Schüler schicken Ballon in Stratosphäre
Marburg Schüler schicken Ballon in Stratosphäre
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09:00 11.06.2022
Schüler vom Gymnasium Philippinum lassen in der Pause einen Stratosphärenballon vom Schulhof starten.
Schüler vom Gymnasium Philippinum lassen in der Pause einen Stratosphärenballon vom Schulhof starten.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Das „Strato-Projekt“ begann schon vor gut zwei Jahren als AG-Projekt, der Start des schulischen Wetterballons, der in eine Höhe von 35 000 bis 40 000 Meter aufsteigen soll, musste aber durch den Corona-Lockdown verschoben werden, wie Informatiklehrer Dirk Winkel berichtete. Den ambitionierten Flug an den Rand des Weltalls hat daher nun federführend der Informatikkurs unter dem Motto „Daten messen – Daten übertragen – Daten auswerten“ übernommen. Der Ballon sollte während seines Fluges zahlreiche Daten wie Luftdruck, Temperatur, UV-Strahlung, Feinstaub und weitere aufzeichnen. Außerdem sollten zwei Kameras den Flug bis in eine Höhe filmen, in der die Kugelgestalt der Erde deutlich wird. Nach dem Platzen des Heliumballons in etwa 35 000 bis 40 000 Metern Höhe wird die Sonde am Fallschirm auf die Erde zurückgleiten und dann dank des GPS-Trackings geborgen werden.

So weit die Planung – und die ging fast auf. Nach dem aufgrund eines verstopften Ventils leicht verzögerten, aber dann erfolgreichen Start konnten die ersten Flugdaten direkt über eine Mobilfunkverbindung empfangen und auch einzelne Bilder schon online gestellt werden, bis in gut 3 000 Meter Höhe wie erwartet keine Verbindung zur Sonde mehr möglich war, berichtet Winkel.

Anderer Landepunkt

Elf Schülerinnen und Schüler begaben sich in die Nähe des berechneten Landeplatzes östlich des Edersees, wo die Gruppe gespannt auf Kontakt zur Sonde wartete. Gut eine halbe Stunde später als erwartet erhielt sie die Positionsdaten – etwa 25 Kilometer entfernt vom kalkulierten Landepunkt. Rund 10 Kilometer nördlich von Frankenberg konnte die Gruppe die Sonde erfolgreich von einer Pferdewiese bergen.

Die erste Datenauswertung ergibt, dass der Ballon an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen in einer Höhe von 39 431 Metern platzte und die Sonde dann am Fallschirm zur Erde zurückkehrte. Die mitgeführte Kamera zeichnete den Flug mit faszinierenden Bildern über Marburg, später dem Blick auf den gekrümmten Horizont der Erde, dem Mond und Sternen und dem Platzen des Ballons erfolgreich auf. In den kommenden Tagen und Wochen werden die zahlreichen aufgenommenen Daten und Bilder aufgearbeitet, ausgewertet und auf der Projektseite (https://strato.gpmr.de) zugänglich gemacht.

Atmosphäre besteht aus mehreren Schichten

Ähnlich den Geschossen eines mehrstöckigen Hauses ist die Atmosphäre in mehrere Schichten unterteilt. Nach der untersten Schicht, der Troposphäre, kommt die Stratosphäre (von lateinisch strātum, „Decke“, und altgriechisch sphaîra, „Kugel“). Sie ist die zweite Schicht der Erdatmosphäre. Sie liegt über der Troposphäre und ist Teil der Homosphäre.

Danach beginnt nach gängiger Auffassung schon das Weltall. Das Vorhandensein einer Temperaturinversion und damit der Stratosphäre wurde im Jahr 1902 von dem französischen Meteorologen Léon-Philippe Teisserenc de Bort und dem Deutschen Richard Aßmann veröffentlicht.

1931 stieg Auguste Piccard als erster Mensch mit einem Ballon in einer Kapsel mit Druckausgleich auf etwa 15 800 Meter. Der bemannte russische Stratosphärenballon CCCP-1 (UdSSR-1) stieg 1934 auf über 19 000 Meter. Über der Stratosphäre schließt sich die Mesosphäre an. Die Grenze ist die Stratopause in etwa 50 Kilometer Höhe.

Der Ballonflug des Gymnasiums Philippinum erreicht also internationale wissenschaftliche Standards. Die gesammelten Daten wie Luftdruck, Temperatur, UV-Strahlung, Feinstaub werden gespeichert und sind auf dieser Website zu finden: https://strato.gpmr.de

Von Till Conrad