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Marburg Marburger bastelt einen Corona-Hamster
Marburg Marburger bastelt einen Corona-Hamster
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14:58 08.04.2020
Niklas Diedrich aus Elnhausen hat aus Seife eine Skulptur zum Thema Corona geschnitzt: Einen auf Klopapierrollen stehenden Hamster. Quelle: Björn Wisker
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Elnhausen

Das Grün schimmert in der Frühlingssonne und das Licht bricht sich im Inneren des kleinen, nur wenige Gramm wiegenden Gegenstands, den Niklas Diedrich in der Hand hält. Er deutet auf die Spitze dessen, was einst ein schnödes Stück Seife war.

„Das war das Kniffeligste“, sagt er und meint das kleine Tier, das auf runden Rollen sitzt. Im Kunstunterricht der Steinmühle – besser: im aktuell erforderten Home-Schooling in Elnhausen – hat der 17-Jährige eine Corona-Skulptur gebaut: Einen auf zwei Klopapierrollen sitzenden Hamster. Titel des Kunstwerks: „Goldhamster/Hamstergold“.

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„Ich hatte die Idee, mit dem Kunstprojekt einen aktuellen Bezug herzustellen. Und Corona passt super, weil die Menschen derzeit nichts mehr beschäftigt als das. Im Internet kursieren viele Witze mit Klopapier und Hamstern, ich wollte das vereinen“, sagt der Elftklässler.

Die Seife als Material war vorgegeben

Lehrerin Heike Rabben-Martin habe ihnen im Vorfeld Infotexte zu verschiedenen künstlerischen Epochen gegeben, man solle – eben aus dem Material Seife – etwas von bekannten Künstlern Inspiriertes oder ganz Eigenes erschaffen.

Gesagt, getan. Diedrich setzte sich an den Schreibtisch, drehte und wendete den Seifen-Block, nahm sich ein Skalpell und schnitzte los. „Das ist das präziseste Werkzeug dafür“, sagt er.

Problem: Der Seifen-Block war nicht eckig sondern abgerundet, weshalb er an den Rändern immer mehr Material wegschneiden musste. Damit die Skulptur dick und stabil genug bleibt, musst er sie letztlich kleiner und feiner konzipieren als gedacht – so wurden etwa aus drei geplanten Klopapierrollen zwei.

Langsam herangetastet

Eine Zeichnung, Skizze, irgendeine Vorlage, hatte er sich für die Skulptur nicht gemacht. „Als die Idee da war, wollte ich sofort anfangen. Ich mag es einfach lieber, wenn ich mir Dinge im Kopf zurechtgelegt habe und daran arbeiten kann. So entwickelt sich die Idee im Kopf weiter. Das Umformen fällt dann leichter, denn es wird am Ende nie so wie vorher aufgezeichnet. Wenn ich mir aufzeichne, versuche ich zu stark daran festzuhalten und bin enttäuscht, wenn es nicht so aussieht wie geplant.“

Nachdem der Sockel fertig war, ging es Stück für Stück weiter hoch, bis „nur noch ein letzter Klumpen Seife da war“. Er schnappte sich ein Bild von einem Hamster, legte sich das neben das halbfertige Kunstwerk und „tastete mich langsam ran, um ihn so authentisch wie möglich aussehen zu lassen“.

In stundenlanger Handarbeit sind es vor allem die Details gewesen, auf die der Jugendliche Wert legt: So hat der Hamster sichtbar Ohren, Zähne, Augen, die Rollen haben ein gepunktetes Muster, selbst die Lagen sind herausgearbeitet.

Nicht genug Seife: Erster Versuch muss klappen

Schiefgehen durfte bei der Schnitzerei nichts, denn in Diedrichs Händen lag das letzte Stück Seife, das man zuvor im Supermarkt ergattern konnte. Da wäre ihm der letzte Hamster also beinahe „weggehamstert“ worden.

Der Oberstufenschüler, der gerne und viel zeichnet, findet es „immer interessant zu schauen, wie etwas designt ist, dass es schön aussieht und nicht nur zweckmäßig ist.“ Für ihn sei wichtig, dass – von Bildern über den Hausbau bis hin eben zu Skulpturen – eine „Aussage und Gedanke dahinter stehen“, sagt der 17-Jährige.

Wie es für Niklas Diedrich, der, wenn er nicht gerade Seife mit Skalpellen bearbeitet, gerade einen eigenen Roboter kreiert, weitergehen soll? Erst einmal hofft er für seine Corona-Hamster-Skulptur auf eine gute Schulnote – und dann soll es im nächsten Schuljahr über den Kunst-Leistungskurs an der Steinmühle perspektivisch in Richtung Kreativberufe gehen.

Von Björn Wisker

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