Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Ein Einfärber der Worte
Marburg Ein Einfärber der Worte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 30.05.2021
Das Archivfoto zeigt Charles Ofaire alias Professor Hermann Hofer bei einer Lesung im Café Vetter.
Das Archivfoto zeigt Charles Ofaire alias Professor Hermann Hofer bei einer Lesung im Café Vetter. Quelle: Manfred Schubert
Anzeige
Marburg

„Der Tag hat keine Türe“ – so hat Charles Ofaire seinen neuen Gedichtband betitelt, der jetzt im Marburger Verlag Blaues Schloss erschienen ist. Charles Ofaire ist der Künstlername des emeritierten Marburger Romantikprofessors Hermann Hofer.

„Weggedichte“ nennt er seine poetischen Werke, in denen er sich auf Deutsch und Französisch mit der Zeit und dem Alter beschäftigt: „Bin dort angelangt / wo Leben kaum mehr zählt. / Es erzählt sich. / Verzählt sich. / Oft“, heißt es in einem der namenlosen Gedichte. Oder: „Die Zeit hockt plärrend und plündernd / vor den offenen / Wunden des Vergessens“.

30 Jahr lehrte er an der Philipps-Universität

Professor Hermann Hofer wurde am 16. Dezember 1938 in Bern geboren. Er wuchs als Sohn eines Käsers im französisch-schweizerischen Jura auf. Er unterrichtete französische und provenzalische Literatur und Sprache in Frankreich, der Schweiz, den USA und Deutschland. 30 Jahre lehrte er bis 2005 an der Philipps-Universität Marburg, wo er mehrmals zum Dekan des Fachbereichs Fremdsprachliche Philologien und zum geschäftsführenden Direktor des Instituts für Romanische Philologien gewählt wurde.

Hofer veröffentlichte in seiner langen Karriere rund 500 Bücher und Aufsätze und setzte sich stark für die Pflege der deutsch-französischen Beziehungen ein, wofür er 2006 mit dem höchsten französischen Orden, dem Ritterkreuz der Ehrenlegion, ausgezeichnet wurde. Er blickt zurück auf viele Bekanntschaften mit bedeutenden Menschen wie den Autoren Jean-Paul Sartre oder Georges-Arthur Goldschmidt. Neben seinen universitären Verpflichtungen war er in vielen unterschiedlichen kreativen Bereichen tätig, unter anderem inszenierte er Opern. „Die Poesie ist nur scheinbar außer Gebrauch geraten“, schreibt er nun in der Einleitung zu seinem neuen Buch. „Die Einfärber der Wörter sind keine Einfärber des Nichts, es gibt sie noch...“ „Der Tag hat keine Türe“ ist ein Alterswerk. Die Gedichte sind lang und reimlos, unterbrochen von Fotos, die alte und verschlossene Türen und Tore zeigen. „Eine lineare, kontinuierliche Lektüre oder Rezitation der Gedichte in der willkürlichen Anordnung des Autors verweigert der Text“, gibt Charles Ofaire am Ende seinen Leserinnen und Lesern mit. Zum Älterwerden hat er sich zuvor schon geäußert. Bei einer Festveranstaltung zu seinem 80. Geburtstag im historischen Rathaussaal meinte er: „So alt zu werden fiel mir leicht, mein Umfeld hatte es da wahrscheinlich schon etwas schwerer mit mir.“

Charles Ofaire: „Der Tag hat keine Türe. Weggedichte“, Verlag Blaues Schloss, 60 Seiten, 14 Euro.

Von Uwe Badouin

Marburg Corona-Zahlen - 38 Neuinfektionen
30.05.2021
30.05.2021