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Marburg Platz heißt jetzt nach Hamm-Brücher
Marburg Platz heißt jetzt nach Hamm-Brücher
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11:59 05.08.2022
Karl-Theodor-Bleek-Platz wird zum Hildegard-Hamm-Brücher-Platz
Karl-Theodor-Bleek-Platz wird zum Hildegard-Hamm-Brücher-Platz Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die im Jahr 2016 verstorbene FDP-Bundespolitikerin Hildegard Hamm-Brücher erhält einen Platz in Marburg. Der Platz und der Steg am Marburger Südbahnhof, die bisher nach dem ehemaligen Marburger Oberbürgermeister Karl Theodor Bleek benannt waren, tragen nun stattdessen ihren Namen. Die feierliche Enthüllung des neuen Straßenschildes übernahmen am Donnerstag Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sowie die Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Elke Neuwohner (Grüne), begleitet von Lisa Deißler (FDP) und Henning Köster (Marburger Linke).

„Bis ins hohe Alter engagierte Hildegard Hamm-Brücher sich für liberale Werte, Bürgerrechte, Frauenrechte, Zivilcourage und demokratische Kultur. Sie kämpfte gegen Antisemitismus. Deswegen möchten wir mit dieser Umbenennung eine überaus engagierte, kluge und starke Frau ehren“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Die 2016 verstorbene Politikerin genieße über Parteigrenzen hinweg hohes Ansehen für ihr Wirken – so wählte auch die Marburger Stadtverordnetenversammlung im Januar 2021 einvernehmlich Hamm-Brücher als neue Namensgeberin für die beiden Örtlichkeiten am Südbahnhof aus.

Hildegard Hamm-Brücher Quelle: Peter Kneffel/dpa

Alt-Oberbürgermeister war Mitglied der NSDAP

Hildegard Hamm-Brücher (1921–2016) war Jüdin und Politikerin. 1948 trat Hamm-Brücher der FDP bei und machte sich als Bildungspolitikerin einen Namen im Landtag und im Bundestag. Sie war Staatssekretärin im hessischen Kultusministerium sowie im Bundesbildungsministerium und im Auswärtigen Amt. „Auch wegen ihres Kampfes gegen den Antisemitismus könnte es keine bessere Wahl für die Neubenennung geben“, so Spies.

Denn: Bisheriger Namensgeber für den Platz und den Steg war Karl Theodor Bleek (1898–1969). Er war Mitgründer der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands (LDP, Vorläufer der FDP) und amtierte in Marburg als Oberbürgermeister von 1946 bis 1951.

Die Ehrung von Bleek wurde auf Beschluss des Stadtparlaments aufgrund seiner Vergangenheit im Nationalsozialismus zurückgenommen. Bei Untersuchungen durch die Philipps-Universität zur NS-Vergangenheit der Mitglieder des Parlaments und des Magistrats waren Erkenntnisse über Bleek gewonnen worden, die eine Würdigung seiner Person nicht mehr rechtfertigten.

Die Gründe dafür erläuterte der Linken-Politiker Henning Köster, Initiator der Aberkennung der erst 1998 erfolgten Ehrung: So habe Bleek seine Mitgliedschaft in der NSDAP ab Januar 1942 in einem Spruchkammerverfahren nach dem Krieg mutwillig unterschlagen. Zudem müsse er in seiner Tätigkeit als Stadtkämmerer und drittwichtigster Kommunalpolitiker der Stadt Breslau zwischen 1937 und 1945 an der Arisierung – also der Beschlagnahme des Eigentums der jüdischen Bürger – in der drittgrößten jüdischen Gemeinde beteiligt gewesen sein.

Auch wenn Historiker der Uni Marburg unter der Leitung von Professor Eckart Conze im Archiv im Breslau kaum noch relevante schriftliche Informationen fanden, so müsse es als ausgeschlossen gelten, dass es in seiner Breslauer Zeit zu keiner Verstrickung von Bleek in den Nationalsozialismus gekommen sei. Das sagte OB Spies.

Auf Bleeks Rolle gingen Lisa Deißler und Niklas Hannott (beide FDP) in ihren kurzen Ansprachen bei der Platzumbenennung nicht ein. Stattdessen würdigte Hannott Hildegard Hamm-Brücher besonders als Pionierin der Emanzipation, die sich in ihrem politischen Leben konsequent für liberale Grundwerte eingesetzt habe. Und auch Deißler zeigte sich stolz, dass der Platz jetzt nach einer Liberalen und einer Frau benannt worden sei.

Von Manfred Hitzeroth

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