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Marburg Sorge um den Alten Botanischen Garten wächst
Marburg Sorge um den Alten Botanischen Garten wächst
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21:00 19.06.2022
Am Südhang im Alten Botanischen Garten wurden Anfang des Jahres mehrere Bäume und Büsche entfernt. Eberhard Lübbeke (links) und Hartmut Möller vom Nabu Marburg kritisieren die Gehölzarbeiten als übertriebenen Kahlschnitt.
Am Südhang im Alten Botanischen Garten wurden Anfang des Jahres mehrere Bäume und Büsche entfernt. Eberhard Lübbeke (links) und Hartmut Möller vom Nabu Marburg kritisieren die Gehölzarbeiten als übertriebenen Kahlschnitt. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Am südlichen Rand des Alten Botanischen Gartens im Herzen der Stadt entsteht das neue Seminargebäude der Marburger Universität – zwischen Neubau und Gartendenkmal standen einst auch einige Bäume und dichtes Gebüsch. Diese wurden entlang des steilen Hangs Anfang des Jahres entfernt.

Das ruft beim Freundeskreis Alter Botanischer Garten Unverständnis und Ärger hervor, die Naturschützer kritisieren die Gehölzarbeiten als zu radikal und Verlust für die Tierwelt. Eine dichte Hecke und etwa zwei Dutzend Bäume seien verschwunden.

„Das sind massive Rückschnitte und Kahlschläge, dieser Einschnitt trifft insbesondere die Vogelwelt im Alten Botanischen Garten, die Sträucher und Büsche zum Nestbau braucht“, ärgert sich Hartmut Möller vom Vorstand des Freundeskreises und zugleich vom Nabu Marburg.

Am südlichen Rand des Alten Botanischen Gartens entsteht das neue Seminargebäude der Marburger Universität. Bis Anfang des Jahres standen dazwischen noch dichtes Gebüsch und mehrere Bäume, die entfernt wurden. Quelle: Thorsten Richter

Die Arbeiten fanden im Winter, also vor der aktuellen Brutzeit statt, die Hecke im Südteil des Gartens stellte aber einen wichtigen Lebensraum für verschiedene Tiere dar, war zudem Sichtschutz und „Pufferzone“ zwischen Mensch und Tier. Diese Schutzwirkung sei nun zerstört oder stark reduziert.

Der Verein zeigte den Fall bei der Oberen Denkmalschutzbehörde des Landes und ebenso bei der Stadt Marburg an. Der Vorstand weist am Beispiel dieses Falls für die Zukunft darauf hin, dass der Garten als Zeugnis historischer Gartenkultur und Freiraumgestaltung auf eine reiche Pflanzenvielfalt angewiesen ist – das erfordere „eine besondere konservatorische Bewertungs- und Herangehensweise“ bei der Pflege.

Zumal vereinbart worden sei, dass durch die Bauarbeiten für den Campus Firmanei keine Lebensräume dauerhaft verschwinden oder zumindest ein gleichwertiger Ausgleich geschaffen werde.

Die Obere Denkmalschutzbehörde teilte dem Verein bereits mit, dass die Arbeiten zur Anlegung eines Weges auf Grundlage des Parkpflegewerks durchgeführt wurden, dieser Teil der Böschung stelle dabei „einen untergeordneten Bereich“ dar, aus Sicht der Denkmalpflege gebe es in dieser Sache keine Bedenken.

Stadt will nach Bauende für Ersatz sorgen

Was sagt die Stadt zu dem Vorfall? Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) hatte sich für die Schnittarbeiten im Winter mit der Philipps-Universität als Eigentümerin des Alten Botanischen Gartens abgestimmt und betont: „Notwendig wurden diese Arbeiten, da der Aufwuchs zunehmend die Bestandsbäume bedrängt hat und zudem aufgrund der Arbeiten am Sprachatlas Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden mussten“, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Die Uni habe die UNB darüber informiert, dass diese „umfangreicher ausfallen mussten als zunächst angenommen, unter anderem musste ein alter Zaun samt Betonfundamenten entfernt werden“. Das diene der Verkehrssicherheit, ebenso dem Schutz des alten Baumbestands. Das bestätigt auch die Universität gegenüber der OP.

Der Eingriff in den Bewuchs am Südhang sei aus Sicht der Stadt „sowohl naturschutz- als auch denkmalschutzrechtlich und -fachlich in diesem Einzelfall tolerierbar“. An gleicher Stelle solle später einmal Ersatz entstehen, Gehölze und Stauden gepflanzt werden, damit erneut eine dichte Hecke wachsen könne. Allerdings erst nach Ende der Bauarbeiten am angrenzenden Grundstück.

Für die aktuelle Brutzeit ist der Bereich entlang der Böschung, von der vor allem Bodenbrüter profitiert hätten, verloren.

Umweltschützer befürchten Durchgangsverkehr

Größere Schnittarbeiten sind zwar erst wieder ab Oktober möglich, der Nabu Marburg fordert in Zukunft aber einen stärkeren Schutz und adäquate Neupflanzung und „wirksame Begrenzung“ vom Alten Botanischen Garten zu den Neubauten. Denn sie befürchten, dass direkt nebenan ein neuer Zugang entsteht, der dazu verleitet, den Garten auch von dieser Seite aus zu betreten. Weitere Passanten und täglich hunderte Studierende würden in dem Fall die wertvollen Flächen durchqueren und die Tierwelt stören. „Das Gartendenkmal Alter Botanischer Garten ist hier besonders verwundbar und muss aus unserer Sicht vorausschauend geschützt werden“, betont der Nabu.

Von Ina Tannert

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