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Marburg Marburger Musiker spielen für behinderte Menschen
Marburg Marburger Musiker spielen für behinderte Menschen
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14:58 31.05.2020
Franziska Knetsch, Michal Bandac von Bloody Merry zusammen mit Gitarrist Paul Hilger Dario Preuss, der die Mundharmonika spielt. Quelle: Foto: Katja Peters
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Marburg

Nicole Preuss hat eigentlich wenig Zeit. Sie ist alleinerziehende Mutter, ihr Sohn Dario (10) hat das Down-Syndrom und braucht besonders viel Zuwendung. Oft stehe ihr der Stress „Oberkante Unterlippe“. Trotzdem hat Nicole Preuss in Corona-Zeiten eine ungewöhnliche Konzertreihe für behinderte Menschen organisiert. Das erste Konzert gab am 15. Mai das Marburger Trio „Bloody Merry“ für Bewohner eines Lebenshilfe-Hauses. Das zweite findet am kommenden Freitag statt: Es spielt das Marburger Duo „Howdiemania“ mit Guido Pöppler und Carsten Beckmann. Die Konzerte sind nicht öffentlich und richten sich ausschließlich an behinderte Menschen, die noch viel mehr unter den Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zu leiden haben als gesunde. Oft könnten sie aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht einmal ihre Gruppen verlassen.

„Es gibt Menschen mit Behinderung, die in Häusern und Gruppen leben und massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind. Und es gibt Künstler, die in Corona-Zeiten momentan nicht auftreten können. Ich habe mir gedacht: Das muss man doch zusammenbringen können“, sagte Nicole Preuss der OP. „Und hey, Marburg ist dafür doch ein Super-Pflaster mit seinem breiten Kulturangebot.“ Gesagt getan: Sie startete einen Aufruf auf der Social-Media-Plattform facebook und hatte Erfolg. Die Intendantinnen des Hessischen Landestheater, Carola Unser und Eva Lange, hätten sich unabhängig voneinander fast zeitgleich gemeldet. Das Theater bietet zwei szenische Lesungen an. Die Bands „Bloody Merry“ und „Howdiemania“ haben ebenso zugesagt wie der Pianist, Sänger und Komponist Ralph Lohaus.

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Ob alle Auftritte klappen, wird sich zeigen. Der Auftakt mit „Bloody Merry“ war nach Auskunft der 42-Jährigen jedenfalls grandios: „Alle waren total erfüllt und glücklich. Die Besucher, die Mitarbeiter und die Musiker.“

Die Idee, in Corona-Zeiten Kultur für Menschen mit Behinderung anzubieten, ist nicht neu. „Sehr gut läuft das bei der Lebenshilfe in Dillenburg“, sagt Nicole Preuss. „Die haben dort jemanden, der ist hauptamtlich nur für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.“

Die Öffentlichkeitsarbeit und Organisation der Reihe in Marburg macht die 42-Jährige ehrenamtlich und neben der Betreuung ihres Sohnes. Bieten kann sie den Künstlern nichts, außer andere Menschen für eine Stunde glücklich zu machen. „Es ist mir sehr schwer gefallen, Musiker und Künstler, die um ihre Existenz kämpfen, zu fragen: Kannst du ehrenamtlich auftreten?“, sagt Nicole Preuss, die selbst ehrenamtlich als Leiterin der Down-Syndrom-Gruppe Marburg und seit eineinhalb Jahren im Vorstand des Lebenshilfe Landesverbands tätig ist.

Sie sucht nun Künstlerinnen und Künstler aller Genres, die sich vorstellen können, ohne Bezahlung für Menschen mit Behinderung eine kleine Aufführung zu machen. „Gesang, Schauspiel, Pantomime ... alles was kurz Corona vergessen lässt, Langeweile vertreibt und den Leuten ein Lächeln entlockt.“

Künstlerinnen und Künstler, die in der Reihe auftreten möchten, melden sich unter der E-Mail-Adresse: nic.ct@gmx.de.

Von Uwe Badouin

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