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Marburg Museumsfreunde wollen Brunnen retten
Marburg Museumsfreunde wollen Brunnen retten
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18:54 05.12.2020
Spendenaktion für das Marburger Kunstmuseum: Dr. Catharina Graepler und Dr. Bernhard Conrads (vorne) von den Museumsfreunden sowie Dr. Michael Herrmann (hinten von links) und Dr. Gerhard Pätzold vom Marburger Kunstverein sammeln für den Brunnen im Innenhof des Museums.
Spendenaktion für das Marburger Kunstmuseum: Dr. Catharina Graepler und Dr. Bernhard Conrads (vorne) von den Museumsfreunden sowie Dr. Michael Herrmann (hinten von links) und Dr. Gerhard Pätzold vom Marburger Kunstverein sammeln für den Brunnen im Innenhof des Museums. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Mitten in Marburg steht ein prächtiger Brunnen. Und kaum jemand kennt ihn“, betonen die Initiatoren einer Spendenaktion, die jetzt kurz vor Weihnachten startet. Es geht um den Art-Deco-Brunnen im Innenhof des Kunstmuseums in der Biegenstraße.

Die Initiatoren der Spendenaktion sind Dr. Catharina Graepler und Dr. Bernhard Conrads, die in diesem Jahr neugewählten Vorsitzenden der Museumsfreunde.

Unterstützt werden sie dabei vom Marburger Kunstverein – namentlich vom neuen Vorsitzenden Dr. Michael Herrmann und dem ehemaligen und langjährigen Vorsitzenden Dr. Gerhard Pätzold.

„Dieser Brunnen ist ein Juwel der 20er-Jahre, des Art déco“, sind sich die Initiatoren der Spendenaktion einig, die in enger Abstimmung mit Dr. Christoph Otterbeck gestartet wurde. Otterbeck leitet das Museum, das 1927 als Jubiläumsbau zum 400-jährigen Jubiläum der Philipps-Universität eröffnet wurde.

Wechselvolle Geschichte

„In der wechselvollen, fast 100-jährigen Geschichte des Gebäudekomplexes fiel der Brunnen in einen Dornröschenschlaf. Im Gegensatz zur Prinzessin im Märchen aber wurde er älter und älter … und droht nunmehr zu verfallen“, fürchten Graepler und Conrads. Sie wollen den Verfall „unbedingt verhindern“ und verweisen auf eine andere, äußerst erfolgreiche Spendenaktion: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürgern der Region haben mit ihren Spenden die Innensanierung des Museums ermöglicht, das im Oktober 2018 nach einer siebenjährigen Schließung wieder eröffnet wurde. Die Initiatoren der Spendenaktion hoffen, dass dies nun wieder gelingt und dieser verborgene Schatz der Stadt zurückgegeben werden“ könne.

Er sei ein „herausragendes und einmaliges Bauwerk der Moderne – von Bedeutung weit über Marburg und Hessen hinaus“. Baufachliche Untersuchungen hätten ergeben, dass der Brunnen zu retten sei und auch wieder zum Fließen gebracht werden könne. Heutige Generationen kennen den wunderschönen Brunnen im bislang kaum genutzten Innenhof des Gebäudes nur trocken. Früher aber ist in dem Brunnen Wasser geflossen, wie ein historisches Foto aus der Zeit um 1930 beweist, das Graepler und Conrads bei ihren Recherchen entdeckt haben.

Sanierung kostet 95.000 Euro

Eine umfassende Sanierung würde nach „verlässlichen Kostenschätzungen“ etwa 95.000 Euro kosten. Aus öffentlichen Quellen und Firmenspenden sei bereits mit 40.000 Euro zu rechnen. Unter anderem danken die Initiatoren dem Autohaus Nord für ein großzügiges Sponsoring. Um die Finanzierungslücke von rund 55.000 Euro zu decken, bittet der Freundeskreis des Museums um Spenden aus der Marburger Bevölkerung.

Sobald die Finanzierung stehe, könne 2021 die Sanierung beginnen. „Rechtzeitig zum Stadtjubiläum 2022 würde der Brunnen dann wieder zum Herzstück eines Hofes, in den wieder Leben einkehren kann, zum Beispiel durch Skulpturenausstellungen des Museums, durch Konzerte, durch Feste von Groß und Klein“, hoffen Graepler und Conrads.

Nach Ansicht des Marburger Kunsthistorikers Thomas Jahn zeigt der Entwurf des Architekten Hubert Lütcke,der für Architektur und Bauschmuck des gesamten kombinierten Museums- und Institutsgebäudes verantwortlich war, deutlich die „expressionistische Stilistik und Materialität norddeutscher Prägung in der individuellen Formensprache des Künstlers – hinzu kommen Art-déco-Elemente.“

Damit sei der Brunnen für Marburg und Hessen ein „herausragendes und einmaliges Beispiel dieser Variante der Moderne“. Derzeit ist der Brunnen in einem bedauerlichen Zustand. Sämtliche Fugen und eine Vielzahl der Steine und Ziegel sowie der gesamte Sockel müssten dringend fachmännisch restauriert werden, um ihn für die Nachwelt zu erhalten, meint Jahn.

Von Uwe Badouin

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