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Marburg Marburger Molkerei wird liquidiert
Marburg Marburger Molkerei wird liquidiert
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19:59 08.05.2020
Was mit dem Fabrikgebäude der Marburger Molkerei passieren wird, ist noch unklar. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Marcel Lampey ist Rechtsanwalt aus Berlin und seit mehr als 15 Jahren auf den Kauf und die Abwicklung von Unternehmen spezialisiert. Er ist von den Eigentümern der Marburger Traditionsmolkerei mit der Liquidation der Molkerei beauftragt.

„Eine Liquidation ist kein Insolvenzverfahren“, sagt Lampey im Gespräch mit der OP. Die Liquidation sei von den Gesellschaftern in Auftrag gegeben worden „aufgrund hoher Verluste und einer negativen Zukunftsprognose“.

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Die Geschäftsführer Vladimir Chapaykin und Dr. Dmitriy Eremin sind nach wie vor in Russland und werden wohl auch nicht nach Deutschland kommen. Gerrit Oltmanns ist nach OP-Informationen von seiner Position als Geschäftsführer und Prokurist entbunden worden von der russischen Geschäftsleitung. Lampey ist seit dieser Woche im Haus der Marburger Molkerei, um sich einen Überblick zu verschaffen, sagt er (die OP berichtete).

Grundstück kommt erst an zweiter Stelle

Die Entscheidung stehe aber fest: „Meine erste Priorität ist es, den Geschäftsbetrieb einzustellen“, sagt er der OP. Erst in zweiter Linie ist für ihn die Frage der Verwertung von Grundstück, Fabrik und Geräten interessant. Gegenüber der OP konnte er deswegen keine Angaben darüber machen, ob es Interessenten für einen Kauf des Molkereigebäudes gebe. „Das entzieht sich meiner Kenntnis“, sagte Lampey.

Der Milchmarkt lege aber nahe, dass es nicht so leicht sein werde, das Gebäude als Produktionsstätte für Molkereiprodukte zu erhalten. Über andere Verwendungsmöglichkeiten wollte Lampey nicht spekulieren.

Knapp 50 Landwirte und Mitarbeiter betroffen

Ein Mitarbeiter berichtet der OP, dass die etwa 20 Beschäftigten ihre Arbeit verlieren werden und wohl ab Mitte Mai arbeitslos sind. Lampey selbst nennt keinen Zeitplan und macht auch keine Aussage zur Zukunft der Beschäftigten. „Zur Zeit geht es vor allem darum, die laufenden Verträge mit den Lieferanten zu beenden“, sagt er.

Knapp 30 Landwirte liefern ihre Milch an die Marburger Molkerei. Man wolle eine für alle Seiten befriedigende Lösung finden, so der Liquidator. Das Traditionsunternehmen war von der Molkereigenossenschaft vor zwei Jahren an die russische Unternehmensgruppe „Rossijskoje Moloko“ verkauft worden.

„Das Unternehmen soll geschlossen werden“

Seitdem schien es mit dem Unternehmen trotz der angespannten Lage auf dem Milchmarkt aufwärts zu gehen. In den Regalen vieler regionaler Unternehmen waren die Produkte der Molkerei zu finden. Die neuen Eigentümer hatten eigens in eine neue Abfüllanlage investiert und neue Produktlinien auf den Markt gebracht.

„Fakt ist“, sagt Lampey, „das Unternehmen soll geschlossen werden.“ Es wird deswegen in Zukunft keine Marburger Frischmilch und auch keine Marburger Molkereiprodukte mehr geben.

Von Till Conrad

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