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Marburg Wiedereinstieg in Regelbetrieb ab Herbst
Marburg Wiedereinstieg in Regelbetrieb ab Herbst
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09:00 25.07.2020
Dennis Keller holt Essen bei Manuela Ludwig beim Mensa-to-go Angebot an der AUSZEIT vor dem Studentenwerk am Erlenring in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Corona-Monate bedeuten auch für das Marburger Studentenwerk massive Einschnitte, in organisatorischer und finanzieller Hinsicht. „Die Lage ist auch für die anderen hessischen Studentenwerke mehr oder weniger gleich“, sagte Dr. Uwe Grebe, Geschäftsführer des Marburger Studentenwerks, im Gespräch mit der OP.

„Es sind weniger Studierende vor Ort. Und die Versorgung ist stark eingeschränkt“, berichtet er. Das wirkt sich ganz besonders bei der Essens-Verpflegung für die Studierenden durch die Mensen aus, für die das Studentenwerk verantwortlich ist. Statt ansonsten bis zu 6.000 Essen wurden im Sommersemester zuletzt nur um die 800 Essen pro Tag ausgegeben.

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Dass es überhaupt wieder so weit kam, ist sowieso schon eine kleine Erfolgsgeschichte. Denn bekanntlich wurden die Mensen nach dem Corona-Ausbruch am 18. März aufgrund einer Landesverordnung geschlossen. Erst die Lockerungsphase Anfang Mai brachte dann aber wieder eine allmähliche Änderung mit sich. „Wir waren in Marburg hessenweit die ersten, die wieder Essen angeboten haben“, erinnert sich Grebe. Es werden seitdem „To go“-Menüs an den beiden großen Mensa-Standorten am Erlenring und auf den Lahnbergen angeboten, und auch die Frühstücksmobile sind wieder unterwegs.

Gekocht wird mit reduzierter Belegschaft

Doch aus Hygienegründen sind die Speiseräume in den beiden Mensen bisher noch geschlossen. Gekocht wird übrigens zurzeit mit reduzierter Belegschaft alles in der Großküche im Lahntal; die „To go“-Portionen für die Lahnberge-Mensa werden dann jeweils per Transporter nach oben gebracht. Insgesamt vermeldet der Studentenwerks-Geschäftsführer aber auch eine deutlich geringere Nachfrage der Mensa-Nutzer. Denn in dem weitgehend von digitaler Lehre geprägtem Sommersemester der Universität sind viele Studierende gleich in ihren Heimatorten geblieben, und auch ein Großteil der ausländischen Studierenden war in den zurückliegenden Monaten nicht in Marburg.

„Uns fallen rund 90 Prozent der Einnahmen aus dem Mensa-Betrieb weg“, bilanziert jedenfalls Grebe. Zwar gebe es dann auch einen deutlich geringeren Wareneinsatz für die Zubereitung der Essen in den Großküchen. Aber es bleiben den Mensa-Verantwortlichen immer noch Fixkosten und Personalkosten.

Seit dem 1. April sind alle 100 Mitarbeiter in Kurzarbeit, 40 Prozent des Gehalts zahlt in diesem Fall der Arbeitgeber. Leerstände gebe es übrigens auch teilweise in den Wohnungen der Wohnheime des Studentenwerks. Das liege auch an der sonst üblicherweise hohen Quote von ausländischen Studierenden als Bewohnern. Teilweise hätten die leerstehenden Wohnungen nach einer Frist dann mit Nachrückern aus der Warteliste besetzt werden können. Aber auch diese Liste umfasst momentan nicht so viele Namen.

„Wir laufen im Corona-Modus aber es gibt keine Panik-Reaktionen“, macht der Studentenwerks-Geschäftsführer insgesamt deutlich. Doch klar sei auch, dass der Geschäftsbetrieb derzeit nicht wirtschaftlich laufe. Eine klare Bilanz könne wohl erst am Jahresende gezogen werden. Doch schon jetzt schätzt Grebe das momentane Minus allein beim Marburger Studentenwerk auf eine Euro-Summe in Millionenhöhe. Doch immerhin verweist er auf die angekündigte Unterstützung durch die Hessische Landesregierung, die deutlich positiver ausfalle, als es beispielsweise in dem benachbarten Bundesland Rheinland-Pfalz der Fall sei.

So habe das Wissenschaftsministerium den Ausgleich der coronabedingten Verluste der Studentenwerke für den Nachtragshaushalt angemeldet, über den nach der parlamentarischen Sommerpause beraten werde.

Und es gebe auch positive Signale aus dem Hessischen Finanzministerium in dieser Angelegenheit. Wichtig sei es, die Studentenwerke zu unterstützen, sagte dazu ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums. Noch ist das Studentenhaus, in dem sich auch die Haupt-Mensa am Erlenring befindet, für die gesamte Öffentlichkeit, also auch die Studenten, geschlossen.

Im Herbst und Winter ist „To Go“ nicht sinnvoll

Spätestens zum Start des Wintersemesters Anfang November könnte sich das aber wieder ändern. „Wir überlegen, ob wir zum Wintersemester wieder einen halbwegs geregelten Mensabetrieb machen“, kündigte Grebe an. Denn bei schlechterem Wetter im Herbst und Winter sei die „To go“-Lösung nicht mehr sinnvoll machbar.

So bereiten sich die Mensa-Verantwortlichen derzeit auf eine Öffnung von Räumlichkeiten unter Corona-Hygienebedingungen vor.

Von Manfred Hitzeroth