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Marburg Zeit der Angst ist für Sarah Hashemi und Habibi Naqibullah vorbei
Marburg Zeit der Angst ist für Sarah Hashemi und Habibi Naqibullah vorbei
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08:00 11.02.2022
Sarah Hashemi und Habibi Naqibullah sind in Deutschland angekommen.
Sarah Hashemi und Habibi Naqibullah sind in Deutschland angekommen. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Der Marburger Augenarzt Habibi Naqibullah und seine Frau Sarah Hashemi sind seit Mittwoch wieder in Deutschland. Damit endet für das Paar eine lange Zeit der Angst und Unsicherheit – Sarah Hashemi war es im vergangenen Jahr nach dem Vormarsch der Taliban nicht mehr gelungen, Kabul zu verlassen. „Sie lebt in ständiger Todesangst, die Frau von Habibi ist quasi eine Geisel der Taliban“, schrieb die OP zu diesem Zeitpunkt. Monatelang habe sie sich in Kellerlöchern bei Verwandten verstecken müssen. Seine Frau habe Todesangst, berichtete Habibi Naqibullah damals. Mitte Januar schließlich durfte die junge Frau aus Afghanistan ausreisen – zunächst nach Dubai, wo sie ihren Ehemann zum ersten Mal seit Monaten wieder traf.

Dort allerdings gab es noch die eine oder andere bürokratische Klippe zu umschiffen, bevor das Paar in Richtung Deutschland abheben konnte. „Wir bekamen relativ schnell einen Termin bei der deutschen Botschaft – auch weil sich Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies direkt telefonisch mit der Botschaft in Verbindung gesetzt und sich dort für uns eingesetzt hatte“, sagte Habibi Naqibullah gestern im Gespräch mit der OP. Schon fünf Tage nachdem Sarah Hashemi ihren Pass in der Botschaft eingereicht hatte, erhielt sie ihn zurück – mit dem Visum für Deutschland. Überglücklich buchten die beiden ihre Flüge für den 6. Februar, doch auf dem Weg zum Flughafen von Dubai kam die Ernüchterung: „Uns fiel auf, dass das Visum erst ab März gültig war“, erzählte der Mediziner, der selbst deutscher Staatsbürger ist. Also mussten die Flüge erst einmal wieder storniert werden, und jetzt tickte die Uhr immer schneller. Denn das Visum, das Sarah Hashemi für Dubai hatte, war nur noch bis zum 18. Februar gültig. „Dann hätte meine Frau wieder nach Kabul zurückfliegen müssen“, so Habibi Naqibullah. Doch dann ging alles ganz schnell, am vergangenen Montag war das Visum aktualisiert, am Dienstagabend ging es erneut zum Flughafen. „Dort wollten die Beamten noch einmal alles genau kontrollieren“, erinnert sich der Augenarzt: „Ich habe denen gesagt, nehmt alles, fotografiert alles, wir wollen einfach nur hier raus.“ Am Mittwochmorgen um zwei Uhr hob der Flieger ab, wenige Stunden später waren Habibi Naqibullah und seine Frau dann endlich in Deutschland. Jetzt hat Sarah Hashemi zunächst ein dreimonatiges Visum, mit dem sie sich in der kommenden Woche bei der Ausländerbehörde registrieren wird – in Gießen, wo Habibi Naqibullah, der in Marburg im Klinikum arbeitet, seit Oktober vergangenen Jahres lebt.

Von Carsten Beckmann