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Marburg Tempo 30 auf Südviertel-Schneise?
Marburg Tempo 30 auf Südviertel-Schneise?
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17:59 09.10.2019
Die Frankfurter Straße ist die Verkehrs-Schlagader des Südviertels. Noch ist für Autos Tempo 50 erlaubt. Quelle: Björn Wisker
Marburg

Mit ihrem Vorstoß knüpft die Links-Fraktion an eine wiederkehrende Forderung an – zuletzt ­hatte das Kinder- und Jugendparlament eine Tempo-Drosselung auf der viel befahrenen Straße verlangt.
Nach dem Willen der Linken im Stadtparlament soll der Magistrat „die Voraussetzungen dafür schaffen, dass auf der bisherigen Kreisstraße Frankfurter Straße eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 festgelegt werden kann“. Und das soll dafür passieren:

  • Den Auto-, Motorrad- und Lkw-Verkehr zählen und Nutzer befragen. Ziel: Zu ermitteln, wie hoch der Anteil an Verkehrsteilnehmern ist, die tatsächlich diese Straße überörtlich nutzen.

  • Tags und nachts Immissionsmessungen von Lärm und Abgasen durchzuführen, um den tatsächlichen Belastungsgrad der Anwohner zu erfassen.

  • Den Radverkehr, die Schulwegebeziehungen, die die Straße betreffen, das Querungs
verhalten zu ermitteln.

Landkreis müsste Straße umwidmen

Der Magistrat soll nach dem Willen von Henning Köster, Linken-Verkehrspolitiker, das nötige Datenmaterial besorgen, welches die Basis sein könnte, „beim Landkreis eine Umwidmung zur Gemeindestraße zu erreichen“ und über diesen Weg dann Tempo 30 anzuordnen.

„Das ist insbesondere in Wohngebieten und Gebieten mit hoher Fußgänger- und Fahrraddichte sowie hohem Querungsbedarf nicht nur statthaft, sondern im Interesse der Verkehrssicherheit, der Lebensqualität der Anwohner und des Klimaschutzes geboten“, sagt er.

Hintergrund

Eine Gesetzesreform im Bund hat seit Ende 2016 dazu geführt, dass Städte Tempo 30 leichter anweisen können. Bis dahin waren Geschwindigkeitsbeschränkungen auf weniger als 50 Stundenkilometer laut Straßenverkehrs-Ordnung nur bei einer besonderen qualifizierten Gefahrenlage zulässig. Daneben bestand die Möglichkeit, in Gebieten mit hohem Radfahrer- und Fußgängeraufkommen ganze Tempo-30-Zonen auszuweisen.

Der Vorstoß knüpft an eine wiederkehrende Forderung an – zuletzt verlangte das Kinder- und Jugendparlament eine Tempo-Drosselung. Grund: Lärmbelästigung und vor allem Sicherheits-Sorgen.

„Radfahrer und Jugendliche dürfen nicht auf dem Bürgersteig fahren, mit Tempo 30 würde die Straße auch für diese Menschen sicherer werden.“

Köster und Co. argumentieren ebenfalls mit einer „ständigen Gefährdung schwächerer Verkehrsteilnehmer“ in der Frankfurter Straße.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf einem Großteil ihrer Straßen auf Tempo 30 herabgesetzt. Der Magistrat bestätigte zuletzt, dass auch für die zurzeit mit Radwegen umgestaltete Elisabethstraße eine entsprechende Prüfung läuft – im Gegensatz zur Weidenhäuser Brücke, für die einige auch das 30er-Tempo fordern.

Lärm wird berechnet, nicht gemessen

Ein entscheidender Faktor für die Geschwindigkeits-Reduzierung ist die Lärmbelastung: In Wohngebieten liegt der Grenzwert für den vom Straßenverkehr herrührenden Beurteilungspegel zwischen 6 und 22 Uhr bei 70 Dezibel, in der Nacht bei 60 Dezibel. In Kern-, Dorf- und Mischgebieten liegt der Wert tagsüber bei 72 Dezibel, nachts bei 62 Dezibel.

Der Verkehrslärm wird nach Angaben der Stadtverwaltung dabei nicht gemessen, sondern berechnet. Grund: Bei einer Berechnung könne der reine Verkehrslärm für eine gesamte Straße ermittelt werden. Eine Messung hingegen messe den Lärmpegel ausschließlich an einem Punkt.

Die OP hat Passanten befragt

Petra Fix: Ich bin für ein Tempolimit. Heute läuft alles nur auf der Überholspur. Da finde ich es angenehm, eine Entschleunigung auf der Straße zu erleben. Auch der Besuch des Wochenmarktes wäre so entspannter. Foto: Marquardt
Julian Hildebrand: Als Autofahrer finde ich es eigentlich angenehm, 50 fahren zu dürfen. Nach einigen Überlegungen sehe ich aber ein, dass hier sehr viele Menschen entlang gehen. Da wäre 30 bestimmt besser. Foto: Marquardt
Rike Kokott: Grundsätzlich bin ich dafür. Hier sind viele Fußgänger und die Bäume machen alles recht unübersichtlich. Durch die vielen Schlaglöcher, kann man aber sowieso nicht so schnell fahren. Foto: Marquardt
Sergey Konrachow: Ich denke, dass eine Geschwindigkeitsbeschränkung nicht viel ändern wird. Aus Gewohnheit werden die meisten Autofahrer sehr wahrscheinlich weiterhin mit 50 durch die Straße fahren. Foto: Marquardt
Claudia Niessen: Eine Beschränkung auf 30 macht Sinn, denn hier wohnen viele Kinder. Viele Autofahrer kennen sich auch nicht richtig mit der Verkehrssituation aus, da kommt es öfters mal zu Unfällen. Foto: Marquardt

von Björn Wisker
 und Linda Marquardt