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Marburg Marburger Linke fordert Corona-Sozial-Stütze
Marburg Marburger Linke fordert Corona-Sozial-Stütze
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16:02 07.12.2020
Wer nicht viel Geld hat, leidet unter den Corona-Pandemie-Folgen mehr als Einkommensstärkere. In Marburg fordert die Linke Hilfen etwa für Stadtpassinhaber. Quelle: Philipp Schulze/dpa/Themenfoto
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Marburg

Die Corona-Folgen nicht nur für die heimische Wirtschaft abfedern, sondern vor allem für finanzschwache Bürger: Die Marburger Linke fordert im Vorfeld der Haushaltsdebatte in dieser Woche ein millionenschweres Sozial-Hilfspaket, um besonders von der Pandemie betroffene Bevölkerungsgruppen zu unterstützten.

„Für Familien bedeutet die Pandemie hohe Mehrausgaben. Vom weggefallenen Schulmittagessen bis zu Stromkosten im Home Office: Die Virusbekämpfung hat nicht für alle die gleichen Folgen“, sagt Renate Bastian, Fraktionschefin und Oberbürgermeister-Kandidatin der Linken.

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Es sei richtig gewesen, das Gewerbe mit den Stadtgeld-Gutscheinen zu stützen. Aber es brauche in diesem Lockdown-Winter nicht für die Wirtschaft, sondern für die Bewohner – etwa Stadtpassinhaber – eine „soziale Stütze“, sowohl Geld, Vergünstigungen als auch etwa aufsuchende Sozialarbeit, um etwa die Härten des Fern-Unterrichts für viele zu mildern.

Denn gerade im Bildungsbereich – allen voran in Schulen, für die der Magistrat zuständig sei – reiche es nicht aus, einige hundert Tablet-PCs zur Verfügung zu stellen.

Breitere Gehwege und Hindernisse für Autos

„Die Handhabung, das richtige Lernen, die richtigen Lernformate und an die Situation angepasste Inhalte – darum muss sich gekümmert, das muss vermittelt werden“, sagt Stefanie Wittich, Stadtverordnete. Mehr denn je entscheide das Elternhaus, die berufliche Einbindung, dem Einkommen oder Wohnverhältnissen, darüber, wie die Kinder in der Schule klarkommen.

Mehr noch: Gerade Kindern, Schülern müssten Sozialkontakte ermöglicht werden – über corona-konforme Kultur- und Freizeitangebote in den Stadtteilen. „Dafür braucht es Phantasie und Geld. Beides ist vorhanden“, sagt Bastian.

Der Verkehr müsse – nicht zuletzt aus Klimagründen – „sprichwörtlich umgebaut werden“, sagt Wittich. Heißt: Verkehrshindernisse aufzubauen, um Autos zu verlangsamen, flächendeckende Tempo-Tafeln installieren, Gehwege verbreitern und fußgänger-freundliche Ampeltakte herstellen. Dazu: Mindestens für Schüler und Stadtpassinhaber Gratis-Busfahrten im Stadtgebiet sowie Schnellbuslinien von überall ins Zentrum. „Der Bus muss zum normalen Verkehrsmittel werden, um ökologische Ziele zu erreichen. Dafür muss sich aber viel tun, bei Preis und Attraktivität, sagt Wittich.

Stadtentwicklungsplan im Blick

Bezahlt werden solle das über eine Gewerbesteuer-Erhöhung – aktuell liegt sie bei 400 Punkten, in den Vorjahren forderten die Linken eine Anhebung um 20 bis 30 Punkte.

Zentral, wenn auch über den Haushalt 2021 hinausgehend: Die Erstellung eines Stadtentwicklungsplans, um zu einer „atmenden, in kein starres Korsett gepressten Bebauung“ zu kommen, wie Bastian sagt. „Stadt und auch Bedürfnisse werden sich immer verändern.“ Das perspektivisch anstehende Temmler-Areal, praktisch die Verlängerung des Unteren Richtsbergs, müsse daher mit gänzlich anderen Wohnungsgrößen, Zuschnitten, auch optischen Elementen und sowieso Freiflächen geplant werden.

Vision: Schul- und Sport-Campus Ockershausen

Und es könne nicht losgelöst vom möglichen neuen Wohnviertel an der Beltershäuser Straße gedacht werden. Mit dem Sparkassen-Neubau auf dem 3U-Gelände sei nun schon „ein Pflock eingeschlagen, ohne dass viele Leute mitreden konnten“, sagt Bastian. Die Linke pocht in dem Entwicklungsgebiet auf Sozialwohnungsbau im Umfang von hunderten Apartments. „Das wäre mal nicht abgelegen auf Hügeln und darf nicht wieder als Klotz hingebaut werden.“

Grundsätzlich gehe es auch um Wohnumfeld-Gestaltung: Kaum Grünflächen, veraltete Spielplätze und kaum Sportanlagen in Stadtteilen, kaum Raum für Kinder und Jugendliche seien die Realität. „Der Wohlfühl-Faktor leidet, es gibt für und mit Kindern zu wenig Attraktives zu tun“, sagt Wittich. Vision: Ein Schul- und Sport-Campus zwischen Leopold-Lucas- und Willy-Mock-Straße.

Konkret: Neben dem ohnehin geplanten Ausbau der Sophie-von-Brabant-Schule auch nahe des Gaßmann-Stadions eine überdachte Sportstätte samt Schwimmhalle errichten. „Es gibt den Bedarf, es kann den Platz geben – es braucht nur Willen und Kreativität“ sagt sie und verbindet die Idee mit dem Plan von Autofreiheit nahe der Schulen.

Von Björn Wisker

07.12.2020
07.12.2020