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Marburg Marburger Leuchtfeuer für Stefan Diefenbach-Trommer
Marburg Marburger Leuchtfeuer für Stefan Diefenbach-Trommer
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14:59 12.07.2020
Das Marburger Leuchtfeuer 2020 für Stefan Diefenbach-Trommer, überreicht von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Eine ehemalige Kollegin hat mal über Stefan Diefenbach-Trommer gesagt: „Egal welches Thema, er ist nach kurzer Zeit Experte.“ Das bestätigten am nun auch alle Redner bei der diesjährigen Verleihung des „Marburger Leuchtfeuers für Soziale Bürgerrechte“ an den Demokratie-Experten aus der Universitätsstadt. Zusammen mit der Stadt Marburg verleiht jedes Jahr die Humanistische Union den undotierten Preis.

„Als Vorbild und Demokrat im besten Sinne“, beschrieb ihn Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der sagte: „Manche Abgeordnete könnten von Ihnen lernen.“

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Die ehemalige Bundesministerin für Justiz Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lobte sein überparteiliches Engagement für die Anerkennung des modernen Gemeinnützigkeitsrechtes mit der „Allianz Rechtssicherheit für politische Willensbildung“.

Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von aktuell mehr als 170 Organisationen, die zum Teil ihren Status der Gemeinnützigkeit beim Finanzamt verloren haben. „Der Name klingt spröde und formalistisch, aber er umfasst die ganze Bandbreite zivilrechtlichen Engagements ohne das eine Gesellschaft nicht existieren kann. Vereine brauchen Rechtssicherheit“, sagte die Politikerin in ihrem Grußwort, das per Videobotschaft eingespielt wurde.

Vaupel: bürgerschaftliches Engagement unverzichtbar

Mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit der Aktivistengruppe „Attac“, deren Mitglied Stefan Diefenbach-Trommer ist, begann sein Engagement für die finanzielle Unabhängigkeit politisch aktiver Organisationen. Das hat auch die Leuchtfeuer-Jury überzeugt:

„Ausschlaggebend bei unserer Entscheidung war vor allem die steuerrechtliche Begünstigung ehrenamtlichen politischen Engagements, für die Stefan Diefenbach-Trommer eintritt wie kein anderer“, sagte Jury-Mitglied Egon Vaupel, der die Preisbegründung vortrug. „Gerade jetzt, während der Corona-Pandemie, haben wir deutlich gesehen, wie unverzichtbar bürgerschaftliches Engagement in der demokratischen Gesellschaft ist“, ergänzte er.

„Attac hat viele Menschen zum Radau angestiftet“

Die Laudatio hielt die Journalistin und Aktivistin Jutta Sundermann. Sie erinnerte in ihrer Rede an den allerersten Flashmob in Deutschland, den Stefan Diefenbach-Trommer organisiert hatte. In 50 Bahnhofsvorhallen hatten sich im Sommer 2007 Attac-Aktivisten eingefunden, um gegen die Privatisierung der Bahn mit Trillerpfeifen und Topfdeckeln zu protestieren. Das sei auch dem damaligen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nicht verborgen geblieben.

In einem Interview soll er gesagt haben: „Ja, Attac hat viele Menschen zum Radau angestiftet.“ Und das machte auch Jutta Sundermann im alten Rathaussaal, der laut Oberbürgermeister nur für „besondere, herausragende und wichtige Ereignisse“ genutzt wird. Die wenigen geladenen Gäste standen auf, zogen den Mund-Nasen-Schutz an und hüpften klatschend durch den Saal. Es war zwar nur ein kleiner Flashmob, aber wahrscheinlich der erste und einzige im Marburger Rathaus.

Preisträger zeigt sich demütig

Franz-Josef Hanke, Vorsitzender der humanistischen Union, hob die politische Solidarität hervor: „Sie ist ein Leuchtfeuer.“ Und er hofft, dass sich die Weltoffenheit der Stadt Marburg auch in andere Städte und Gegenden Deutschlands überträgt. „Manchmal wünsche ich mir ein bisschen mehr Marburg auch anderswo.“ Das Engagement eines Stefan Diefenbach-Trommer sieht er auch als Mahnung, „weil es notwendig ist“.

Der Preisträger war sichtlich gerührt ob der Auszeichnung und der vielen wertschätzenden Worte. Rückblickend konnte er sich nur an einen erfolgreichen Mathematikwettbewerb in der 7. Klasse erinnern, den er als Kreissieger gewann und an einen Journalisten-Nachwuchspreis.

„Mir war nie klar, dass das, was ich tue, preiswürdig ist. Aber jetzt hoffe ich, dass es Ansporn für andere sein kann.“ Er bedankte sich bei vielen Menschen, denen er persönlich nie begegnet ist, die aber alle für Menschenrechte und für die Demokratie gekämpft haben. Einige haben mit ihrem Leben bezahlt. „Ich bin demütig mit Menschen, die geflüchtet sind. Ich habe nie mein Leben riskiert, andere tun es – für ihre Freiheit.“

Von Katja Peters

Zur Person

Stefan Diefenbach-Trommer ist 1971 in München geboren und studierte in Leipzig Arabistik mit Nebenfach Verwaltungsrecht. Als Jugendlicher war er aktiv im Bund Deutscher Pfadfinder und in der Schülervertretung als Schulsprecher und Mitglied im Vorstand der Landesschülervertretung Hessen sowie in der Jungen Presse Hessen.

Im Juli 2000 kam er für ein Redaktionsvolontariat zur Oberhessischen Presse nach Marburg. Er erhielt 2002 den Anerkennungspreis des Verbands Hessischer Zeitungsverleger (VHZV) für junge Journalisten.

2006 bis 2008 leitete er als Campaigner die Kampagne des Bündnisses „Bahn für Alle“ gegen die Privatisierung der Deutschen Bahn. 2008 startete er mit Jochen Stay und anderen die Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“. Bis 2014 leitete er das Büro der Organisation und verantwortete unter anderem Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising.

Seit 2014 arbeitet er für die Allianz „Rechtssicherheit für politische Willensbildung“, einem Zusammenschluss von mehr als 175 Vereinen und Stiftungen. Als Experte für Gemeinnützigkeitsrecht wurde er unter anderem zu Anhörungen in den Bundestag eingeladen.

Seit 2016 ist er ehrenamtlich als Vertreter der geförderten Projekte Mitglied des Stiftungsrats der Bewegungsstiftung. Stefan Diefenbach-Trommer ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und engagiert sich beim Freundeskreis Marburg-Sfax.

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