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Marburg Marburger Kunstverein ist Demenz-Partner
Marburg Marburger Kunstverein ist Demenz-Partner
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12:56 05.12.2020
In kleinen Gruppen können Menschen mit Demenz an Führungen im Kunstverein teilnehmen.
In kleinen Gruppen können Menschen mit Demenz an Führungen im Kunstverein teilnehmen. Quelle: privat
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Marburg

In Kooperation mit der Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf bietet der Marburger Kunstverein jeweils am 1. Donnerstag im Monat Führungen für Menschen mit Demenz an. Zwei Veranstaltungen fanden bereits statt, bevor der neuerliche Corona-Teillockdown den Organisatoren erst einmal wieder einen Strich durch die Rechnung machte.

Die Gesellschaft wird immer älter. Das ist auf der einen Seite erfreulich. Für viele Menschen bedeutet dies auf der andere Seite aber auch, dass sie mit kognitiven Einschränkungen und Veränderungen ihrer Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Orientierung oder ihres Erinnerungsvermögens zurechtkommen müssen. Begriffe wie Demenz oder Alzheimer sind für die meisten Menschen mit negativen Vorstellungen verbunden.

Wichtige Fragen, die sich die Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf stellt, sind: „Wie können wir es schaffen, dass Menschen mit solchen Veränderungen nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden?“ „Wie können wir es ermöglichen, dass auch für diese wachsende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern in unserer Stadt und im Landkreis Lebensqualität und Teilhabe am öffentlichen Leben erhalten bleiben?“

Erlebnisse, die Spaß machen und als sinnhaft empfunden werden, sind noch lange möglich, vielleicht anders als gewohnt und mitunter mit dezenter Unterstützung.

Neuland für alle Beteiligten

Der Marburger Kunstverein macht sich hier auf den Weg. Ende September bot Elisabeth Bender, Koordinatorin der Alzheimer Gesellschaft, dort eine Demenzpartnerschulung an. Ziel war, dass Aktive des Kunstvereins Führungen für Menschen mit Demenzerkrankungen anbieten kann. Diese Art von Führung wird auf eine begrenzte Anzahl von Kunstwerken beschränkt und die Gruppengröße auf maximal zehn Personen festgelegt.

Die Alzheimer Gesellschaft betritt mit diesem Projekt Neuland. Elisabeth Bender zeigt sich sehr zufrieden: Gerade in Corona-Zeiten sei es sehr schwierig für Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, Angebote zu erschließen und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Gruppenangebote in großen Räumen wie denen des Kunstvereins sind für sie ein Glücksfall: „Wir können Kunstgenuss, Gemeinschaft und Lebensfreude unter Einhaltung eines notwendigen Sicherheitsabstandes ermöglichen.“

In der Erprobung neuer Konzepte und Wege sieht Elisabeth Bender die Chance, im demografischen Wandel unter Corona-Bedingungen eine lebenswerte Welt für alle Bevölkerungsgruppen zu gestalten. Hoch erfreut zeigten sich auch Carola Schneider, Geschäftsführerin des Marburger Kunstvereins, und ihre Kollegin Friederike Hagel.

Nächste Führung nach Teil-Lockdown

Zwei gut besuchte Führungen fanden bereits statt und beide machten die Erfahrungen, dass der direkte Dialog mit Blickkontakt und einfacher Sprache in kurzen Sätzen zielführend sind. Der Funke über die eigene Freude an der Kunst konnte überspringen. Eine der Teilnehmerinnen war besonders begeistert: „Das war wunderschön, etwas ganz Besonderes. So etwas möchte ich öfter machen.“

Sobald der Kunstverein nach der derzeitigen Corona-bedingten Schließung wieder öffnen kann, finden die nächsten Führungen durch die Ausstellung „Apokryphe Landschaften“ mit Werken von Sven Drühl jeweils an den ersten Donnerstagen im Monat um 10 Uhr statt. Eine Anmeldung zur Führung ist erforderlich. Auch Interessenten für Demenzpartner-Schulungen melden sich beim Verein Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf unter Telefon 06421/690393.

Von Carsten Beckmann

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