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Marburg „Wir sind stolz, Teil des Projekts zu sein“
Marburg „Wir sind stolz, Teil des Projekts zu sein“
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11:58 07.09.2021
Die Russische Kapelle, das Ausstellungsgebäude und der Hochzeitsturm stehen auf der Mathildenhöhe in Darmstadt
Die Russische Kapelle, das Ausstellungsgebäude und der Hochzeitsturm stehen auf der Mathildenhöhe in Darmstadt Quelle: Andreas Arnold
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Marburg

Seit Juli kann sich Deutschland mit neuen Welterbe-Stätten schmücken: Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) verlieh Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sowie der Jugendstil-Künstlerkolonie Mathildenhöhe die begehrte Auszeichnung Welterbe. Maßgeblichen Anteil an dem langen Weg der Mathildenhöhe zum Welterbe hat auch das Marburger Ingenieurbüro ingplan GmbH.

2012 gewann das Marburger Unternehmen das Vergabeverfahren zur energetischen Sanierung und technischen Gebäudeausstattung der Ausstellungshallen der bedeutenden Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Ging es anfangs ausschließlich um eine rein energetische Sanierung des Ensembles ohne große Eingriffe in die Bausubstanz, so wurde der Auftrag 2015 im Zuge des Bewerbungsverfahrens zum Unesco-Welterbe modifiziert, erklären Dr.-Ing. Tobias Post, der das Unternehmen seit 2019 als Geschäftsführender Gesellschafter leitet, und Dipl.-Ing. Peter Vogt, der ingplan 1975 gründete.

 Arbeiten noch bis Ende des Jahres

Seit 2012 plant und überwacht ingplan die Sanierung der Ausstellungshallen und des benachbarten Ernst-Ludwig-Hauses. Die gesamte technische Ausstattung der Gebäude wurde und wird noch bis Ende des Jahres erneuert. Dazu zählen unter anderem die Stromversorgung, die Lüftung, die Klimatisierung, die Küchen- und nicht zuletzt die aufwendige Sicherheitstechnik, erläutert Tobias Post.

Acht der insgesamt 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des kleinen Unternehmens sind mit der Mathildenhöhe betraut, permanent sind Mitarbeiter vor Ort, steuern die Arbeit von Firmen, die die Planungen umsetzen.

Anforderungen sind hoch

Die Anforderungen waren und sind insbesondere nach der erfolgreichen Welterbe-Bewerbung sehr hoch. Die Technik musste von dem Unternehmen in Einklang mit der Architektur und Denkmalpflege gebracht werden. Dies bedeutet: „Es sollte möglichst wenig Technik sichtbar sein“, so Tobias Post.

Zudem mussten die Planer berücksichtigen, dass die klimatischen Bedingungen, also Temperatur und Feuchtigkeit, in den Ausstellungshallen auch bei großen Besucherströmen konstant bleiben. Geheizt und gekühlt werden die Gebäude durch acht Geothermiebohrungen, die bis in eine Tiefe von 200 Metern reichen, sowie eine Sole-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einem Blockheizkraftwerk.

Enge Zusammenarbeiten

Im Vergleich zum Vor-Sanierungsstandard würden künftig 60 Prozent Energie eingespart, erklären Post und Vogt. Eine energiesparende Beleuchtung, eine aufwendige Sicherheitstechnik sowie die Verknüpfung und Automation aller Systeme runden die Leistungen von ingplan für die Mathildenhöhe ab. Dabei arbeitet das Marburger Team eng mit Kolleginnen und Kollegen anderer Unternehmen zusammen, unter anderem dem Stuttgarter Fraunhofer Institut.

„Wir sind stolz, Teil des Projekts zu sein“, sagte Inge Vogt von der Geschäftsleitung. „Als wir den Zuschlag bekommen haben, haben wir erst einmal eine Flasche Champagner aufgemacht.“ Das Großprojekt Mathildenhöhe neigt sich allmählich dem Ende zu. Noch 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden, danach startet nach Auskunft von Tobias Post eine etwa halbjährige Probephase, in der die Technik getestet und abgestimmt wird. Mitte 2022 sollen die Ausstellungshallen eröffnet werden.

Mehrere Großprojekte

Die Mathildenhöhe ist nicht das einzige Großprojekt, das von ingplan gestemmt wurde. Parallel zur Mathildenhöhe war die Firma auch in die „Revitalisierung und Neubebauung der Altstadt Frankfurt Dom-Römer Areal“ involviert. 35 Häuser wurden errichtet, davon 15 originalgetreue Rekonstruktionen und 20 Neubauten. Heute ist die neue Frankfurter Altstadt eine Besucher-Attraktion.

Die ingplan GmbH ist bundesweit tätig. Sie plant die gesamte technische Ausrüstung für Gebäude. Durch innovativen und wirtschaftlichen Einsatz von Technik seien im Laufe der vergangenen 46 Jahre viele Krankenhäuser, Bürogebäude und Museen zu neuem Leben erweckt worden.

Arbeit geht nicht aus

Weitere große Projekte des Ingenieurbüros waren unter anderem die Sanierung des Landesmuseums Wiesbaden, die Sanierung und Erweiterung des Stadtmuseums Kassel, der Neubau des Technischen Rathauses der Stadt Mannheim, der Neubau und die Sanierung von mehreren Gebäuden des Uniklinikums Frankfurt, die Sanierung der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim, die Sanierung der DZ-Bank Frankfurt – das erste Hochhaus in Frankfurt mit Fenstern, die man öffnen kann – und im Landkreis Marburg-Biedenkopf die Sanierung des Schlosses Biedenkopf, Stationssanierungen inklusive der Intensivstation am Uniklinikum Marburg, die Sanierung des Softwarecenters und des Amerika-Hauses sowie des Rathauses in Marburg.

Die Arbeit geht ingplan nicht so schnell aus: Derzeit betreut das Unternehmen den Neubau des Nachbarschaftszentrums Waldtal. Die nächsten großen Projekte sind die Sanierung des Schlosses Koblenz sowie die Sanierung des historischen Hauptgebäudes der Universität Mainz.

Von Uwe Badouin

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