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Marburg Corona verschärft die Versorgungslage
Marburg Corona verschärft die Versorgungslage
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15:56 18.05.2020
In der Schulküche in Simbabwe werden normalerweise 100 Kinder über Mittag verpflegt, jetzt in der Coronakrise sind es 500. Quelle: privat
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Marburg

Zum Weltgebetstag im März rückt immer ein bestimmtes Land der Erde in den Fokus. Man erhält einen Einblick wie es dort um den christlichen Glauben, aber auch um die Situation der Menschen, insbesondere der Frauen, steht. Dann nach dem Tag verschwindet das Land in der Regel wieder aus dem Sichtkreis einer großen Öffentlichkeit.

Das ist für die Marburger Pfarrerin Andrea Wöllenstein im Fall des zuletzt ausrichtenden Landes, Simbabwe, nicht möglich. Aufgrund privater Kontakte mit Menschen in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, ist sie immer gut über die Lage in diesem Land informiert. Wöllensteins Tochter Mira leistete dort 2015 als 18-Jährige einen freiwilligen Dienst zur Unterstützung der Kunzwana Women‘s Association.

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Die in Harare ansässige Nichtregierungsorganisation hilft Frauen, etwas zu erlernen, was ihnen für eine anschließende Selbstversorgung hilft: Fähigkeiten in Handarbeiten, Wissen und Regeln im Unternehmer- und Geschäftsleben, aber auch praktische Anleitungen für eine erfolgreiche Landwirtschaft.

Lockdown können sie sich nicht leisten

Sie lernen dort aber auch viel über verschiedene Themen wie Gesundheit und Hygiene. Viele geben dann ihr Wissen und ihre Fertigkeiten aktiv an andere weiter. Jede Frau erhält zudem ein Handy, um in Verbindung bleiben zu können. So haben sich seit Gründung der Initiative 1995 mehr als 10.000 Mitglieder miteinander vernetzt.

Aktuell haben die Menschen in Simbabwe aber auch mit dem Corona-Virus zu kämpfen. Im April kam es wie hierzulande zu einem Lockdown.

„Für 21 Tage soll nun auch hier das ganze öffentliche Leben zurückgefahren werden. Die Grenzen sind geschlossen, alle Schulen, Restaurants, Büros und Freizeitorte. Die Leute sollen nicht mehr auf die Straßen gehen. Es droht eine Hungersnot, denn Simbabwe lebt davon, dass Menschen ihre Produkte auf dem Markt oder an der Straße kaufen oder verkaufen. Sie können es sich nicht leisten, zu Hause zu bleiben. Auch nicht einen Tag.“

Bericht brachte Hilfsaktion in Gang

Diese Sätze schrieb Dr. Emmie Wade an Andrea Wöllenstein. Emmie Wade ist die Tochter der Gründerin der Kunzwana Women‘s Association und eine gute Freundin der Pfarrerin. Sie ist mit einem Engländer verheiratet und leitet die Hilfsorganisation, die auch von Brot für die Welt unterstützt wird. Über Whatsapp stehen die beiden Frauen in einem engen Kontakt.

Nach dieser Nachricht wusste Wöllenstein, dass sie etwas unternehmen muss, um ihrer Freundin zu helfen. Sie startete einen Spendenaufruf an die Frauen und Gemeinden, die den Weltgebetstag gefeiert haben und dadurch eine Beziehung zu dem Land und der Situation dort haben. Die Bitte war, Geld zu spenden für Stoffe für die Herstellung von Masken.

Nähmaschinen werden per Hand betrieben

„Es kam dann so viel zusammen, dass wir jetzt weitere Projekte unterstützen können“, freut sich die Pfarrerin über die Hilfsbereitschaft aus den Gemeinden. Inzwischen sind es 8.120 Euro, die von 97 Personen stammen.

Auch in Simbabwe setzt man zur Verhinderung von Ansteckungen auf den Mund- und Nasenschutz. Stoffmasken entstehen dabei auch in Heimarbeit, allerdings weniger mit modernen elektrischen Nähmaschinen, sondern mit mechanischen, bei denen man noch kurbeln muss. Die Ergebnisse sind zum großen Teil sehr modisch, oftmals auch gleich mit passender Kopfbedeckung.

Unterstützung aus Marburg ebbt nicht ab

Ausgeprägter als die Angst vor Corona ist im Land aber die Bedrohung durch Hunger. Der Lockdown sorgte dabei für extreme Engpässe. Die Schulküche, die für Kinder immer ein warmes Mittagessen bereithält, versorgte vor Corona rund 100 Kinder. „Jetzt sind es 500“, berichtet Wöllenstein. Auch hier wird das gespendete Geld eingesetzt.

Frauen in Simbabwe haben kleine Acker-Parzellen, die sie bearbeiten können. Um sich aber wirklich selbst versorgen zu können, werden derzeit Wassertanks gebaut, um Wasser speichern zu können, damit selbst angebautes Gemüse eine Chance hat, auch zu gedeihen. Die Workshops und Ausbildungskurse sind derzeit wegen Corona nicht möglich.

Die Unterstützung aus Marburg ebbt nicht ab, freut sich Wöllenstein. Die Ideen für das „Fundraising“ waren vielfältig, berichtet sie. Dabei ist jeder Euro Gold wert.

Spendenaktion in der Elisabethkirche

So haben zwei Mädchen in Marburg auf dem Marktplatz Musik gemacht und 200 Euro eingenommen. Auch andere haben über diesen Weg Geld für Simbabwe gesammelt. Frauen in Kirchhain und Langenstein haben selber Schutzmasken genäht und für Simbabwe verkauft.

Aktuell gibt es Masken in der Elisabethkirche gegen eine Spende für Simbabwe. Auch Flüchtlinge, die derzeit in der Gemeinde Lahntal leben, beteiligen sich an dieser Aktion, die noch weiter läuft. Wer noch helfen möchte, kann dies gerne tun.

Weitere Details können bei Pfarrerin Andrea Wöllenstein erfragt werden unter Telefon 06421/983168 oder per Email: andrea.woellenstein@ekkw.de 

Von Götz Schaub

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