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Marburg Brückensperrung: Stau und Umsatzeinbußen
Marburg Brückensperrung: Stau und Umsatzeinbußen
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07:00 09.08.2019
Das Geländer der Weidenhäuser Brücke erstrahlt in neuem Glanz. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Kurz vor Beginn der Bauarbeiten an der Brücke ging ein Aufschrei durch die Händlerschaft: Unisono beklagten sie, dass die Stadt nicht früh ­genug über die Sperrung informiert hatte. Das führte so weit, dass Vertreter von IHK, Handwerk, Arbeitskreis für Kommunal- und Wirtschaftsfragen, Einzelhandelsverband sowie der Werbekreis direkt nach Beginn der Bauarbeiten einen Forderungskatalog aufgestellt hatten, den sie Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies übergeben wollten.

Doch der nahm die Forderungen nicht an. Später sorgten zunächst Verzögerungen bei den Arbeiten für Unmut – als es dann auch noch kurz vor dem Weihnachtsgeschäft hieß, die Brücke werde nicht, wie geplant, einseitig geöffnet, gingen die Händler erneut auf die Barrikaden.

Ist nun mit der Eröffnung der Brücke alles in Ordnung und vergessen? „Das sollte es nicht sein“, sagt Christian Großmann, Vorsitzender des Werbekreises Nordstadt, der weiß, dass seine Händlerkollegen arg unter der Verkehrsbelastung gelitten haben. Denn es seien im Vorfeld der Arbeiten und während der Brückensperrung zahlreiche Fehler vor allem in der Kommunikation gemacht worden. „Aus diesen sollte man bei kommenden Baustellen lernen und die Abläufe verbessern“, gibt er seiner Hoffnung Ausdruck. Das gelte auch im Zusammenhang mit dem künftigen Verkehrskonzept in der Nordstadt.

Doch nun stehe erst einmal die Freude im Vordergrund, dass die Brücke wieder offen ist, „ich gehe fest davon aus, dass der Stau ab Montag passé ist“, sagt Großmann. Am Samstag während des Eröffnungsfests würde er am liebsten eine Silvesterrakete in den Himmel schicken. „An deren Ende würde ich dann ein langes Band mit den Worten ,Nordstadtstau‘ hängen – und nach dem Abschuss wäre dieser in Rauch aufgegangen.“ 

"Marching Band" wird durch die Oberstadt ziehen

Friedrich „Fiddy“ Bode, Vorsitzender des Werbekreises Oberstadt, ist das jetzt alles egal. „Wir freuen uns einfach über die Wiedereröffnung“, sagt der Inhaber von „Comics, Kitsch und Kunst“. Wie sehr die Oberstadt von der Sperrung beeinträchtigt wurde, kann er pauschal nicht sagen. „Es gibt einzelne Kollegen, die sagen, dass sie sehr ­darunter gelitten haben“, sagt Bode, „aber das kann man nicht verallgemeinern“.

Neben der offiziellen Eröffnung am Samstag haben auch die Oberstädter eine Kleinigkeit geplant. Eine „Marching Band“, sprich eine umherziehende Kapelle, soll die Gäste in der Oberstadt ­begrüßen und von Geschäft zu ­Geschäft wandern, sagt Bode.

Im Vergleich zu Bode findet Peter Ahrens deutlichere Worte. Die Schließung der Brücke habe zu einem erheblichen Verlust der Besucherfrequenz geführt, sagt der Inhaber des Kaufhauses Ahrens. Das bedeute zwar nicht zwangsweise weniger Kunden,­ dennoch „freuen wir uns, dass die Brücke wieder eröffnet wird“, sagt er. Mehr als ein Drittel der Kunden, die mit dem ­Auto zu Ahrens kommen, fuhren laut dem Inhaber in der Vergangenheit über die Weidenhäuser Brücke. Während der Umbauphase mussten sich die Kunden andere, längere Wege suchen.

"Das Warten hatte einen Sinn"

Von weiten Wegen berichtet auch Thomas Klingelhöfer. Wer vom Ortenberg stammt und spontan einen Kaffee in seiner gleichnamigen Konditorei habe trinken wollen, sagt Klingelhöfer, habe „gute Nerven und eine Stunde Zeit“ gebraucht.
„In der Zeit hätte man auch nach Frankfurt in den Palmengarten fahren können“, sagt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Südstadt.

Deshalb freut sich Klingelhöfer nun „gigantisch“. Denn die Südstadt habe nicht nur unter der Sperrung der Weidenhäuser Brücke gelitten, sondern auch unter dem Umbau des Allianzhauses zur „Marburg Mall“. Aber: „Das Warten hatte einen­ Sinn“, sagt Klingelhöfer, der ­sowohl mit dem Ergebnis des Umbaus der Brücke als auch des Einkaufscenters zufrieden ist.

Er selbst findet auch die ­Entscheidung, die Brücke bis zum Schluss voll zu sperren, richtig. „Halbseitige Bauarbeiten hätten nicht funktioniert. Das wäre wie ein Opernball in einer Telefonzelle gewesen“, sagt Klingelhöfer. Einer, der am meisten unter der Sperrung der Weidenhäuser Brücke litt, ist Adrian Sandha, Leiter der gleichnamigen Fotostudios in der Lingelgasse.

Ihm falle „ein großer Stein vom Herzen.“ Während der Bauarbeiten habe er fast keine Laufkundschaft gehabt, sagt Sandha. Das habe er in Gesprächen mit seinen Kunden erfahren. Dass die Brücke noch in diesem Jahr fertig wird, hat Sandha nicht erwartet. „Aber in den letzten zwei Monaten ging es krass schnell“, sagt er. Nun will er den Schwung mitnehmen und mit einer Werbekampagne sein Geschäft wiederbeleben.

von Andreas Schmidt und Tobias Kunz