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Marburg Grüne fordern Planungsstopp für Parkhaus
Marburg Grüne fordern Planungsstopp für Parkhaus
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00:21 24.11.2018
Der Parkplatz an der alten Unibibliothek könnte zu einem zentralen Park- und Umsteigepunkt für die Innenstadt ausgebaut werden. So lautet zumindest ein Antrag der Grünen-Fraktion. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Seit Jahren ist der Ausbau des Oberstadtparkhauses am Pilgrimstein im Gespräch und steht immer wieder in der Kritik. Die Stadt prüft weiterhin die Möglichkeit, die Kapazitäten des Parkhauses in direkter Nachbarschaft zu Oberstadt und Stadthalle um bis zu 100 Parkplätze­ zu erhöhen.

Dies durch einen­ möglichen Anbau in Richtung Norden inklusive Abstellflächen für Fahrräder sowie E-Autos und den anschließenden Bau von Hochhäusern. Verschiedene Initiativen lehnen das ab, kritisieren einen drohenden Eingriff in das Marburger Stadtbild wie eine Ausweitung des innerstädtischen Parkraums als Magnet für weiteren Verkehr.

Auch die Grünen sind dagegen und fordern einen „unverzüglichen Planungsstopp“. Das Vorhaben wurde bereits Ende September in die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich abgelehnt. So auch erneut im Verkehrsausschuss, in dem die Grünen vergangene Woche ihren Antrag wiederholten: „Wir können in der Innenstadt nicht noch mehr Parkraum schaffen und für Autos nicht noch mehr Grün zerstören“, sagte Stadtverordneter Hans-Werner­ Seitz.

Hintergrund

Ein Bündnis aus verschiedenen Marburger Initiativen wendet sich nicht nur gegen eine Aufstockung des Parkhauses, sondern regte zuletzt den ­Abriss des Gebäudes an und zugleich die Verdrängung des gesamten Autoverkehrs aus dem Pilgrimstein. Stattdessen sollten die Parkbereiche an der Wilhelm-Röpke-Straße und ­Erlenring zu einem „zentralen Park­areal“ ausgebaut werden. Etwa­ durch die Errichtung eines Parkdecks, samt Anschluss an die Stadtautobahn, das in Kooperation zwischen Stadt, Philipps-Universität und Land Hessen entstehen solle. Darüber hinaus wurde mehrfach die Forderung laut, dass die Uni ­ihre ­Mitarbeiterparkplätze in der Innenstadt der Allgemeinheit zur ­Verfügung stellen solle.     

Denn: Das Parkhaus sei verkehrstechnisch nicht nur ungünstig gelegen, mehr Parkraum bedeute noch mehr Verkehrsaufkommen als sowieso­ schon durch das Nadelöhr ­
 Pilgrimstein in die Innenstadt fließe. Steigende Lärmbelastung, Emissionen und eine weitere „Verunstaltung“ der historischen Altstadt seien die Folge. Außerdem die Vernichtung eines ­Grünareals, das „sowohl für den innerstädtischen Artenschutz als auch für seine Luftfilterwirkung wichtig ist“, betonen die Grünen. Der Antrag zum Parkhaus-Planungsstopp wurde im Ausschuss abgelehnt.

Als Alternative brachte die Fraktion direkt „einen logischen Folgeantrag“ ein, der das Ziel, Verkehr aus der Innenstadt abzuziehen, auf andere Weise angeht. Den bereits viel diskutierten Ausbau des Parkareals an der alten Universitätsbibliothek. Eine Umnutzung des innenstadtnahen Parkplatzes im Besitz der Uni ist im Zuge des UB-Umzugs seit einiger Zeit im Gespräch.

Die Grünen sprechen sich nun erneut für die Schaffung ­eines Parkdecks mit Anbindung an Innenstadt und Stadtautobahn aus. Neben Parkraum für Besucher wie Pendler solle dies auch unter Einbeziehung des ÖPNV gelingen und eine „verbessernde Anbindung an Bus-, 
Bahn- und Radverkehr durch die Schaffung eines Mobilitätsschnittpunktes und Umsteige­knotens ‚Marburg Mitte‘“, heißt es im Antrag.

Parlament tagt am Freitag

Davon versprechen sich die Grünen eine „verkehrliche Entlastung der Marburger Innenstadt bei gleichbleibend guter Erreichbarkeit des Stadtzentrums.“ Der Magistrat solle beauftragt werden, „Verhandlungen mit der Philipps-Universität, den Stadtwerken und Hessen Mobil wieder aufzunehmen“ und auf die Verantwortlichen einzuwirken.

Zuletzt hatte die Unileitung allerdings deutlich gemacht, den Parkplatz nicht veräußern, sondern selber weiter für die Mitarbeiter nutzen zu wollen. Der Ausbau des Standorts wäre jedoch rechtlich und finanziell „auch ohne einen ­Verkauf der Fläche möglich“, sagt Steitz.

Der Parkplatz-Antrag wurde bei zwei Nein-Stimmen der Linken angenommen und damit zur Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung empfohlen. Das Parlament tagt am Freitag, 23. November, ab 16.30 Uhr.

von Ina Tannert