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Marburg Eine feste Burg kann vieles sein
Marburg Eine feste Burg kann vieles sein
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19:42 03.08.2017
Zahlreiche Besucher kamen zur Vernissage der Fotoausstellung der Blauen Linse unter dem Titel „Eine feste Burg“. Foto: Nadja Schwarzwäller
Zahlreiche Besucher kamen zur Vernissage der Fotoausstellung der Blauen Linse unter dem Titel „Eine feste Burg“. Quelle: Nadja Schwarzwäller
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Marburg

Seit über 20 Jahren gibt es die „Blaue Linse“ inzwischen und knapp 50 Ausstellungen und Mitmach-Aktionen hat der offene Zusammenschluss Fotografie-begeisterter Menschen in dieser Zeit bereits organisiert. Passend zum Luther-Jahr lautet das Thema der aktuellen Ausstellung im Marburger Rathaus „Eine feste Burg“. Dass allen Beteiligten ein Motto vorgegeben wird, hat zur Folge, dass sich jeder auch einmal mit Dingen auseinandersetzt, mit denen er sich sonst vielleicht eben nicht auseinandergesetzt hätte, erklärt Heike Heuser von der „Blauen Linse“.

Wie unterschiedlich die Herangehensweise der einzelnen Fotografen ist, wird buchstäblich auf den ersten Blick auf die Formate, Motive und Stile deutlich. Inszeniertes und „Um-die-Ecke-Gedachtes“ ist ebenso vorhanden wie ein dokumentarischer Ansatz oder digitale Montage. Erhard Dettmering beispielsweise nähert sich dem Thema quasi traditionell: Er hat verschiedene Burgen, darunter das Marburger Landgrafenschloss oder die Burg Gleiberg, fotografiert. Immer mit im Bild: der kleine Lego-Luther.

Auch das neueste Mitglied der Gruppe, Benjamin Jay Müller-Suiter, hat sich für ein klassisches Motiv entschieden, nämlich die Mellnauer Burg. Und das auch klassisch in Szene gesetzt, nur mit natürlichem Licht. Reinhard Keller hat ein Dorf beim Ausgraben „seiner“ Burg, beziehungsweise den Überresten der Burg Densberg, fotografisch begleitet und natürlich darf auch „DIE“ Burg schlechthin in Bezug auf Luther nicht fehlen: Thomas Kämpchen ist zur Wartburg gereist und hat „Luthers feste Burg ganz konkret“ abgelichtet.

„Instakrempel – alles verluthert“

Gudrun Niessner-Wild hat nur einen Buchstaben im Titel weggelassen und ist damit beim „festen Bug“ gelandet. Ihre Fotos von Schiffen haben mit deren Symbolik ebenfalls einen christlichen Bezug und bringen einen ganz neuen Aspekt ins Thema. Noch weiter gefasst hat zum Beispiel Heike Heuser das Thema. Sie zeigt Menschen in ihren „kleinen Burgen“ – in Momenten der Ruhe und „des-ganz-bei-sich-Seins“; zum Beispiel einen kleinen Jungen, der direkt neben einer Bühne ganz versunken in sein Buch ist.

Auch Armin Bender spielt mit einem übertragenen Sinn. Seine Fotos wie die „eigene Faust“ beim Boxen oder die „Elternhand“, die ein Kind herumwirbelt, sind Symbole für die feste Burg als etwas, auf das man vertraut.

Ganz konkret wird es wieder bei Friedemann Korflür, der Zäune, Tore und Mauern fotografiert hat, mit denen Menschen ihr Eigenheim zur „festen Burg“ zu machen versuchen. Ebenfalls in der Moderne angesiedelt ist Susanne Sakers Arbeit: Unter dem Motto „Instakrempel – alles verluthert“ hat sie Merchandising-Artikel zum Themenjahr fotografiert, und das bewusst im Stile des Online-Dienstes „Instagram“.

Bürgermeister Dr. Franz Kahle eröffnete die Ausstellung, ­eine inhaltliche Einführung gab es von Dekan Burkhard zur Nieden, der betonte, dass die Offenheit der Aussage größer sei als das, was die Fotografen selber in ihren Bildern sehen.

  • „Eine feste Burg“ ist bis zum 11. August im Erdgeschoss des Rathauses zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12.30 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr.

von Nadja Schwarzwäller