Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Der beste Standort für ein Bild vom Schloss
Marburg Der beste Standort für ein Bild vom Schloss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:23 17.08.2020
Der Fotograf Leon Pozzi will das Unternehmen „mapture“ gründen. Quelle: Manfred Hitzeroth
Anzeige
Marburg

Leon Pozzis Begeisterung für das Fotografieren wurde bei einem dreimonatigen USA-Aufenthalt nach dem Abitur vor zehn Jahren geweckt. Sein Trip führte ihn durch das ganze Land von Florida bis Kalifornien.

Mit der Kamera, die ihm seine Mutter zum Abi geschenkt hatte, schoss er rund 14.000 Fotos. Seine Motive waren vor allem die spektakulären Landschaften und Skylines.

Anzeige

Aus dem Hobby ist mittlerweile ein Beruf geworden: Nach seinem Geographie-Studium ist der 28-jährige Marburger bereits seit drei Jahren als Berufsfotograf tätig, der alles von Familienfeiern und Hochzeiten bis hin zu Firmenprospekten fotografisch in Szene setzt. Zusätzlich ist er aber immer noch an der Marburger Universität eingeschrieben, und zwar für Wirtschaftsinformatik.

Seit dem Corona-Lockdown verfolgt Leon Pozzi aber nun eine ganz neue Idee, mit der er zusammen mit zwei weiteren Studierenden nun auch im Rennen um den Hessischen Gründerpreis ist. Die Rede ist von dem Projekt „mapture“, das eine Plattform zum Teilen und Finden der besten Foto-Locations werden soll.

Lange Suche nach perfekter Location

Diese Plattform soll sich an alle Foto-Enthusiasten in Deutschland richten, egal ob sie zu den 30.000 Profi-Fotografen gehören oder nicht. „Wir glauben, dass jeder tolle Locations in seiner Umgebung kennt, die er gerne mit Freunden oder der Welt teilen möchte“, meint Pozzi. Doch bisher gebe es dafür keine unkomplizierte und für jeden zugängliche Möglichkeit, betont der Marburger. „Eine Plattform für alle: Das hätte viele Vorteile“.

Denn aktuell müssten Fotografen immer noch viel Energie und Zeit aufwenden, um interessante Orte zum Fotografieren zu finden. Selbst vor der eigenen Haustür seien auch Profi-Fotografen bisweilen auf Hinweise angewiesen, wenn sie außergewöhnliche Orte suchen.

Das ging Leon Pozzi selber so, als er vor einiger Zeit den optimalen Hintergrund für ein Shooting mit einem Model in Marburg suchte, bei dem der städtische Charakter (urban style) im Mittelpunkt stehen sollte. Es begann eine zeitaufwendige Suche, die letztlich vor allem aufgrund persönlicher Tipps zu zwei Orten – dem Erlenring-Parkhaus und der Stadthalle – führte.

Collage von Fotos aus Marburg. Quelle: Leon Pozzi

Manchmal steht zwar im Prinzip der Ort fest, der fotografiert werden soll, allerdings nicht der Standpunkt des Fotografen. Wie beim Marburger Landgrafenschloss, dem wohl meist fotografierten Marburger Bildmotiv, das fast von der ganzen Stadt aus irgendwie sichtbar ist. Doch häufig wird es im Kameraauge doch entweder von einem Gebäude oder einem Baum halb verdeckt, oder man ist einfach zu nah dran.

Das sind Leon Pozzis zwei exklusive Standort-Tipps für ein tolles Schloss-Bild: von der Konrad-Adenauer-Brücke aus oder von der Carl-Strehl-Straße etwas oberhalb der Weintrautstaße. Von beiden Standorten sollte aber schon mit einem „langen“, leistungsstarken Objektiv fotografiert werden.

Besonders begeistert ist Pozzi vom Standort Carl-Strehl-Straße. Das dabei entstandene Foto (siehe Bild unten) kann mit einer harmonischen grünen Umrahmung punkten, und man sieht auch noch weitere charakteristische Gebäude Marburgs wie die Alte Universität, die Lutherische Pfarrkirche und das Rathaus.

Eine Kombination aus Web und App

Der Service in der neuen Plattform soll sich aber nicht nur darin erschöpfen, die mit GPS-Koordinaten versehenen genauen Standorte sowie Informationen über die beste Jahres- und Tageszeit zum Fotografieren zu verraten. Auch Tipps und Tricks für die Entstehung des besten Fotos wie zur notwendigen Kamera und dem Zubehör für jede Location sollen geliefert werden.

Der Clou an der „mapture“-Idee, die sie zumindest aus Sicht des jungen Start-up-Unternehmers einmalig macht: Sie soll in einer Kombination aus App und Webseite sowohl die jüngere Smartphone-Generation als auch die eher „konservativen“ Fotografen, die mit dem größeren Tablet auf Foto-Safari gehen, ins Boot holen.

Das Marburger Schloss von der Carl-Strehl-Straße aus fotografiert. Quelle: Leon Pozzi

Zum Team von Pozzi gehören die Marburger BWL-Studentin Lisa-Marie Wehmeier als Marketing-Frau sowie Timon Aldenhoff, der für Programmierung und Webdesign zuständige Koblenzer Student der Computervisualistik. Damit die „mapture“-Idee auch deutschlandweit funktioniert, ist Pozzis Team natürlich auf möglichst professionelle Mithilfe aus vielen Regionen angewiesen, wobei er nicht nur auf Input von Profi-Fotografen baut.

Derzeit wird jedenfalls eine „Beta-Version“ erstellt. Das heißt, dass die ersten Informationen fleißig gesammelt werden. Für die Beiträger soll es je nach Status in abgestufter Form Anreize in Form von Gutscheinen für Foto-Zubehör oder Rabatte für Hotels und Ähnliches geben. Das Interesse für die Idee hat Pozzi nach eigenen Angaben schon bei vielen der angeschriebenen Fotografen erzielt. Dabei müssten sie natürlich nicht alle „Berufsgeheimnisse“ teilen. „Gewisse Locations sollen privat bleiben, oder weiter nur mit Freunden oder Followern geteilt werden“, meint Pozzi.

Neugierde auf schöne, wenig bekannte Plätze

Weil „mapture“ nach dem angestrebten Start im kommenden Jahr möglichst kostenlos für alle zugänglich werden soll, hofft Leon Pozzi auf Finanzierungsquellen aus der Fotozubehör-Industrie, für die die Klientel der Plattform werbemäßig interessant sein könnte. Aber auch eine Unterstützung durch regionale Tourismus-Gesellschaften hält er für denkbar.

Schließlich könne „mapture“ auch dazu beitragen, den zur Zeit viel diskutierten Run auf besonders begehrte Foto-Objekte etwas zu reduzieren und die Neugier der Fotofreunde auch auf weniger bekannte, aber nichtsdestotrotz motivmäßig interessante Stätten und Regionen zu lenken. So sei ja nicht nur das Schloss Neuschwanstein für die Schlösser- und Burgenfans spannend, und Kirschblüten-Fotos könnten im Frühjahr nicht nur am fotografischen Hot Spot in Bonn, sondern auch beispielsweise in Marburg oder Göttingen gemacht werden.

Gründerpreis

Für den Wettbewerb um den Hessischen Gründerpreis sind bereits mehr als 100 Bewerbungen eingegangen. Aus allen bis zum 17. August eingegangenen Bewerbungen erreichen zwölf Unternehmen je Kategorie („Innovative Geschäftsidee“, „Zukunftsfähige Nachfolge“, „Gesellschaftliche Wirkung“ sowie „Gründungen aus der Hochschule“) das Halbfinale.

Am 27. November findet dann das Finale in Kassel statt. Gewinnen können Teilnehmer einen professionellen Unternehmensfilm, Netzwerkkontakte und Trainings. Auch Leon Pozzi hat sich für den Preis beworben. Weitere Infos zu dem Projekt und der Beta-App gibt es durch das Eintragen einer Mail auf der Webseite www.mapture.de oder man kann auf Instagram folgen (unter @mapture_de).

Von Manfred Hitzeroth

Marburg Vier Stunden Kultur Nonstop - Ein kleines Festival am Franz-Tuczek-Weg
16.08.2020
16.08.2020