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Marburg Erzieherin übt Kritik: Körperkontakt ist alles
Marburg Erzieherin übt Kritik: Körperkontakt ist alles
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19:00 13.06.2020
Körperkontakt ist in der Kinderbetreuung wichtig. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Auf die eine Kita-Verordnung beziehungsweise Lockerung folgt die nächste, dem Shutdown der eingeschränkte Regelbetrieb, ab dem 6. Juli nun die komplette Öffnung. Sofern es denn genügend Raum und Personal gibt. Die Hygienevorgaben bleiben bestehen.

Mangel an Raum und Mitarbeitern ist die eine Sache, mangelnde Wertschätzung die andere. Erzieher sehen sich überall mit den Corona-Verordnungen konfrontiert – Maskenpflicht, Abstand halten, bloß nicht anfassen – diese lassen sich in Kitas aber kaum umsetzen. Hygiene, Händewaschen, klar, das kann auch Kindern vermittelt werden. Abstand halten? Wohl kaum. „Das ist unmöglich und das will auch niemand, Körperkontakt ist in unserem Beruf alles“, sagt eine Erzieherin aus Marburg, die anonym bleiben möchte. Also kein Abstand.

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Gruppen- und Raumzuordnungen für Kinder

Weder das Land noch Kommunen gehen davon aus, dass kleine Kinder sich diszipliniert an Abstandsregeln halten. Somit gibt es im eingeschränkten Regelbetrieb Gruppen- oder Raumzuordnungen, Eltern sollen ihre Kinder möglichst vor der Kita übergeben und andere Vorkehrungen. Kinder werden getrennt, in Betreuungsarten unterteilt, sollen dennoch möglichst feste Bezugspersonen haben.

Was ist mit Masken als Schutz? Die fallen für das Personal ebenso weg. Wo allerorts Menschen mit Masken arbeiten, Geschäfte und Behörden nur so betreten werden dürfen, sieht das in Kitas anders aus. Eine Maske mitten in der Kindergruppe tragen? Das machen wohl die wenigsten, das würde das Verhältnis zum Kind massiv stören, gar Angst machen: „Niemals möchte ich mit Maske auf ein Kind zugehen“, sagt sie.

Öffentliche Wertschätzung wird vermisst

Sicherheitsvorkehrungen, an die sich die halbe Welt bereits gewöhnt hat, sind nicht umsetzbar bei der Arbeit mit Kindern. Für Erzieher steigt damit automatisch das Ansteckungsrisiko, auch für jene aus einer Risikogruppe, von denen so einige aus Liebe zum Beruf und zu den Kindern nicht zu Hause bleiben, sondern eben weiterarbeiten, auch weil es andernfalls eng werden kann mit dem Personal. Dass man als Erzieher anders als zahlreiche andere Branchen regulär weitermacht, nimmt ein ganzer Berufszweig auch so hin, und wird von außen quasi vorausgesetzt, „es wird ja einfach erwartet“. Eben das stoße vielen Erziehern bitter auf, die sich in diese Rolle gedrängt sehen, sie ja auch annehmen, aber eben eine öffentliche Wertschätzung für ihren Beruf vermissen, an der es lange vor Corona bereits mangelte.

Mit Corona bleibe auch noch die pädagogische Facharbeit auf der Strecke. All das auszuhalten, zu händeln, zu organisieren, ist bereits eine Mammutaufgabe. Bleibt abzuwarten, wie das dann im regulären Betrieb mit weiter geltenden Hygieneregeln noch einzuhalten ist.

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Von Ina Tannert

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