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Marburg „Charlie Watts war mein Vorbild“
Marburg „Charlie Watts war mein Vorbild“
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10:58 26.08.2021
Charlie Watts, Schlagzeuger der Rolling Stones, ist im Alter von 80 Jahren gestorben.
Charlie Watts, Schlagzeuger der Rolling Stones, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Quelle: Jane Barlow/PA Wire/dpa
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Marburg

Der Tod des „Rolling Stones“-Drummers Charlie Watts hat den Marburger Schlagzeuger Werner Etling traurig gemacht. Wie viele andere bekam er die Nachricht über den Tod der Rock-Legende im Alter von 80 Jahren am Dienstag am Fernseher mit. Anders als bei anderen ist seine Beziehung zu Charlie Watts und seinem künstlerischen Schaffen als Schlagzeuger sehr speziell. „Charlie Watts war mein Vorbild“, erzählt Werner Etling im Gespräch mit der OP. Und so lernte er auch sein erstes Stück auf dem Schlagzeug beim Abhören von „Get off of my cloud“ auf einer der ersten von ihm gekauften Platten. „Das habe ich als Junge zu Hause auf Pappkartons nachgetrommelt“, erzählt Etling.

Aufmüpfiger als die Beatles

Er hörte sich den Song der „Stones“ so lange an, bis er den Schlagzeugpart nachspielen konnte. Ein Prinzip, das er auch später beim Lernen von Rocksongs anwandte. Mit 12 Jahren fing Etling an zu trommeln. Mit dem Konfirmations-Geld kaufte er sich sein erstes Schlagzeug. Und im Jahr 1967 folgte dann im Alter von 14 Jahren der erste Auftritt mit seiner ersten Band. „Wir übten damals im Philipps-Haus“, erinnert sich Werner Etling.

Von Anfang an waren es immer wieder auch Coverversionen von „Stones“-Stücken, die Etling mit seinen Bandkollegen spielte. Und auch Jahrzehnte später mit den „Midnight Ramblers“ machte es ihm Spaß, Stones-Songs auf der Bühne vorzutragen.

„Die Stones waren nicht so angepasst und etwas aufmüpfiger als die Beatles“, meint der Marburger Musiker. Dabei sei es ihm eigentlich ein Rätsel, wieso die britische Band um Mick Jagger und Keith Richards über Jahrzehnte weltweit so erfolgreich gewesen sei, obwohl sie im Grunde immer das Gleiche gespielt habe.

Besonders begeistert war Werner Etling jedenfalls vor allem vom Gentleman-Drummer Charlie Watts. „Er war der ruhende Pol in der Band“, meint Etling. Watts habe mit seinem toughen Grundrhythmus das Fundament für die Musik der „Rolling Stones“ gelegt. Dabei hätte der ursprünglich aus dem Jazz kommende Schlagzeuger viel mehr gekonnt, aber er habe auf großartige Drumsolos verzichtet und sich auf das Wesentliche beschränkt. Dabei habe er präzise wie eine Maschine gespielt und für einen hohen Wiedererkennungswert der Songs gesorgt. Das hat dem Marburger Drummer immer besonders imponiert.

Aber auch dessen Kleiderwahl bei Auftritten fand er nachahmenswert. „Charlie hatte immer einen Anzug und eine Krawatte an. Er war cool, aber immer bescheiden“, meint Werner Etling.

Das Ende der Rolling Stones ist eingeläutet

Es sei fast ein wenig verwunderlich, dass Watts jetzt vor Keith Richards und Mick Jagger gestorben sei, weil er doch vergleichsweise asketischer gelebt habe. Mit dem Tod von Charlie Watts sei aber wohl das Ende der Stones endgültig eingeläutet, findet der Marburger Musiker. Denn auch wenn schon vor dem Tod aufgrund der schweren Krankheit für die anstehende Tour ein neuer Drummer als Ersatz für Watts verpflichtet worden sei, sei das jetzt nicht mehr dasselbe wie vorher.

Übrigens stünde für den Fall, dass das bei den Stones mit dem neuen Drummer nicht so richtig klappt, Werner Etling als Alternative bereit. Die Songs hat er jedenfalls drauf. Und das passende Bühnen-Outfit hängt noch im Kleiderschrank. Und Marburger Musikfans können bezeugen, dass er mit seiner Spielweise und Bühnenpräsenz in puncto Lässigkeit seinem Idol kaum nachsteht.

Die Nachricht vom Tod von Charlie Watts machte natürlich auch sonst in der heimischen Rockszene die Runde, so auch im Ostkreis. Ein Stones-Fan ist Werner Eismann wie er offen bekennt, nie gewesen. Gleichwohl zollt er der legendären Band für ihre Leistungen über Jahrzehnte größten Respekt. Dieser Respekt gilt aber ganz besonders dem Menschen Charlie Watts. „Wenn ich es mir einmal hätte aussuchen dürfen, ob ich mit Mick Jagger oder Charlie Watts ein Konzert mache, dann hätte ich immer Charlie Watts gewählt“, sagt Eismann.

Er sei über dessen Tod sehr traurig, er stimme ihn nachdenklich. Watts sei für ihn innerhalb der Stones immer der „Gentleman-Typ“ gewesen, ein Menschenschlag, den er in der Musikszene am meisten schätze. Ein unaufdringlicher, beständiger Mensch eben.

Von Manfred Hitzeroth und Michael Rinde

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