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Marburg Marburger Cineplex will am 11. Juni starten
Marburg Marburger Cineplex will am 11. Juni starten
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19:58 27.05.2020
Das Foto vom 22. Mai zeigt ein Kino in Dresden: Wenige Besucher sitzen in einem Saal im Kino Ufa-Kristallpalast. Als erstes großes Kino in der Stadt durfte der Ufa-Palast nach dem Corona-Lockdown wieder öffnen. Quelle: Foto: Robert Michael/dpa
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Marburg

Nach wochenlangen Schließungen haben die ersten Kinos wieder geöffnet. Die Marburger Kinobetreiberin Marion Closmann will am 11. Juni starten. Dies teilte sie gestern der OP mit. Dabei wird sich einiges verändern – die Besucher müssen sich bundesweit an eine neue Normalität gewöhnen.

In Marburg soll vorsichtig gestartet werden. Die ersten beiden Wochen ist das Cineplex nur Freitag, Samstag und Sonntag offen für jeweils acht Vorstellungen in den Sälen 4 bis 7 – also den oberen beiden Etagen. „Wir schauen von da aus weiter, wie die Situation aussieht.“

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Derzeit ist Marion Closmann in Gesprächen mit dem Ordnungs- und dem Gesundheitsamt, denn die Hygiene- und Abstandsregeln müssen in Corona-Zeiten eingehalten werden. Es geht unter anderem um Belegungspläne der Säle, darum, wie man Kontakte verhindern kann.

Bislang musste man sich über einen Kinobesuch nicht wirklich viele Gedanken machen. Nun aber verändert die Corona-Pandemie auch unsere Zeit im Kino.

Bundesweit haben die ersten Lichtspielhäuser schon wieder geöffnet, darunter einige in Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein. Kürzlich folgten Kinos in Mecklenburg-Vorpommern, und Rheinland-Pfalz, am Donnerstag dann in Sachsen-Anhalt. Für Samstag ist die Wiederöffnung in Nordrhein-Westfalens Kinos geplant. Wie aber sieht so ein Kinobesuch künftig aus?

Tickets

Zum Kino gehen, sich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der Kasse den Saalplan zeigen lassen und in Ruhe überlegen, wo man sitzen möchte: Das gehört wohl erst einmal der Vergangenheit an. Stattdessen bitten die Kinos ihre Kunden darum, die Karten online zu kaufen. Auch in den Kinos selbst soll es möglichst wenige Interaktionen geben. Die Computeranlage der Cineplex-Gruppe wird derzeit für Corona-Abstandsregeln programmiert.

Marion Closmann appelliert an Besucher, Karten möglichst online zu kaufen. Wie in Gaststätten müssen auch in Kinos künftig die Besucher namentlich erfasst werden, um eventuelle Ansteckungswege nachvollziehen zu können.

Wunschplätze

Am Rand, in der Mitte oder der letzten Reihe? Viele haben Lieblingsplätze, auf die sie sich im Kino gern setzen. Um allerdings die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten, werden nicht alle Sitze im Saal verfügbar sein. Paare, Freunde oder Familien dürfen bei gemeinsamer Buchung zwar nebeneinandersitzen, allerdings müssen dann nach derzeitigen Regeln 1,5 Meter Abstand zu den nächsten Besuchern eingehalten werden. Das bedeutet, dass mehrere Plätze neben, vor und hinter einem frei bleiben und nicht von anderen Gästen belegt werden dürfen.

Wie die Kinos das bei Buchungen genau regeln, ist noch nicht überall geklärt. „Zwischen den Sitzen, die als Zweier-Blöcke online buchbar sind, sind entsprechende Sitzplätze für den geforderten Abstand blockiert und bleiben frei“, betont etwa Frank Thomsen, Geschäftsführer der Kinokette Cinemaxx. Nach Angaben von Christine Berg vom Vorstand HDF Kino könnten Kartensysteme möglicherweise auch so verändert werden, dass das System bei einer Buchung die umliegenden Plätze blockt. Dies könnte eine flexiblere Platzwahl ermöglichen.

Die Kinos hoffen, dass sich diese Abstandsregeln noch einmal verändern werden. Denn wenn es bei 1,5 Metern Abstand bleibt, kann ein Saal nach Angaben der Verbände HDF Kino und AG Kino maximal zu 20 oder 25 Prozent ausgelastet werden. Die Mehrzahl der Plätze bleibt leer: „Wenn zwei Plätze belegt sind, müssen 12 frei bleiben“, sagt Berg. Laut Christian Bräuer von der AG Kino wäre schon ein Meter Abstand – wie in Österreich – eine Verbesserung, weil dann immerhin jede Reihe besetzt werden könnte. „Dann wäre ein Schachbrettsystem denkbar, bei dem zwar jede Reihe, die Plätze aber versetzt und nicht direkt hintereinander belegt werden.“

Nervennahrung

Zu den Traditionen eines Kinobesuchs gehören für viele überbackene Nachos oder Popcorn, während andere mit einem Bier oder Prosecco anstoßen. Darauf darf man sich auch weiterhin freuen. Denn an den Bars und Theken der Kinos soll es wie gehabt Getränke und Snacks zu kaufen geben. Allerdings wird es wegen der Hygienevorschriften ähnlich wie in Supermärkten und anderen Geschäften etwas anders sein als bisher. Das bedeutet in den meisten Fällen: Mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz anstehen und bestellen. Dabei werden die Mitarbeiter oft hinter einer Plexiglasscheibe stehen.

Gang zur Toilette

„Entschuldigung, darf ich mal kurz vorbei?“ Bisher drängelte man sich an den anderen Gästen in der Reihe vorbei, wenn man zur Toilette wollte. Nun wird es deutlich weniger Gäste in derselben Reihe geben – wenn überhaupt. Die Toiletten können zwar weiterhin benutzt werden. Allerdings muss man sich dann beim Verlassen des Platzes meist den Mund-Nasen-Schutz aufsetzen.

Masken

Ob man auch während des Films die Gesichtsmaske tragen muss, ist laut Berg noch nicht in allen Bundesländern klar geregelt. Im Cineplex wird Maskenpflicht beim Ein- und Auslass in die Kinosäle sowie bei Toilettenbesuchen während der Vorstellungen gelten, auf den zugewiesenen Plätzen darf die Maske abgenommen werden.“ Sollte es lokal jedoch eine gesetzliche Maskenpflicht für den gesamten Kinobesuch geben – auch während der Vorstellung – würde das natürlich auch im Cineplex gelten.

Kinopläne in Marburg

Das Autokino in Marburg wird nach Auskunft von Marion Closmann bis mindestens 30. Juni in Betrieb bleiben. Das Capitol-Center in der Biegenstraße soll Ende Juli wieder eröffnet werden. „Wir werden uns die Erfahrungen, die wir im Cineplex machen, genau anschauen.“ Geht es nach Marion Closmann „wird es, wenn die Behörden mitspielen, auf jeden Fall ein Open-Air-Kino auf der Schlossparkbühne geben“. Dort seien die Abstands- und Hygieneregeln gut einzuhalten. „Ich wünsche mir, dass wir in Marburg alle auf einen guten Weg kommen, dass die Gäste wie bisher die Angebote in der Kulturszene und der Gastronomie nutzen und nicht die Hälfte auf der Strecke bleibt“, sagte Marion Closmann der OP.

Von Uwe Badouin und Aliki Nassoufis

27.05.2020
27.05.2020
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