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Marburg Marburger Chöre: „Wir singen wieder“
Marburg Marburger Chöre: „Wir singen wieder“
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15:11 18.06.2021
Das Marburger „Chöre Kultur Haus“ im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus in der Georg-Voigt-Straße erweitert die Probemöglichkeiten in Marburg. Rund 20 Chöre und Ensembles wollen das jetzt offiziell eröffnete Haus nutzen.
Das Marburger „Chöre Kultur Haus“ im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus in der Georg-Voigt-Straße erweitert die Probemöglichkeiten in Marburg. Rund 20 Chöre und Ensembles wollen das jetzt offiziell eröffnete Haus nutzen. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Nach monatelanger Corona-bedingter Pause ist es aus Sicht vieler Marburger Sängerinnen und Sänger seit dieser Woche endlich so weit: Das Marburger „Chöre Kultur Haus“ hat seine Türen geöffnet und bietet nun Raum für das gemeinsame Singen. Fast 20 Chöre und Ensembles finden im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus Ost in der Georg-Voigt-Straße ein Umfeld für ihre Proben. Im Sommer sollen Workshops für alle folgen, die singen möchten. Und im Internet nimmt eine Spendensammlung für das „Chöre Kultur Haus“ Fahrt auf.

Angemietet wurde das Haus bereits im Dezember vergangenen Jahres. Die Mittel dafür kamen aus dem Programm „Marburg Miteinander“. Geprobt wurde dort allerdings noch nicht oder nur erheblich eingeschränkt – die Pandemie-Bedingungen ließen dies bislang nicht zu. Der Mietvertrag wäre eigentlich im Sommer ausgelaufen, wurde aber jetzt erst einmal bis Ende des Jahres verlängert.

Angebot für Proben seit Dienstag

Der Arbeitskreis Chöre und Corona hatte nun am Dienstag zur Eröffnung des Hauses eingeladen, das in den nächsten Monaten vielen Chören bei ihrer Rückkehr ins musikalische Leben eine Probenmöglichkeit bieten wird. Als eine der ersten Gruppen, die den Raum nutzen, sang bei der Eröffnung zur Einstimmung der VHS-Chor „Haste Töne“ einen von der Dirigentin verfassten Kanon, dem sich bald auch die Gästerunde im Hof anschloss.

Als Sprecherin des Arbeitskreises blickte Almuth Westecker kurz auf die harte Zeit für Chöre während der Pandemie zurück: „Das gemeinsame Singen, das musikalische Wirken im Chor ist für die Sängerinnen und Sänger, ebenso wie für ihr Publikum, ein Lebensmittel – es gehört zum Menschsein, dass wir singen und unsere Stimmen hören.“ Der Wegfall dieser Kunstform, ja, ihre Wirkung als virenbelasteter Atem sei ein Schock gewesen. Bei vielen Sängerinnen und Sängern sei „plötzlich eine Quelle für Freude und kreative Energie versiegt, was große Trauer auslöste“. Umso wichtiger sei es gewesen, sich nicht lähmen zu lassen. Bereits im August 2020, nach einem Treffen von über 30 Chören in der Lutherischen Pfarrkirche, begann die ehrenamtliche Arbeit für das Projekt „Chöre Kultur Haus“. „Es ist insbesondere dem Interesse und der Unterstützung seitens der Stadt Marburg zu verdanken, dass wir endlich wieder proben können“, sagte Almuth Westecker in Gegenwart von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

Spies lobt beispielhaftes Bürgerengagement

Dieser lobte das Projekt im Grußwort als beispielhaftes Bürgerengagement: „Diese Gruppe hat einfach angefangen und ihr Projekt selbstständig auf die Beine gestellt.“ Dafür gebe man gerne den städtischen Zuschuss, denn die nachhaltige Förderung der Chöre sei in einer an kulturellem Programm so reichen Stadt wie Marburg nur folgerichtig. Eugen Anderer wies als Leiter der Musikschule Marburg – die als organisatorischer Träger des Chöre-Hauses fungiert – auf das Netzwerk der Chöre hin. Sie hätten sich in der Pandemie zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Interessen zu vertreten. Dies könne als positives „Erbe“ der Corona-Zeit ein Zukunftsmodell werden und auch im Marburger Stadtjubiläum 2022 gemeinsame Auftritte ermöglichen.

Zur Schlüsselübergabe gab es dann für den Oberbürgermeister einen großen Notenschlüssel und für die Chöre die dazu passenden Notenschlüsselanhänger. Monika Holzhausen überreichte die von ihr selbst gefertigten Accessoires, und Lotte Breuer konnte als Koordinatorin des Hauses endlich die Türen öffnen.

In den nächsten Wochen und Monaten bis mindestens zum Ende des Jahres finden in dem Haus etwa zwanzig Gruppen einen geeigneten Probenraum, der groß genug und gut zu lüften ist. Zusätzlich sorgen professionelle Luftfiltergeräte und ein ausgeklügeltes Hygienekonzept für Sicherheit.

Viele wollen kreativ arbeiten

Das Spektrum der Nutzer reicht von Canticum Antiquum über Politöne und Hessen Vokal bis zum Marburger Chor 1949 e. V., Kirchenchor Cappel und Klaudy Days. Auch das Hessische Landestheater, der Chor Aqueerious, Biodanza, die Shanty Tafel und weitere wollen im Chöre Kultur Haus kreativ arbeiten.

Haus ist in den Sommerferien auch für Workshops offen

In den Sommerferien ist das Haus auch für Workshops offen – dann können dort Marburger Chorleiterinnen und -leiter zum Mitmachen einladen. Für viele unterschiedliche Niveaus und Interessen soll das Haus den passenden Raum bieten, um noch mehr Aktive für das gemeinsame Singen zu gewinnen. Interessierte Chorpädagogen sind eingeladen, sich zu melden.

Um all dies weiterhin finanzieren zu können, läuft im Internet bereits eine Spendenaktion per Crowdfunding bei „Startnext“ – der gemeinsame Gesang zum Abschluss der Eröffnungsfeier galt auch dem Aufruf, hier mitzumachen.

Informationen per E-Mail: choerekulturhaus-mr@gmx.de

Von unseren Redakteuren