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Marburg Marburger Busfahrer komponieren eigenen Song
Marburg Marburger Busfahrer komponieren eigenen Song
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08:00 08.02.2022
Geboostert, getestet und nur für einen kurzen Moment ohne Maske in einem leeren Bus auf dem Betriebshof: Timo Finsterbusch (links) und Raphael Li haben einen Song für die Marburger Verkehrsgesellschaft komponiert.
Geboostert, getestet und nur für einen kurzen Moment ohne Maske in einem leeren Bus auf dem Betriebshof: Timo Finsterbusch (links) und Raphael Li haben einen Song für die Marburger Verkehrsgesellschaft komponiert. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Sie heißen Jürgen, Hubi und Ralf. Sie kommen aus Minden, Rüsselsheim und Berlin und das Internet ist voll von ihnen. 176 000 Einträge findet eine der bekanntesten Suchmaschinen unter dem Stichwort „singender Busfahrer“. Ein Busfahrer aus Marburg findet sich zwar (noch) nicht unter den ersten Einträgen. Ein Mitarbeiter der Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG) gehört aber seit kurzem ebenfalls zur Riege der gute Laune verbreitenden Großraum-Chauffeure à la Jürgen, Hubi und Ralf: Toni.

Toni Stein heißt im richtigen Leben Timo Finsterbusch und ist Verkehrsmeister bei der MVG. Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Busfahrer Raphael Li – alias DJ Raphsix –, hat Finsterbusch ein Lied mit dem Titel „Wir sind die MVG“ inklusive Musikvideo veröffentlicht. Li lieferte die Musik und das komplette Arrangement. Schlagerfan und Hobbymusiker Finsterbusch steuerte seine Stimme bei. Der Text „hat sich so entwickelt“, sagt Frank Morczinek, Betriebsratsvorsitzender und die treibende Kraft hinter dem MVG-Song.

„Unser Musikvideo ist eigentlich auf Anregung der Berliner Verkehrsgesellschaft entstanden, wo Busfahrerinnen tanzend durch den Bus marschiert sind. Ich dachte mir: Das können wir auch. Und das können wir besser.“ Tänzerisch haben es die rund 160 Marburger Busfahrer anscheinend nicht so drauf, denn im Endeffekt entstand ein Song mit eigenem Text und eigener Musik – aber ganz ohne Tanzeinlagen. „Ich wusste ja, dass wir Musikprofis unter uns haben. Für den Text hat jeder, der eine Idee hatte, etwas beigesteuert. Am Ende haben wir dann das beste genommen“, erklärt Morczinek. Für die Musik habe man sich dann ganz auf Raphael Li als gelernten Toningenieur mit eigenem Tonstudio verlassen.

MVG-Geschäftsführer Jürgen Wiegand, der selbst auch mal gern zur Gitarre greift, aber niemanden mit seinem Gesangstalent zu nahe treten will, ist begeistert von seinen Mitarbeitern. „Ich bin glücklich, so engagierte Fahrer zu haben, die eigeninitiativ und mit viel Herz einen Song für uns (Anm. die MVG) machen.“

„Es gibt zwar fast in jeder Stadt einen singenden Busfahrer. Aber ich hab das bis jetzt noch nicht gemacht“, sagt Finsterbusch und meint damit lautstark und live vor Fahrgästen ein Liedchen zu trällern. Zudem fährt Finsterbusch eigentlich nur selten Bus. Als Verkehrsmeister ist er mehr für die Organisation im Hintergrund verantwortlich. Seine Stimme hören Fahrgäste eigentlich nicht. Nur seine Kollegen per Funk und Telefon – und da singt er in der Regel nicht.

„Unser Song hat eine sehr eingängige Melodie mit Ohrwurmcharakter“, beschreibt Finsterbusch das Lied, welches in Sachen Komposition eigentlich sehr einfach gewesen sei. Schwierigkeiten seien nicht aufgetreten. Bis auf vielleicht der Umstand, dass wegen Corona ein gemeinsames arbeiten mit Raphael im Studio nicht möglich war. „Wir haben jeder zu Hause gearbeitet und Gesang und Melodie online ausgetauscht“, erklärt Li.

Bisher habe man nur positive Resonanz auf das Lied bekommen, sagt Morczinek. Ein Grund mehr für die MVG, sich nicht auf dem ersten Erfolg auszuruhen. „Das ist auf keinen Fall das letzte Projekt. Da wird noch was kommen, auch für die Firma“, kündigt Finsterbusch an.

Von Tobias Hirsch