Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Klima-Plan: Die Bürger sollen es richten
Marburg Klima-Plan: Die Bürger sollen es richten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:05 07.11.2019
Kernbestandteil des im Sommer – vor allem wegen des Demonstrations-Drucks der „Fridays-for-future“-Bewegung – beschlossenen Klimanotstands ist die Erstellung eines städtischen Klima-Aktionsplans. Dieser soll festschreiben, wie die Stadt in Richtung CO2-Neutralität gelangen will. Dafür sollen nun Stadtbewohner Ideen äußern. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Stadtverwaltung skizziert die aktuelle Marburger CO2-Bilanz so: Heizenergie-Verbrauch – speziell Gas und Öl – machen rund die Hälfte aller CO2-Emissionen aus, der Stromverbrauch sorgt für weitere 20 Prozent, für den gleichen Anteil ist in der Universitätsstadt der Verkehr verantwortlich.

Die „entscheidenden Stellschrauben“, wie sie die städtische Klimaschutzbeauftragte Wiebke Smeulders bezeichnet, sei daher vor allem die energetische Sanierung von Gebäuden – von Schulen und Kindergärten über Bürgerhäuser und Verwaltungseinrichtungen bis hin zu Wohnhäusern.

Öffentlicher Klima-Workshop

Der öffentliche Klimaaktions-Workshop findet am Freitag, 8. November, von 17 bis 20.30 Uhr im TTZ (Softwarecenter 3) statt. Ablauf: Von 17 bis 18 Uhr legt die Stadtverwaltung den Ist-Stand dar, Vertreter der Marburger Klimagruppe und „Fridays for Future“ kommen ebenfalls zu Wort.

Ab 18 Uhr sollen Bürger, Wirtschafts- und Vereinsvertreter in Arbeitsgruppen zu 13 Schwerpunktthemen – unter anderen Verkehr, Konsum und Ernährung – Ideen entwickeln, die Eingang in den darauf folgenden Klimaaktionsplan des Magistrats finden sollen. Ziel: Es soll ein Ideenpool entstehen – sowohl für Politik und Verwaltung als auch Bürger und deren Alltagshandeln.

„Es ist in dem Bereich über die Jahre schon viel gemacht worden, aber auch sehr vieles ist weiterhin offen“, sagt Bauamtsleiter Walter Ruth. Alleine für den Umbau des ­Bestands an öffentlichen Wohngebäuden – etwa Gewobau und GWH – wären nach städtischen Berechnungen Millionenbeträge nötig.

Wie auch der Umstieg auf ­erneuerbare Energien, die Senkung des Stromverbrauchs und Verkehrsveränderungen sind die städtischen Schwerpunktthemen bekannt und auch benannt – vor allem im 2011 ­erstellten Klimaschutzkonzept. Ein Plan, der in mehreren Teilen nie umgesetzt wurde; etwa die darin angedachte Verkehrsberuhigung, die Sperrung der Leopold-Lucas-Straße für Autos oder die flächendeckende Sanierung aller Gewobau-Häuser.

Trotz der Existenz eines unvollendeten Plans: Der Magistrat will in die nun bevorstehende Klimaschutz-Bürgerbeteiligung nicht mit einem „vorgefertigten Fachplan reingehen“ und lieber „Ideen der Bürger frei und unbeeinflusst entstehen lassen“, sagt Spies. Ziel dieser Herangehensweise ist laut OB die „maximale Akzeptanz des Konzepts und eine faire Aushandlung der konkreten Schritte“.

Externe Berater sollen Bürgervorschläge prüfen

Allerdings kündigte Spies sogleich eine Verzögerung der Konzepterstellung an – im Klimanotstands-Beschluss aus dem Sommer war dessen Fertigstellung für das Jahresende 2019 festgeschrieben. Auch werde das Klimakonzept keine Auflistung an Einzelvorhaben wie etwa im Radverkehrswegeplan enthalten, sondern Prozesse beschreiben. 

So oder so: „Für Klimafragen gibt es gegenwärtig einen Rückenwind wie nie“, sagt Jochen Friedrich, Leiter der städtischen Umweltschutz-Abteilung im Hinblick auf die Stagnation bei dem acht Jahre alten Plan. Alle Bürgervorschläge sollen nach dem Workshop von „externer Expertise“ – also Beratern – auf deren Umsetzbarkeit, vor allem auf einen Kosten-Nutzen-Faktor hin überprüft und bewertet werden, eine Prioritätensetzung ermöglichen.

„Es soll letztlich das umgesetzt werden, was wirklich etwas bringt“, sagt Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU). „Wir wollen und werden keinen Symbolen nachjagen“, ergänzt OB Spies und verweist auf bereits angelaufene Klimaschutzschritte wie die bevorstehende Bus-Elektrifizierung oder die Ausweisung als Wasserstoff-Region (OP berichtete).

von Björn Wisker