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Marburg Marburger Biologie-Dekan wechselt in Freiburger Uni-Leitung
Marburg Marburger Biologie-Dekan wechselt in Freiburger Uni-Leitung
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16:58 16.01.2021
Professor Stefan Rensing.
Professor Stefan Rensing. Quelle: Privatfoto
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Marburg

In einer gemeinsamen Sitzung hatten die Freiburger Wahlgremien Senat und Universitätsrat Mitte Dezember mit Mehrheit den 53-jährigen Zellbiologen zum Prorektor für Forschung und Innovation gewählt. Der hauptamtliche Posten ist vergleichbar mit der des Vizepräsidenten für Forschung an der Universität Marburg. Rensing tritt sein neues Amt in Freiburg voraussichtlich im Frühsommer dieses Jahres an.

„Ich gehe auch mit einem weinenden Auge aus Marburg weg“, sagt Rensing, der international anerkannte Experte für die Evolution der Pflanzen. Erst im Oktober 2020 war er zum Dekan des Fachbereichs Biologie der Uni Marburg gewählt worden. Dieses Amt hätte er eigentlich bis zum Frühjahr 2022 ausfüllen sollen. Nun steht allerdings sein Wechsel an die Freiburger Hochschule schon zum Frühsommer dieses Jahres an. Rensing kündigte an, dass er eine möglichst geordnete Übergabe der Amtsgeschäfte im Dekanat anstrebe. Designierter Nachfolger als Marburger Biologie-Dekan ist laut Rensing der amtierende Prodekan Professor Rudolf Thannbichler.

Rensing berichtete der OP, dass die Entscheidung für seinen Weggang aus Marburg ihn auch einige schlaflose Nächte bereitet habe. Denn er verlässt die Universität in einer für seinen Fachbereich wichtigen Phase. So steht einerseits der Start des lange erhofften Biologie-Neubaus dank der neuen Heureka-Millionen aus Wiesbaden vor der Tür. Zudem gibt es einen Generationswechsel. „Viele Professuren werden nachbesetzt“, erläuterte Rensing.

„Ich hatte eine gute Zeit in meinen acht Jahren in Marburg und auch einige Erfolge in der wissenschaftlichen Arbeit“, resümiert Rensing. So ist er Koordinator des DFG-Forschungsschwerpunktes mit dem einprägsamen Kurznamen „MAdLand“. In der Langfassung heißt der Name „Molekulare Adaptation an das Land: Evolutionäre Anpassung der Pflanzen an Veränderung“. Das Forschungsvorhaben, an das 27 Forschungsgruppen angeschlossen sind, ist im März 2020 offiziell angelaufen und wird mit etwa sechs Millionen Euro zunächst für eine Laufzeit von drei Jahren gefördert.

Vor dem Hintergrund des aktuellen globalen Klimawandels und der damit verbundenen Folgen steht im Mittelpunkt von „MAdLand“ die Frage, wie Pflanzen als größte Quelle für Biomasse und die Ernährung der Weltbevölkerung sich an die schwerwiegenden Veränderungen ihrer Umwelt anpassen.

Das Forschungsprojekt soll zudem eine der dramatischsten Veränderungen der Umwelt untersuchen – den Habitatwechsel von Wasser auf felsiges Land.

Noch ist nicht abschließend geklärt, wie das Forschungsprojekt weitergeführt wird. Rensing wird sich als hauptamtliches Mitglied der Universitätsleitung in Freiburg komplett aus der Forschung zurückziehen. Spannend findet der 53-Jährige aber auf jeden Fall seine künftige Aufgabe, weil er damit Hochschulpolitik an verantwortlicher Stelle mitgestalten kann.

Rensing begann mit dem Biologiestudium seine wissenschaftliche Karriere an der Uni Freiburg, an die er jetzt zurückkehrt. Nach der Promotion in Zellbiologie 1995 und der Habilitation in Bioinformatik und Systembiologie 2007 forschte er zunächst im Exzellenzcluster „BIOSS – Centre for Biological Signalling Studies“ und in der Freiburger Initiative für Systembiologie, bevor er 2012 den Ruf auf eine Professur für Zellbiologie der Universität Marburg annahm.

In seiner Forschung befasste er sich seitdem mit der Evolution der Pflanzen, die er mit Methoden der Genetik und Bioinformatik insbesondere am Beispiel von Moosen untersucht.

„Wir gewinnen mit Stefan Rensing einen hervorragenden Wissenschaftler, der seine Fähigkeit, große Verbundforschungsprojekte zu organisieren und zu leiten, bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Er ist mit unserer Universität vertraut und bringt zugleich einen frischen Blick von außen mit“, sagt die frischgebackene Freiburger Rektorin Professorin Kerstin Krieglstein. „Darüber hinaus verfügt er als Antragsteller ebenso wie als Gutachter über umfangreiche Erfahrungen mit den maßgeblichen Förderorganisationen auf nationaler und europäischer Ebene“.

Von Manfred Hitzeroth