Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Bahn frei für Bauprojekt-Bündel?
Marburg Bahn frei für Bauprojekt-Bündel?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 18.01.2021
Das Wohngebiet "Am Engelsberg" – bereits jetzt werden in der Marbach vereinzelt neue Häuser gebaut. In dem Gebiet gibt es eine von mehreren möglichen Bebauungs-Flächen, worüber die Kommunalpolitik entscheiden soll.
Das Wohngebiet "Am Engelsberg" – bereits jetzt werden in der Marbach vereinzelt neue Häuser gebaut. In dem Gebiet gibt es eine von mehreren möglichen Bebauungs-Flächen, worüber die Kommunalpolitik entscheiden soll. Quelle: Björn Wisker
Anzeige
Marburg

Bahn frei für ein Bündel von umstrittenen Projekten – ist das die Abschiedsrunde der ZIMT-Regierung? In dieser Woche stehen die letzten Ausschuss- und Parlamentssitzungen der Legislaturperiode, die finalen Abstimmungen vor der Kommunalwahl am 14. März an; und es soll gleich über mehrere, mitunter seit Jahren kontrovers diskutierte Projekte auf der Tagesordnung entschieden werden.

Darunter sind in zwei Fachausschüssen Bauleit- und Rahmenplanungen für das seit mehr als zehn Jahren in der Marbach diskutierte Baugebiet „Am Engelsberg“, die vor zwei Jahren angekündigte, mögliche Wohnbebauung entlang der Beltershäuser Straße zwischen Kreishaus und Polizei sowie der auf dem 3U-Gelände geplante Sparkassen-Neubau. Darum geht es im einzelnen:

Anwohner in der Marbach äußerten lange Kritik an dem Vorhaben, im Ortsbeirat Marbach entbrannte im Jahr 2015 eine hitzige Debatte. Die Bewohner des Gebiets fürchten durch Bauarbeiten und die dann ständig an- und abfahrenden Lkw massive Schäden an den Zufahrtsstraßen, vor allem aber Setzungsrisse an den Eigentumshäusern, an Versorgungsleitungen und Kanalsystem sowie letztlich Verluste bei den Immobilienwerten. Der Bebauungsplan ist mittlerweile bei den Zufahrten verändert, so bleiben der „Salegrund“ und eine Grünfläche außen vor. Auch werde es eine sogenannte Beweissicherung für den Straßenraum und die angrenzenden Wohngebäude geben. Ziel: im Zuge der Bauarbeiten entstehende Schäden nachweisbar machen. Etwas, worauf Bewohner des angrenzenden, steilen und engen Hasenküppels und Salegrunds – die in der Vergangenheit von entsprechenden Schäden durch nahe Bauarbeiten berichteten –gedrängt haben.

Kritik: Magistrat erzeugt künstlichen Zeitdruck

Für die Bebauung an der Beltershäuser Straße wurde im Juli 2020 eine Absichtserklärung zwischen Magistrat und Landkreis Marburg-Biedenkopf unterzeichnet, um dort – im Zuge einer Erweiterung der Kreisverwaltung – Wohnungen zu bauen. Auf der Fläche zwischen Kreisjobcenter und Kfz-Zulassungsstelle soll, so die Ideen vor rund zwei Jahren beim Bekanntwerden der Pläne, ein Viertel mit mindestens 50 Wohnungen samt Büro- und Dienstleistungsflächen entstehen. Das Vorhaben stieß unter anderem in Hinblick auf die schon seit Jahren vorangetriebene Verdichtung, den beständigen Geschosswohnungsbau am nahen unteren Richtsberg auf Kritik.

Bei der von der Sparkasse Marburg-Biedenkopf geplanten Verwaltungszentrale auf dem 3U-Gelände gegenüber des Vitos-Parks wird seitens der Stadtverordneten etwa eine mangelnde Mitsprache und ausbleibende Bürgerbeteiligung kritisiert.

Oppositionspolitiker sehen im Vorfeld der bis Frühjahr 2021 letzten Sitzungsrunde ein grundsätzliches Problem: Da die Corona-Regeln des Parlaments eine verkürzte Sitzungszeit vorsehen, werden Aussprachen zu einigen Magistratsvorlagen ausfallen, eine öffentliche Diskussion zu manchen Plänen nicht stattfinden und – vermutlich mit den Stimmen der Regierungsmehrheit – verabschiedet.

Einige Stadtverordnete erkennen darin ein politisches Manöver des Magistrats und der ZIMT-Regierung aus SPD, CDU und BfM. Sie wollten „die Projekte noch schnell durchdrücken – aus Angst vor neuen Mehrheiten“ und einem im Frühjahr eventuell verstärkten Fokus etwa auf Klima-Konflikte wie etwa der neuerlichen Flächen-Versiegelung.

Die Stadtverwaltung hat den Einzelprojekten indes bereits eine Vereinbarkeit mit den geltenden Klimanotstandszielen attestiert – das gilt auch für das Gebiet „Auf der Jöch“ in Wehrda, dem Eisenstraßen-Projekt von Investor Ulrich Burk.

Auch für über andere, allerdings weniger brisante Vorhaben wie den Bau eines Seniorenheims in Michelbach oder einer neuen, 14 Wohnungen umfassenden Siedlung in Ginseldorf sollen noch vor Ablauf der Wahlperiode die Weichen gestellt werden.

Von Björn Wisker

Die Termine

Verkehrsausschuss: Dienstag, 18 Uhr, im Parlamentssaal (Barfüßerstraße 50)

Bauausschuss: Donnerstag, 18.30 Uhr, im Parlamentssaal (Barfüßerstraße 50)