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Marburg Transparenter Klang
Marburg Transparenter Klang
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12:00 27.12.2019
Der Marburger Bachchor sorgte für festliche Stimmung im Advent. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Unter dem Titel „… in excelsis!“ hatte Chorleiter Nicolo Sokoli ein vielseitiges Programm zusammengestellt. Er spannte den musikalischen Bogen weit von der Renaissance bis in die Gegenwart. Los ging es mit dem weihnachtlichen „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt (1612-1675).

Vom ersten Ton an zeigte der Marburger Bachchor sein ganzes Können: hohe Präzision, fein abgestimmte Dynamik, beste Intonation, gute Text­verständlichkeit. Zusammen schufen die Sänger einen hellen und transparenten Klang, der die Zuschauer beeindruckte und berührte.

Von Giovanni Gabrieli (1557-1612) stammten das wunderschöne Kyrie, Gloria und Sanctus aus den „Sacrae Sym­phoniae“. Gabrieli nutzte den frühmittelalterlichen Bau der Markuskirche in Venedig, wo er Musikergruppen im Kirchenraum verteilt auftreten ließ. Im Konzert am Sonntag standen Chor und Bläser ebenfalls aufgeteilt an verschiedenen Stellen in der Kirche.

Der Bachchor und die Bläser übernahmen den Part von Chor 1 und 2, ­während die Orgel (Nils Kuppe) den Chor 3 spielte. So ergab sich ein wunderbares Wechselspiel zwischen Stimmen und Instrumenten und der Klang schwebte frei und klar durch die ganze Kirche.

Bachchor fasziniert durch Klarheit und Reinheit

Weiter ging es mit dem Instrumentalstück „Tower Brass Fanfare“ von Hubert Meixner (geboren 1958). Hier hatten die Blechbläser ihren großen Einsatz. Die acht Musiker mit Trompeten, Posaunen und Tuba spielten kraftvoll und präzise und überzeugten mit Spielfreude und viel Engagement. Auch später verliehen sie dem Konzert mit ihrem begleitenden Spiel eine glanzvolle Note.

Dann war wieder der Bachchor an der Reihe, der jetzt drei Stücke a cappella sang. Mit „Northern Lights“ von Ola Gjeilo (geboren 1978) führte die Reise nach Norwegen. Der Bachchor faszinierte einmal mehr durch die Klarheit und Reinheit der Stimmen und die einfühlsame Interpretation. ­„Northern Lights“, das vom norwegischen Winter inspiriert ist, liegt ein biblischer Text aus dem Hohelied Salomos zugrunde.

Hauptwerk des Abends war das „Gloria“, das der englische Komponist John Rutter (geboren 1945) geschrieben hat. Der Chor legte mit dem kraftvollen Allegro vivace einen starken Start hin. Dabei kam auch das Schlagwerk mit Pauke zum Zuge und man hörte die für Rutter typischen Anklänge an Carl Orff. Zart und sanft erklang zwischendurch das „Et in terra pax“ mit seiner innigen Bitte um Frieden.

Sehr spannend gestalteten dann alle Beteiligten das Andante aus Rutters „Gloria“, das sich nach einem ruhigen Beginn zu einem donnernden Forte hin steigerte. Mit einem strahlenden Gloria endete das rhythmisch anspruchsvolle Stück, das alle sehr gut meisterten. Am Ende des beeindruckenden Konzertes gab es minutenlang tosenden Beifall. Mit dem stimmungsvollen Weihnachtslied „Maria durch ein Dornwald ging“ als Zugabe verabschiedete sich der Chor von seiner begeisterten Fangemeinde.

von Bettina Preussner