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Marburg Marburg im Hochmittelalter
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13:00 31.01.2021
Die in Marburg geborene und in Frankenberg lebende Autorin Ute Zembsch setzt ihre „Henkersweib“-Reihe fort.
Die in Marburg geborene und in Frankenberg lebende Autorin Ute Zembsch setzt ihre „Henkersweib“-Reihe fort. Quelle: Privatfoto
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Marburg / Frankenberg

Im Marburg des Jahres 1233 spielt der Roman „Die Ehre des Henkersweibs“ von Ute Zembsch. Es ist die Fortsetzung ihres Romans „Henkersweib“ aus dem Jahr 2018. Die Heilige Elisabeth ist zwei Jahre zuvor gestorben, der Bau der Elisabethkirche hat noch nicht begonnen.

Über der kleinen Stadt thront eine Burg, der Deutsche Orden, ein Ritterorden, ist mächtig, der Inquisitor Konrad von Marburg, der ehemalige grausame Beichtvater von Elisabeth von Thüringen, ist ebenso gefürchtet wie verhasst. Sein Tod spielt eine Rolle im ersten Kapitel des Romans: Konrad von Marburg wurde am 30. Juli 1233 nahe Beltershausen erschlagen.

Vor diesem Hintergrund spielt der zweite Roman, der in Marburg geborenen und in Frankenberg lebenden Autorin. Im Zentrum der Geschichte steht die frühere Magd Runhild, die im ersten Band als Leibeigene auf einem Hof im Marburger Umland lebte, und in der Hoffnung auf Freiheit nach Marburg floh. Dort wurde sie wegen Ketzerei angeklagt und konnte nur überleben, weil sie den Henker Meinulf heiratete.

Henker waren extreme Außenseiter in der Gesellschaft des Mittelalters. Oft wurden Menschen, nicht selten Straftäter, in diesen ehrlosen Beruf gezwungen. Dieser Beruf konnte dann nicht mehr gekündigt werden, er wurde an die Nachkommen weitervererbt.

Henker durften keine öffentlichen Ämter bekleiden, bekamen in der Kirche den hintersten Stehplatz, waren beim Abendmahl als Letzte an der Reihe und durften etwa ein Wirtshaus nur dann betreten, wenn sie sich zu erkennen gaben und keiner der anwesenden Gäste etwas dagegen hatte. Heiraten durften sie nur die Tochter eines anderen Scharfrichters – oder eine verurteilte Missetäterin. Die war danach auch Außenseiterin.

In dieser Welt leben Runhild und ihr Mann Meinulf, der durch Verrat zum Scharfrichter gemacht wurde. Als mit einer Gesandtschaft von Rittern aus dem Deutschen Orden auch Meinulfs einstiger Kamerad Swidbert nach Marburg kommt, brechen alte Wunden wieder auf. Denn ehe er vier Jahre zuvor eines Verbrechens denunziert, dafür verurteilt und so in das Amt des Henkers gezwungen wurde, war Meinulf ein angesehener Schildknappe kurz vor dem Ritterschlag. Gemeinsam macht sich das Henkerspaar auf die Suche nach dem Verräter und beide hoffen auf Gnade beim Landgrafen und dem Erzbischof, die dem Gnadengesuch zustimmen müssen, wie Ute Zembsch in einem Interview mit ihrem Burgenwelt-Verlag erklärte.

Ute Zembsch ist in Wetter aufgewachsen. Die gelernte Bürokauffrau hat vor etwa 20 Jahren einen Verein für erlebbares Mittelalter mit gegründet und schlüpft auch als Pen-and-Paper-Rollenspielerin in verschiedene Charaktere. Über diese Fantasy-Rollenspiele, bei dem die Teilnehmer gemeinsam, durch erzählen ein Abenteuer erleben, ist sie auch zum Schreiben gekommen. Für die Autorin ist die Geschichte von Runhild und Meinulf noch nicht beendet. „Sie sind noch jung und können noch viel erleben oder von ihrer Vergangenheit eingeholt werden“, so Ute Zembsch.

Band 3 der Reihe sei aktuell in der Testleser-Phase. Er wird zur Hälfte in Marburg und zur Hälfte in der im 13. Jahrhundert gegründeten Stadt Frankenberg spielen, so die Autorin. Ute Zembsch will mit ihren Mittelalterromanen einerseits unterhalten, andererseits über den Alltag der Menschen in diesem Zeitalter informieren. Ihr Ziel: „unterhaltsamer Geschichtsunterricht“.

Ute Zembsch: „Die Ehre des Henkersweibs“, Burgenwelt-Verlag, 278 Seiten, ISBN 978-3-943531-90-9, 14,90 Euro.

Von Uwe Badouin

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