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Marburg Marburger Ausländerbeirat fordert mehr Ganztagsplätze
Marburg Marburger Ausländerbeirat fordert mehr Ganztagsplätze
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21:00 12.02.2022
Eine Erzieherin spielt in einer Kita mit Kindern.
Eine Erzieherin spielt in einer Kita mit Kindern. Quelle: Uwe Anspach
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Marburg

Der Marburger Ausländerbeirat fordert mehr Ganztagsplätze in Kindergärten. Das Gremium greift damit eine ähnliche Forderung des Ortsbeirates Richtsberg auf. Dieser hatte Mitte Januar eine „dramatische Unterversorgung“ bei der Kinderbetreuung beklagt. Die Stadt ist unterdessen dabei, das Angebot auszubauen.

Aus Sicht des Ausländerbeirates ist vor allem wichtig, dass ausreichend Ganztagesplätze zur Verfügung stehen. „Wir haben Kontakt zu sehr vielen Migrantenfamilien, die sich einen Betreuungsplatz bis 17 Uhr wünschen und uns sagen: Leider habe ich nur einen Platz bis 12 oder 14 Uhr“, sagte die Vorsitzende des Ausländerbeirates, Sylvie Cloutier, der OP. In dem einstimmig verabschiedeten Antrag des Beirats heißt es: „Die Stadt Marburg möge für alle Kinder ab drei Jahren einen Ganztagsplatz im Kindergarten anbieten. Dies soll vor allem für Kinder gelten, die besonderer Förderung in der deutschen Sprache bedürfen.“ Der Antrag soll am Mittwoch im Bildungsausschuss des Stadtparlaments behandelt werden.

Eine Mutter vom Richtsberg berichtete der OP, dass sie ihre dreieinhalb Jahre alte Tochter gerne bis 15 Uhr in der Kita lassen würde. „Aber man sagt mir, es geht nur bis 14 Uhr, weil du zu Hause bist“, erzählte sie. Die Kita sei zudem weit von ihrer Wohnung entfernt – sie müsse mit zwei Bussen fahren, um von ihrer Wohnung am unteren Richtsberg bis zur Kita zu kommen.

Würde die Tochter bis 15 Uhr im Kindergarten betreut, könnte der Vater sie auf dem Rückweg von der Arbeit abholen. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Mutter sich eine längere Betreuung für ihre Tochter wünscht: „Wir kommen aus Syrien, deswegen braucht sie ein bisschen mehr Zeit – zum Spielen und um die Sprache zu lernen.“

Sprachförderung durch alltägliche Kommunikation

Das ist auch ein Hauptargument des Ausländerbeirates. „In Kindertagesstätten geschieht Sprachförderung zum großen Teil durch die alltägliche Kommunikation zwischen den Erzieher/innen und den Kindern sowie zwischen den Kindern untereinander“, heißt es in der Begründung des Antrags. „Gerade bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache ist ein ‚Sprachbad’ in der Kita besonders wichtig.“ In der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, dass durch die Schließung von Kindertagesstätten viele Kinder bei der Einschulung nicht das erforderliche Sprachniveau hatten, sagte Cloutier.

„Die Stadt Marburg sollte diesen Kindern bereits beim Eintritt mit drei Jahren in die Kitas gezielt Ganztagsplätze anbieten, auch wenn ein Elternteil nicht außerhalb des Familienzuhauses arbeitet“, heißt es in der Antrags-Begründung.

„Es ist klar, wenn eine Kita nur zehn Ganztags-Plätze zu vergeben hat, werden sie die Plätze immer den Müttern anbieten, die arbeiten, und nicht denen, die zu Hause sind“, sagte Cloutier. Deshalb bekämen aber viele Kinder aus Migrantenfamilien keinen Ganztagsplatz, und ihre Mütter hätten schlechtere Chancen, eine Arbeitsstelle zu finden. „Wir unterstellen da keine böse Absicht – es gibt einfach nicht genügend Ganztagsplätze.“

Stadt schafft neue Betreuungsplätze

Bereits im Januar hatte der Ortsbeirat Richtsberg in einem Antrag von der Stadt gefordert, „im Rahmen einer Notfallversorgung unmittelbar 50 neue Betreuungsplätze zu schaffen“. Die Stadt hat bereits mit dem Ausbau des Betreuungsangebots begonnen – wenn auch noch nicht in dem vom Ortsbeirat geforderten Umfang.

Jeweils zehn neue Krippenplätze für Unter-Dreijährige sind in der Kita Karlsbader Weg am Richtsberg und im Försterhaus am Ortenberg entstanden, wie die Stadt in einer Pressemitteilung schrieb. Beide Krippengruppen sind von 7 bis 17 Uhr geöffnet, wie Stefanie Ingwersen von der Pressestelle der Stadt auf Nachfrage der OP ergänzte. „Dabei gibt es zwei Buchungsmodelle: entweder einen Ganztagsplatz bis 17 Uhr oder eine Betreuung bis 14 Uhr täglich“, erklärte sie. Die Plätze würden entsprechend dem Bedarf der Eltern vergeben.

„Für Eltern ist die Kinderbetreuung eines der notwendigsten Angebote“, erklärte die neue Bürgermeisterin und Jugenddezernentin Nadine Bernshausen (Grüne) laut Mitteilung.

„Wir planen, die Kita-Plätze weiter entsprechend dem hohen Bedarf auszubauen.“ Im zweiten Halbjahr sollen laut Stadtverwaltung 15 zusätzliche Plätze für Kinder ab drei Jahren in der Kita Grünes Haus im Karlsbader Weg entstehen. Auch in Wehrda, am Stadtwald und in weiteren Stadtteilen baue die Stadt die Kinderbetreuung aus.

Die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kinder und Jugend, Kultur und Sport findet am Mittwoch, 16. Februar, 16.30 Uhr im Sitzungssaal Barfüßerstraße 50 statt.

Von Stefan Dietrich