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Marburg Marburger Aufbauhilfe für Hessen-SPD?
Marburg Marburger Aufbauhilfe für Hessen-SPD?
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00:17 03.11.2018
Wie geht's weiter mit Hessens SPD um ihren Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel? Quelle: Arne Dedert
Marburg

Der SPD-Bezirk Hessen Nord, seit Monaten unter dem kommissarischen Vorsitz von Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, hat sich trotz aller Stimmverluste bei der Landtagswahl am Sonntag als letztes Standbein der Landes-SPD erwiesen. Zwischen Schwalm-Eder-Kreis und Kassel, speziell im Norden und Osten Hessens, gewann die Partei ihre einzigen Direktmandate.

Spies’ Anteil an der Schadensbegrenzung – und Anlass für neue landespolitische Ambitionen des Ex-Landtagsabgeordneten? „Die Frage nach Posten stellt sich der hessischen SPD heute nicht“, sagt er auf OP-Anfrage zu einer möglichen Kandidatur um den Bezirksvorsitz.

Die Bezirksspitzen – Nord wie Süd – haben vor allem Einfluss auf die regionale Politikgestaltung und auf den Landesvorstand, sie können als Sprungbrett für die Karriere in der ersten Polit-Reihe dienen. Und die Nord-Politiker könnten perspektivisch die aktuelle Süd-Dominanz brechen – denn hinter dem zumindest vorerst weiterhin als Landeschef fungierenden Mittelhessen Thorsten Schäfer-Gümbel sind mit Gisela Stang, Gernot Grumbach (Süd-Bezirksvorsitzender) und ­Nancy Faeser die Spitzenpositionen vor allem mit der Süd-Vertretern besetzt.

Eine Hoffnungsträgerin in der SPD

Der Norden ist im Vorstand vor allem bei den Beisitzern vertreten – unter anderem mit Spies und der 51-jährigen Marburger Landrätin Kirsten Fründt, die als Finanz­ministerin Teil des jüngsten SPD-Schattenkabinetts war. Sie gilt an der Basis, gerade mit ihrem Hintergrund als Quereinsteigerin und ihrer jüngsten Erfolgsbilanz, als eine Hoffnungsträgerin.

Problem: Im Landkreis Marburg-Biedenkopf, und vor allem zwischen Hinterland und Wetter bis in den Ebsdorfergrund, verlor die SPD so viele Stimmen wie nirgendwo sonst in Hessen. Und auch in der Universitätsstadt, einst rote Hochburg, lag die Partei um OB Dr. Thomas Spies hinter Grünen und CDU und vor allem unter dem Landesergebnis.

Für die Zukunft stehen der Partei auf Landesebene aber wohl nur drei Varianten offen: Ein Neuaufbau um die erfahrenen Mitt- bis Endfünfziger wie eben Spies, Winfried Becker ­(gebürtiger Marburger, Landrat Schwalm-Eder-Kreis) und Anita Becker (Landrätin Gießen), oder ein Umbruch mit jüngeren Polit-Kräften wie etwa dem 42-jährigen Timon Gremmels oder dem gleichaltrigen Christian Geselle (Oberbürgermeister Kassel).

Alternativ ein Zwitter: Ein Erfahrener aus einem Bezirk, eine Nachwuchshoffnung aus dem anderen Bezirk. Klar scheint nur: Ein Umbau der auf ein historisches Tief abgestürzten Partei wird aus den sozialdemokratisch noch stabilen Regionen, den verbliebenen Städten und Landkreisen, Kommunalparlamenten mit Regierungsbeteiligungen kommen – was in Mittel- und Nordhessen aber häufiger als im Süden der Fall ist.

Eine These, die Spies stützt: Es müsse in der SPD insgesamt wieder eine „klare sozialpolitische Position“ her – etwas, das man speziell in Nordhessen wegen der „kommunalen Verankerung“ habe. „Wir werden nur dann besser, wenn wir uns in Fragen des Sozialstaats und Nachhaltigkeit endlich eindeutig positionieren und dann auch tun, was wir sagen“, sagt Spies, der im Landtag jahrelang als Sozialpolitiker aktiv war.

Wer wird neuer SPD-Bezirksvorsitzender?

Seit dem Tod von Manfred Schaub Anfang dieses Jahres führt Spies den Nord-Bezirk zusammen mit der Europaabgeordneten Martina Werner kommissarisch. Als einer der Favoriten auf eine reguläre Schaub-Nachfolge – die Wahl soll wohl Anfang nächsten Jahres stattfinden – und somit den Sprung in die vorderste Reihe im Land gilt nach OP-Informationen allerdings ein anderer gebürtiger Marburger: Timon Gremmels. Der 42-Jährige vertritt Kassel als Bundestagsabgeordneter in Berlin, ist dort Teil des Wirtschafts- und Energieausschusses, studierte an der Philipps-Universität Politikwissenschaft mit den Neben­fächern Rechtswissenschaften sowie Friedens- und Konfliktforschung.

Gremmels war zwischen 1999 und 2011 im Nord-Bezirksvorstand, in der Universi­tätsstadt kam er seinerzeit kommunalpolitisch aber nicht wie erhofft zum Zuge. Ambitionen und Chancen auf den Bezirksvorsitz werden zudem Stefan Reuß, 48-jähriger Landrat des Werra-
Meißner-Kreises, nachgesagt.

von Björn Wisker