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Marburg Marburg heißt für sie Freundschaften fürs Leben
Marburg Marburg heißt für sie Freundschaften fürs Leben
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18:00 05.07.2022
Die gebürtige Marburgerin Nina Kronjäger in der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung „Im siebten Himmel“ (oben und unten links) sowie als junges Mädchen in der Marburger Wohnung.
Die gebürtige Marburgerin Nina Kronjäger in der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung „Im siebten Himmel“ (oben und unten links) sowie als junges Mädchen in der Marburger Wohnung. Quelle: Fotos: ZDF/Jon Ailes, privat
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Marburg

Und sie hat noch einige Verbindungen in die Universitätsstadt. Das hängt mit einer echten Besonderheit zusammen, denn als sie im Kindergartenalter war, gab es in Marburg bei Weitem noch nicht die Angebote von heute. „Anfang der 70er-Jahre gab es in unserer Nähe nur einen katholischen Kindergarten, doch der sagte meinen Eltern und auch anderen Eltern von den Inhalten her nicht so zu, also gründeten sie in Eigenregie einen für uns Kinder. Das hat dann dazu geführt, dass sich die Freundschaften der Eltern und Kinder stark verfestigten. Und weil nicht alle Marburg verlassen haben, gibt es für mich nach all den Jahren auch noch Anlaufpunkte in Marburg und in der Region“, sagt die heute 55-Jährige.

Kritik an der A 49-Trasse durch Dannenröder Forst

Zuletzt beschäftigte sie sich sogar mit einem Bauvorhaben im Landkreis Marburg-Biedenkopf, nämlich mit dem Weiterbau der A 49 auf Kosten des Dannenröder Forsts. „Es ist einfach nicht hinzunehmen, dass Autobahnen aufgrund von Jahrzehnte alten Planungen gebaut werden, die einfach nicht mehr in die jetzige Zeit passen. Es kann nicht sein, dass gesunde Wälder einer Autobahntrasse weichen müssen.“

Als Aktivisten von Extinction Rebellion Deutschland auf sie zukamen, sagte sie ihnen ihre Hilfe zu. Sie nahm 2020 ein Video auf, in dem sie klar Stellung für den Erhalt des Waldes bezieht. Drei Jahre zuvor hatte sie ihren Namen und auch ihr Gesicht schon für eine andere Sache hergegeben, nämlich für den Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland. Da nahm sie ein Video zusammen mit Dietmar Bartsch von der Partei Die Linke auf.

„Die Probleme in der Welt, in der wir jetzt leben, haben sich schon vor 40 Jahren angekündigt“, sagt Kronjäger. Für sie sei es deshalb unverständlich, dass die großen Staaten selbst jetzt noch eher zögerlich am Ruder ziehen, wenn es darum geht, endlich etwas Positives fürs Weltklima zu tun. Die Zukunft der Menschen ist ihr wichtig, in großen wie auch in kleineren Zusammenhängen. Politisch will sie sich nicht auf eine bestimmte Partei festlegen lassen. Wenn Ideen und Projekte gut sind, ist es ihr eigentlich egal, wer der Urheber ist.

Pflegepersonal verdient Anerkennung und mehr Geld

Gesamtgesellschaftlich kritisiert Kronjäger aktuell den Umgang mit Menschen, die in der Corona-Krise „noch deutlich als systemrelevant galten, aber für ihre wichtige Arbeit weder da noch jetzt mal richtig Cash gesehen haben“, sagt die Schauspielerin. Sie meint natürlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern und Pflege-Einrichtungen. „Wenn man ausreichend Personal haben möchte, müsste man auch mal entsprechende Angebote machen“, findet sie.

Neben zwei eigenen Kindern, Zwillinge, die in diesem Jahr zum Kreis der Erwachsenen gezählt werden dürfen, hat Nina Kronjäger noch zwei Kinderpatenschaften übernommen, in Ecuador und Guatemala. Sie möchte also auch persönlich von ihrem Glück anderen Menschen in der Welt etwas abgeben.

Seit ihrer Rolle im Kult-Film „Abgeschminkt“ von Katja von Garnier, der als „Versuchsfilm unverhofft zum Kino-Schlager wurde, obgleich er nur 60 Minuten lang war, gehört Nina Kronjäger zum Kreis jener deutschen Schauspielerinnen, die man immer wieder in unterschiedlichen Produktionen sehen kann. Was das Fernsehen anbelangt, vorwiegend in Produktionen, die im klassischen „Ersten“ und „Zweiten“ laufen. Kronjäger spielt zwar in vielen Serien mit, aber vornehmlich als Gast, nur selten in einer Rolle über mehrere Serienteile hinweg. Kürzere Gastauftritte, Nebenrollen, aber auch eine Menge Hauptrollen lassen sich in ihrer Filmografie finden, die tatsächlich kurz vor der Dreistelligkeit steht. War irgendetwas darunter, was sie im Nachhinein bereut?

„Es waren sicher nicht alle Drehbücher befriedigend, manchmal wünschte ich mir etwas mehr Tiefgang bei den Charakteren“, sagt Kronjäger knapp. Aber im Ganzen steht sie zu all dem, was sie gemacht hat. Viele Drehorte befinden sich direkt in ihrer Wahlheimat Berlin. Das sei vor allem praktisch gewesen, als die Kinder noch kleiner waren. Aber die Schauspielerei führte sie auch ins Ausland. Das sei auch reizvoll gewesen. Es ist ihr schon wichtig, ihrer Rolle Ausdruck zu verleihen und dabei fordert sie sich auch gerne selbst heraus. So gehörte sie auch zum Cast der Netflix-Erfolgsserie „Dark“ und spielte dort tatsächlich in einigen Serienteilen mit. Aktuell gibt es für sie auch wieder Engagements. Aber um was es dabei geht, lässt sie sich als Profi nicht entlocken.

So, jetzt muss Marburg mal ganz stark sein. Es sei sicher ein schönes Städtchen, sagt sie, aber Kronjäger lebt nicht nur gerne in Berlin, sie liebt auch die Hauptstadt. Gerade jetzt im Sommer sei die Stadt nur zu empfehlen. Weil sie viel Grün zu bieten habe und natürlich auch Gewässer. So viele schöne Ecken, Plätze und Viertel. Auch wenn sie Schauspielerin ist, das bringt sie so überzeugend rüber, dass man es ihr einfach glauben muss.

So erinnert sich Sabine Preisler

Sabine Preisler, 55, ist Redakteurin, gebürtige Marburgerin und arbeitet für die Stadt im Jubiläumsbüro Marburg800. Nina Kronjäger kennt sie seit mehr als 50 Jahren. Die gemeinsame Zeit im von den Eltern gegründeten Kinderladen Leckergässchen, der zu den ersten seiner Art in Marburg gehörte, hat dafür den Grundstein gelegt. „Und sie verbindet uns alle ein Leben lang“, so Preisler. Alle zwei bis vier Jahre treffen sich die weit verstreut lebenden Mittfünfziger des Kinderladens und ihre Eltern immer noch. „Und es ist, wie es damals war, voll von Vertrauen und Offenheit. Mit Nina kann man so herzlich lachen, über sich, über die Welt und überhaupt“, sagt Preisler, „und gleichzeitig wunderbar diskutieren, mit Temperament, ohne Verletzungen“. „Schon als Kind war Nina frei und unerschrocken.“

Ob beim Spielen an der Lahn, beim Versteckspiel hinter dem Vorhang auf der Mensabühne, viele Eltern studierten noch, oder rund um die Dammühle mit dem Kinderladen in der Natur. „Wir waren gefühlt immer zusammen und geborgen“, so hat Nina Kronjäger zur Jubiläumsgala ihrer Kinderladen-Freundin die Marburger Kindheit beschrieben, und beim anschließenden Wein in der Bottega überlegt, ob man die Geschichte der Kindergruppe nicht zu Papier oder auf die Leinwand bringen kann. In der Grundschulzeit ging es dann gemeinsam mit dem Bus vom Wohnort Ufer- und Biegenstraße täglich nach Ockerhausen, um die Theodor-Heuss-Schule zu besuchen, bevor der Umzug örtlich trennte, der Kontakt aber nicht verloren ging.

Von Götz Schaub